13.11.2012 – SSG-Schwimmer dominieren in Sachsen – Leipziger holen 17 Titel bei offenen Kurzbahn-Meisterschaften in Görlitz

SSG-Schwimmer dominieren in Sachsen – Leipziger holen 17 Titel bei offenen Kurzbahn-Meisterschaften in GörlitzTrotz einiger Abgänge im Sommer sowie des Fehlens von Juliane Reinhold und Stefan Herbst dominierten die Schwimmer der SSG Leipzig bei den offenen sächsischen Kurzbahn-Meisterschaften in Görlitz mit 17 Titeln bei den Erwachsenen. Unter anderem entschied die SSG alle vier Staffeln für sich. Bei den Männern lieferten sich Serghei Golban und Philipp Sikatzki mehrere Kopf-an-Kopf-Rennen, die allesamt an den Fünffach-Sieger aus Moldawien gingen, der im Sommer verletzt pausieren musste. Weitere Einzeltitel holten Saskia Donat, Alisa Fatum, Michel Ullrich und Tobias Horn, der auf den Freistilstrecken von 100 bis 400 Metern triumphierte. Trainerin Eva Herbst hob vor allem die 200-m-Zeit (1:50,31) hervor. „Tobi war wie alle kurz nach dem Trainingslager ziemlich kaputt. Aber dafür war er im Kopf frei und ziemlich schnell."
Wie erhofft rückten einige Nachwuchs-Athleten in den Blickpunkt. Stützpunkttrainer Dirk Franke lobte vor allem Bianca Bogen und Tommi Wolst. Die 14-Jährige unterbot über 50 m Rücken die 30-Sekunden-Marke und qualifizierte sich für die SSG-Lagenstaffel bei der Kurzbahn-DM in Wuppertal. Wolst rückte dem Spitzenduo Golban/Sikatzki mehrfach auf die Pelle und zeigte beachtliche Steigerungsraten.
Der im Sommer in die Jugend-Auswahl aufgerückte Tommi Wolst wurde als sächsischer Jugend-Schwimmer des Jahres geehrt. Dass in der Kategorie Erwachsene keine Ehrung erfolgte, stieß auf geteiltes Echo. Eva Herbst meint kopfschüttelnd: „Mittlerweile sind im Schwimmsport in Sachsen Laien an der Macht." Obwohl Olympia in London verpasst wurde, ist die 61-Jährige sehr wohl der Meinung, dass Staffel-Europameisterin Lisa Graf (sie wurde in Debrecen im Vorlauf eingesetzt) und der deutsche Meister Hannes Heyl die Ehrung verdient gehabt hätten. Der in den USA lebende Heyl hätte auch in Wuppertal gute Chancen, wird aber wegen der hohen Flugkosten nicht anreisen.
Die zur SG Berlin-Neukölln gewechselte Lisa Graf trainiert nach Auskunft ihrer Ex-Trainerin jetzt wie Tony Wiegmann am Bundeswehr-Stützpunkt in Warendorf. Sie wurde vom DSV in der vergangenen Woche für die Kurzbahn-Europameisterschaften nominiert, die in Chartres (Frankreich) parallel zu den nationalen Titelkämpfen stattfinden. Dadurch erhöht sich für die zweite Reihe die Chance, in Wuppertal ein Finale zu erreichen oder sogar aufs Treppchen zu kommen.
Bis auf Juliane Reinhold, die wegen ihrer Polizei-Ausbildung auf die Kurzbahn-Saison verzichtet, und die drei „Amis" Anna-Marie Macht, Karl-Richard Hennebach und Hannes Heyl wird die SSG in Bestbesetzung antreten. Der in München studierende Altmeister Stefan Herbst (34) will die Staffeln verstärken und über 50 m Rücken starten.
