SSG-Schwimmer in USA und im DVAG-Juniorteam

SSG-Schwimmer in USA und im DVAG-JuniorteamLeipzig. Zwei Nachwuchsschwimmer der SSG Leipzig freuen sich über verschiedene Ehrungen: Der 18-jährige Rückenspezialist Tommi Wolst, der bereits im Sommer bei der Junioren-EM am Start war, wurde nach den Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal vom DSV für das internationale Meeting kommende Woche in Portland im US-Bundesstaat Oregon nominiert. Teamkollegin Michelle Zehmich (14) freut sich über die Berufung ins bundesweite Schwimm-Juniorteam der Deutschen Vermögensberatung. Paten des Teams sind die Europameister Marco Koch und Paul Biedermann.Frank SchoberLVZ2014-12-03

Sächsisches Schwimmteam mit starkem AuftrittDie Landesauswahl des Sächsischen Schwimm-Verbandes hat beim Neun-Bundesländer-Vergleich in Berlin hauchdünn hinter den Gastgebern, aber vor Niedersachsen und Sachsen-Anhalt den zweiten Platz belegt. Am Start waren auch zehn Leipziger Talente, die zu den siegreichen Staffeln gehörten und von denen Jasmin Fischeder vom SSV Leutzsch mit einem Einzel-Podestplatz glänzte.
Leipziger Starter: Jasmin Fischeder, Miriam Kürschner, Gina Semsroth (alle SSV Leutzsch), Helena Berg, Robert Clauß (beide SC DHfK), Josefine Fischer, Sophie Knauf, Seraphine Statovci, Toska Hartung (alle Post SV), Jeremy Pfeiffer (SV Handwerk).
Frank SchoberLVZ2014-12-02

Tommi Wolst bei JEMSchwimmer Tommi Wolst von der SSG Leipzig hat bei den Junioren-Europameisterschaften im niederländischen Dordrecht bei vier Einzelstarts einmal das Halbfinale erreicht. Über 50 m Rücken glänzte der Sportgymnasiast mit Platz zwölf in neuer Bestzeit (26,55 s). Weniger zufrieden war er mit den 100 und 200 m Rücken. Über 200 m Lagen kam er nach einer ordentlichen Leistung in der Nähe seiner Bestzeit auf Platz 17. Das DSV-Team wurde mit vier Gold-, acht Silber-, und fünf Bronzemedaillen zweitbeste Nation hinter Russland. Für Wolst begann die Junioren-EM mit einem 26. Platz über 100 m Rücken in 57,88 Sekunden.fsLVZ2014-07-11

Bei sieben Trainern viel gelernt – Schwimmer Tommi Wolst (18) krönt seine bisherige Laufbahn mit Platz zwölf bei der Junioren-EMDie ganz große Steigerung bei den Junioren-Europameisterschaften in Holland blieb aus. Dafür lagen die Qualifikation des Leipziger SSG-Schwimmers Tommi Wolst im Juni und der eigentliche Saisonhöhepunkt im Juli sicher zu dicht beieinander. Am Ende war ein zwölfter Platz das beste Resultat des Schützlings von Dirk Franke. Erzielt hat Wolst dies ausgerechnet über 50 Meter Rücken, obwohl er kein ausgewiesener Sprinter ist, sich vielmehr über 200 Meter am wohlsten fühlt.
Mit seinen 1,87 Metern gehörte er zu den kleinsten Halbfinal-Teilnehmern: „Die meisten Gegner waren einen Kopf größer. Ich muss die vielen Zentimeter unter anderem durch die Tauchphasen versuchen wettzumachen", sagt der gebürtige Leipziger. Dass Deutschland keine führende Schwimm-Nation mehr ist, bekam er bei der Junioren-EM durchaus zu spüren. Mit ein paar Wochen Abstand meint er: „Die russische Hymne konnte ich am Ende fast auswendig."
Bevor er endlich im Juni das Ticket nach Holland löste, musste Tommi Wolst vor allem 2013 einige Niederlagen verkraften: „Die haben mich aber vorangebracht." So lernte er neben der richtigen Renntaktik, dass er sich nicht auf das Tempo des Gegners von der Nachbarbahn verlassen darf, sondern mit Tunnelblick schwimmen muss. „Zudem habe ich eine Weile gebraucht, ehe ich befreit in wichtige Wettkämpfe gegangen bin. Es bringt nichts, sich zu sehr unter Druck zu setzen."
Der Rücken- und Lagenspezialist ist das Paradebeispiel dafür, dass in Leipzig stets viele sehr gute Trainer gearbeitet haben. Der 18-Jährige musste sich alle ein, zwei Jahre an einen neuen Coach mit leicht veränderten Konzepten gewöhnen. Bei allen entwickelte sich der Schwimmer mit der tollen Wasserlage und dem idealen Gefühl für das nasse Element rasant weiter. Daher kann Tommi Wolst auch nicht verstehen, wenn Athleten eine Phase der Stagnation auf den Trainer schieben: „Jeder ist doch in erster Linie selbst verantwortlich, bewusst zu trainieren. Dann geht es auch vorwärts."
Für die Technik-Grundlagen war einst beim SC DHfK Grit Fischer zuständig. Beim zu früh verstorbenen Rolf Dube vom Postschwimmverein lernte Tommi, dass Disziplin und Härte zum Sport dazu gehören: „Herr Dube hat kein Blatt vor den Mund genommen, mir hat das nicht geschadet." Dann ging es aufs Sportgymnasium. Bei Cathleen Saborowski spielten die koordinativen Fähigkeiten eine große Rolle. Dann übernahm Anne-Katrin Neumann: „Sie hat uns nahe gebracht, was Leistungssport bedeutet. Wir hatten viel Respekt vor ihr." Nach ihr kamen wieder drei männliche Trainer. „Bei Jirka Letzin bin ich selbstständiger geworden." An Oliver Trieb schätzt er die antiautoritäre Art: „Er sieht den Sportler auch als Freund, hat über den Tellerrand geguckt, sehr vielfältig trainiert, zum Beispiel auch mal Yoga mit uns gemacht."
Unter Dirk Franke wurden nun in den vergangenen gut eineinhalb Jahren die Trainingskilometer nach oben geschraubt, was ihm ebenso gut bekam wie das Schlingentraining bei Physiotherapeut und Triathlet Daniel Förster. „Durch ihn und durch das Training im Fitness First habe ich eine höhere Rumpfstabilität. Das zahlt sich aus."
Tommi Wolst hat ganz klare Vorstellungen, wo die Reise für ihn hingehen soll: Zum Studium in die USA, „denn bei uns lassen sich Studium und Leistungssport leider nicht vereinbaren". Für die Stärkung des Leipziger Stützpunktes ist diese Entscheidung sicher nicht ideal. Hier sind Zugpferde jenseits der 20 Lenze wie jahrelang Stefan Herbst oder derzeit Tobias Horn und Juliane Reinhold die Ausnahme. Der Schwimmsport in Leipzig ist zum Jugend-forscht-Projekt geworden. Nach dem Abitur hören viele Schwimmer auf. Oder sie verlassen ihre Heimat – entweder in die USA oder wie EM-Starterin Lisa Graf nach Berlin. Eine Rückkehr von Tommi Wolst als gestandener Athlet an seine Wurzeln wäre also wünschenswert. In vergleichbaren Fällen war das bisher Wunschdenken.
Frank SchoberLVZ2014-08-09

SSG-Schwimmer mit starkem Auftritt in RiesaSeit die Sachsenmeisterschaften der Schwimmer vor Jahren für andere Landesverbände und internationale Teilnehmer geöffnet wurden, haben sich die Titelkämpfe zur echten Standortbestimmung entwickelt. Knapp zwei Wochen vor den deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal zeigten die starken Schwimmer aus Halle der Konkurrenz die Grenzen auf. Erwartungsgemäß sicherten sich die Athleten von der Saale um die international erfahrene Daniela Schreiber mit 15 Einzeltiteln das Gros der Goldmedaillen. Die Schwimmer der SSG Leipzig standen vier Mal auf dem obersten Treppchen.
Die Leipziger Meister waren sehr zufrieden mit ihren Auftritten. Tobias Horn (21) gewann über 200 sowie 400 m Freistil und meinte: „Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nie schneller, das lässt hoffen. Über 200 Meter bin ich erstmals seit zwei Jahren wieder unter 1:50 geblieben." Fast schon euphorisch war Juliane Reinhold (20), die als Siegerin über 400 m Lagen in 4:42,94 min ihre Bestzeit nur um acht Zehntel verpasste und meinte: „Ich bin mehr als zufrieden, hochmotiviert und werde sehr engagiert im Training dranbleiben. Es geht wieder aufwärts und an den nächsten Schritten in Richtung Erfolg kann mich niemand hindern." Der vierte SSG-Sieg ging an die 19-jährige Marie Pietruschka über 400 m Freistil, die ebenfalls von Trainer Dirk Franke ein Extralob erhielt. Tommi Wolst überzeugte auch ohne Sieg nach überstandener Krankheit.
Frank SchoberLVZ2014-11-18

Stadt fördert Projekte in 14 SportartenMit insgesamt 340000 Euro in 14 Sportarten fördert die Stadt Leipzig in diesem Jahr Projekte des Nachwuchsleistungssports. Das sind 25000 Euro mehr als im Vorjahr, wobei mit Handball (männlich) und Fechten zwei. weitere Schwerpunktsportarten in den Genuss der Projektfördermittel kommen werden. Bei den Fechtern ist jedoch das Anerkennungsverfahren zum Bundesstützpunkt (Nachwuchs) noch nicht abgeschlossen.
Entscheidend für die Höhe der Förderung sind unter anderem die Anzahl der Bundeskader sowie die Erfolge bei internationalen Meisterschaften. Bis auf die beiden Neuaufnahmen gab es im Vergleich zum Vorjahr nur wenige Veränderungen. Die paralympischen Schwimmer büßten gut ein Drittel der Förderung ein, da nach Olympia 2012 einige Leistungsträger aufgehört haben, während Martin Schulz zum Triathlon wechselte und dort große Erfolge feiert.
Individualsportarten
Kanurennsport 48000 Euro (Vorjahr 48000)
Kanuslalom 46000 (46000)
Leichtathletik 38000 (35000)
Judo 35000 (35000)
Wasserspringen 30000 (30000)
Rudern 29500 (26500)
Radsport 19000 (17000)
Schwimmen 13500 (13500)
Paralymp. Schwimmen 10000 (16750)
Fechten 11500 (0)
Mannschaftssportarten
Handball weiblich 21000 (21000)
Handball männlich 15000 (0)
Volleyball männlich 13500 (14500)
Sitzvolleyball 10000 (11750)
fs
Frank SchoberLVZ2015-04-15

Leipziger Talent erfährt besondere Ehre – Michelle Zehmisch neu im DVAG-JuniorteamStolz lächelt die 14-Jährige mit den amtierenden Europameistern Marco Koch und Paul Biedermann in die Kamera: Schwimmtalent Michelle Zehmisch von der SSG Leipzig wurde kurz vor Weihnachten offiziell ins 19-köpfige nationale Juniorteam aufgenommen, das von der Deutschen Vermögensberatung künftig aus einem Ausbildungsfonds mit Fahrtkostenzuschüssen, einem internationalen Trainingslager in Teneriffa sowie Trainingsbekleidung gefördert wird. Die Sportschülerin, deren Spezialstrecken die 50 und 100 m Freistil sind, setzte sich gegen mehr als 100 Bewerber aus ganz Deutschland durch.
Kurz vor dem Fest waren auch Michelles SSG-Kollegen mehrfach im Einsatz. Eine kleine Leipziger Delegation startete bei den offenen italienischen Wintermeisterschaften in Riccione an der Adria. Gegen die komplette Elite des Gastgeberlandes behauptete sich Juliane Reinhold mit sechsten Plätzen über 200 und 400 m Lagen am besten. Parallel dazu schwammen alle anderen Stützpunkt-Athleten in Dresden beim Christstollenschwimmfest, wo vor allem Lucie Kühn, Isabell Ramolla, Louise Fuierer, Lisa Marie Päßler und Jugendmeister Michael Schäffner mit ihren Siegleistungen zahlreiche Stollen einheimsten.
Am vorletzten Trainingstag vor der Pause gab es dann die dritte Auflage des Weihnachts-Wasserballspiels Sportler gegen Trainer. Unter Leitung von Ex-Nationalspieler Jörg Melitzer setzte sich das gemischte Trainer-Team vom Schwimmen, Flossenschwimmen und Paralympischen Stützpunkt mit 9:6 durch. Verstärkung erhielten die Sieger von Studenten des Internationalen Trainerkurses aus Usbekistan und Indien. Die Flossenschwimmer feierten zudem ihr 20-jähriges Wettkampf-Jubiläum beim SC DHfK. Dem Vielseitigkeitstest stellten sich 30 Athleten im Alter von 9 bis 29 Jahren aus sieben Vereinen. Höhepunkt war eine „Sprudelstaffel", in der die nach Zufall gelosten unterwegs einen Becher Apfelschorle trinken mussten.
fsLVZ2014-12-27

Drei Premierensieger – Annekatrin Thiele, Martin Schulz und die DHfK-Handballer erstmals Sportler des Jahres in LeipzigWer auf seiner Eintrittskarte das Kleingedruckte nicht gelesen hatte, wurde schon am Eingang überrascht: Der 24. Ball des Sports fand am Sonnabend erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit nicht in der zu großen, zugigen, mitunter gar kalten Glashalle der Neuen Messe statt, sondern gleich nebenan im kuschelig warmen Congress Center, was bei den meisten Gästen sehr gut ankam. Zum zehnten Mal in Folge führte Roman Knoblauch am Mikrofon durch den kurzweiligen Abend, der mit der Ehrung der Sportler des Jahres seinen Höhepunkt fand. In allen drei Kategorien gab es Premieren-Sieger vom SC DHfK: Ruder-Weltmeisterin Annekatrin Thiele, Triathlet Martin Schulz sowie der Handball-Zweitliga-Spitzenreiter, der sich bei dem Beliebtheits- und Stimmen-Sammel-Wettbewerb hauchdünn gegen Abo-Gewinner HCL durchsetzte. RB präsentierte sich diesmal als Vierter noch als schlafender Riese.
Bei den Frauen stand geballte Weltklasse auf der Bühne, denn auch die entthronte Tina Dietze und Kerstin Thiele hatten in London 2012 Olympia-Edelmetall errungen. Mit dem Stadtsportbund-Präsidenten Uwe Gasch durfte der Gastgeber des Abends das Geheimnis lüften. Der ehemalige Weltklasse-Ruderer hatte Gänsehaut, weil die Siegerin aus seiner Sportart kam. Annekatrin Thiele meinte: „Ich bin schon ein wenig überwältigt, dass es mal für ganz vorn gereicht hat." Seit Weihnachten musste die 30-Jährige krankheitsbedingt zehn Tage pausieren. „Da werde ich schnell ungeduldig. Ich hoffe, dass ich den Trainingsrückstand schon bald aufholen kann."
Einhellige Meinung im Saal: Paratriathlon-Champion Martin Schulz – er gewann 2014 erneut EM- und WM-Gold – hatte sich den ersten Umfrage-Platz schon lange mal verdient. „Ich selbst habe die Werbetrommel kaum gerührt, denn das liegt mir nicht so. Aber ich denke, dass ich nicht nur von Behindertensportlern gewählt wurde, auch bei den Stadtwerken haben sich viele Kollegen beteiligt." Dort ist der 24-Jährige Azubi. Doch auch viele Schwimmer beteiligten sich in Ermangelung eines eigenen Kandidaten an der Schulz-Offensive. Bei den Teams verknüpfte Bürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) die Bekanntgabe des Siegers mit einer sportpolitischen Botschaft: Männer-Handball rückt in Kürze (endlich) in den Kreis der Schwerpunktsportarten. Geschäftsführer Karsten Günther ließ spontan eine Runde Wodka springen und Kapitän Lukas Binder meinte zum Thema Aufstieg: „Man träumt schon mal davon, bald gegen die besten Teams zu spielen. Doch wir reden erst darüber, wenn wir die nächsten zehn Spiele gewinnen." Wenn sein Team in der Rückrunde so wirbelt wie am Samstag auf dem Tanz-Parkett, dann geht einiges.
Was fiel sonst auf? Die Eintracht-Akrobaten Luise Fischer/Max Hoppe zeigten eine umjubelte Vorstellung. Der in der Kategorie Ehrenamt gewürdigte Hallenhockey-WM-Organisator Falk Jänicke widmete den Preis seinem Team positiv Verrückter. Christian Klas, Chef des „Vereins des Jahres" Leutzscher Füchse, dankte der LVZ, dass Sportarten wie Tischtennis nicht durchs Raster fallen. Alles beim Alten um Mitternacht: Chemie-Legende Bernd Bauchspieß machte seinem Namen als Tombola-King alle Ehre, der 75-Jährige räumte diesmal ein Notebook ab, Schwimmer-Oldie Reinhard Maiwald wuchtete einen Fernseher heim. Und die Sportlerin des Jahres Annekatrin Thiele meinte es mit ihrer Vorgängerin Tina Dietze gut: Als Tombola-Glücksfee bescherte die Ruderin der Power-Kanutin zwei Jahres-VIP-Karten für den HCL.
fsLVZ2015-02-02

50000 Stunden am Beckenrand – Eva Herbst wird unter einem Vorwand in die Schwimmhalle gelockt und von ehemaligen Sportlern zum Abschied überrascht„Liebe Mutti, du bist für mich die beste Trainerin, die ich je hatte." Sabine Krauß kann die Tränen nicht zurückhalten, als sie diesen Satz zu ihrer Mutter Eva Herbst sagt. Dabei hatte die Olympiavierte von Atlanta und mehrfache EM-Medaillengewinnerin im Lagenschwimmen viele gute Trainer. Wie zum Beispiel Stefan Hetzer – er stand als Coach hinter den sechs Olympiasiegen von Kristin Otto – oder Bernd Henneberg, der Dagmar Hase und Antje Buschschulte zu olympischen Meriten führte. Gemeinsam mit ihrer Freundin und Trainer-Kollegin Brit Lögow hatte Sabine Krauß am Montagabend in der Schwimmhalle West einen Abschied für Eva Herbst vorbereitet, der eine echte Überraschung war.
„Ich habe wirklich nichts geahnt", sagte die 61-Jährige, die unter dem Vorwand in die Schwimmhalle gelockt wurde, etwas abzuholen. Dort erhielt sie die Badelatschen, in der 25-m-Halle der Hans-Driesch-Straße wurde sie von 20 ehemaligen Schützlingen mit Beifall begrüßt. Wie in alten Zeiten führten ihre früheren Athleten noch einmal ein kleines Training durch, auch wenn einige nicht mehr ihr Idealgewicht ins Wasser brachten. Sebastian Halgasch sagte jedoch zum Ex-Langstreckenspezialisten Toni Franz, der heute als Urologe an der Uni-Klinik arbeitet: „Wir werden alle immer fetter – nur du wirst immer dürrer."
Nach der Übungseinheit die nächste Überraschung: Viele langjährige Weggefährten hatten eine kurze Widmung und ein Foto geschickt, diesen Bildband erhielt Eva Herbst ebenso wie eine Spende von 2587,84 Euro für einen Mallorca-Urlaub mit ihrem Ehemann und Leutzscher Vereins-Chef Jochen. Die Summe ist deshalb nicht rund, weil einige frühere Schwimmer in den USA leben und in Dollar überwiesen. Sebastian Halgasch, der 2000 in Athen Silber bei der Kurzbahn-WM holte, schenkte seiner Ex-Trainerin seine erste Medaille bei den Erwachsenen – die Gold-Plakette über 200 m Rücken bei den deutschen Meisterschaften 1999 in Leipzig. Der damals 18-Jährige war gleich nach dem Gold-Rennen klatschnass zur Trainerin gegangen und hatte sie umarmt. Am Montag sprach er sie wie früher mit „böse alte Frau" an, fügte aber hinzu: „Das war nie böse gemeint, aber wenn das Trainingsprogramm hart war, musste das einfach sein."
Viele ihrer Schwimmer lobten ihr pädagogisches Geschick und ihre Motivationskünste. Wenn morgens um 6 Uhr keiner als Erster ins Wasser springen wollte, warf Eva Herbst kurzerhand Geldmünzen in die Chlorbrühe – und der Bann war gebrochen. „Bei dir hat das Training Spaß gemacht. Das ist das Wichtigste: Schwimmen muss Spaß machen", so Tochter Sabine. Auch das pädagogische Geschick der Schwimmlehrerin spielte eine Rolle – sie hatte vor der Trainer-Karriere zehn Jahre an der Schule unterrichtet und kam daher mit so manchem schwierigen Charakter zurecht. Für den Titel des größten Chaoten unter ihren Sportlern gab es am Montag viele Bewerber – ausdiskutiert wurde dies nicht. Manch einer trennte sich einst im Unfrieden von ihr – und war der Trainerin nun dankbar. Alexander Jung meinte: „Wichtig ist nicht, ob es jeder von uns zu Weltmeisterschaften oder Olympia geschafft hat, sondern dass wir viel fürs Leben mitgenommen haben."
Ihre langjährige Freundin Erdmute „Erdi" Wittner hatte ausgerechnet, dass Eva Herbst 50000 Stunden am Beckenrand verbracht hat. „Ich kenne Eva seit 1960 und mit am besten. Sie ist stur. Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, dann zieht sie das durch." Auch deshalb schaffte sie den Sprung vom Trainingszentrum zur Spitzentrainerin, auch wenn sie von den etablierten Kollegen lange belächelt und nicht ernst genommen wurde. 2008 durfte sie 40 Jahre nach ihrem eigenen Auftritt in Mexiko auch als Trainerin zu Olympia in Peking.
Die Sturheit spielte auch beim vorzeitigen Ende ihrer eigenen Karriere eine Rolle. Als Olympia-Fünfte und Titelverteidigerin stieg sie mit 19 Jahren einfach nicht in den Bus zu den DDR-Meisterschaften ein. „Ich hatte Wind bekommen, dass man nur Jochen oder mich zur EM 1970 nach Barcelona mitgenommen hätte, weil wir politisch nicht als konform galten." Also hörte sie auf, was sie später bereute. Damals sagte sie: „Meine Kinder werden niemals Schwimmer." Zum Glück kam es anders. Sabine und Stefan nahmen zwischen 1996 und 2008 fünf Mal an Olympischen Spielen teil. Jedes Mal hieß die Trainerin Eva Herbst.
Frank SchoberLVZ2012-12-19

Die Geschäftsstelle bleibt am 3. April 2017 geschlossen. (mehr …)