Frank SchoberLVZ2012-11-13

„Ziele öffentlich machen" – DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow über das deutsche Sportsystem und die Lehren von LondonLutz Buschkow erlebte schon leichtere Wochen und Monate in seiner beruflichen Karriere. Der Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) und Bundestrainer der Wasserspringer hatte bei den Olympischen Spielen ein schwaches Abschneiden seines Verbandes zu verantworten. Mit nur einmal Silber durch Langstreckenschwimmer Thomas Lurz verfehlte der DSV die gemeinsam mit dem DOSB erarbeitete Zielvorgabe von zwölf Medaillen klar. Am Rande der gestern zu Ende gegangenen Bundestrainer-Konferenz in Leipzig sprach der 54-Jährige im LVZ-Interview über mögliche Ursachen.
Frage: Wie wird man als Vertreter eines nicht so erfolgreichen Verbandes von den Kollegen empfangen? Gibt es eher Aufmunterung oder Kritik und gar Häme?
Lutz Buschkow: Die meisten Bundestrainer sind lange im Geschäft. Sie wissen alle, dass es schöne und weniger schöne Zeiten gibt. Ich empfand die Auseinandersetzung in Leipzig sachlich und fair.
Unter anderem sollte der Erfahrungsaustausch im Vordergrund stehen. Was nehmen Sie von anderen Sportarten mit?
Das ist der größte Faustpfand, dass man mal Zeit hat, mit Kollegen anderer Verbände über deren Probleme und Lösungswege zu reden. Interessant finde ich zum Beispiel, dass der Ski-Verband seine Aus- und Fortbildung für alle Landesverbände zentral organisiert.
Sind die Sportarten vergleichbar?
Hockey lässt sich sicher schwer mit Fußball vergleichen. Aber es gibt interessante Trainingskonzepte. Wenn zum Beispiel alle Judoka und Radsprinter in der Olympia-Vorbereitung auf Höhentraining setzen, dann sollten die Schwimmer als klassische Ausdauersportart aufhorchen.
Sie kritisierten in London, dass die Öffentlichkeit vierte bis achte Plätze kaum honoriert. Stehen Sie dazu? Oder sehen Sie inzwischen ein, dass Medaillen das alleinige Maß der Dinge sind?
Natürlich ist der Medaillenerfolg für jede Sportart das Maß der Dinge. Dennoch kann bei der Dichte der Weltspitze für den einzelnen Sportler Platz vier bis acht ein tolles Ergebnis sein. Wer bei Olympia ins Finale kommt, hat eine Achtung seiner Leistung verdient. Vieles hängt natürlich von der Vorleistung ab. Für andere ist Platz vier eine schwere Niederlage.
Ist die Elite aus Übersee im Schwimmen oder Wasserspringen hoffnungslos enteilt?
Wir schätzen unser Potenzial realistisch ein, dazu hilft uns das IAT mit seiner Weltstands-Analyse. Doch es ist unsere Aufgabe, Trainingsmittel und Fördermaßnahmen zu finden, wie wir den Rückstand aufholen oder den Platz in der Spitze verteidigen. Mit Paul Biedermann oder dem Synchronpaar Hausding/Klein haben wir ja Athleten, die mehrfach nachgewiesen haben, dass sie zur absoluten Weltelite gehören.
Warum haben diese Sportler ihr Potenzial in London nicht abgerufen?
Hausding/Klein waren bei allen Weltcups und Weltmeisterschaften im Medaillenbereich. Sie haben sich einen groben Patzer erlaubt – damit bist du weg und wirst nur noch Siebter. Im Schwimmen ist die Analyse Gegenstand unseres nächsten Treffens der Struktur-Kommission Mitte November. Dem möchte ich nicht vorgreifen.
Experten wie Roland Matthes und Michael Groß haben dem DSV im Sommer die Leviten gelesen. Wie empfinden Sie deren Kritik und Hinweise?
Wir haben Meinungsfreiheit. Sicher ist das eine oder andere Quäntchen Wahrheit dran. Weiter möchte ich dies öffentlich nicht kommentieren. Wir werden eine ehrliche Analyse vorlegen.
Die Trainer-Problematik ist in Leipzig ausführlich besprochen worden. Wie steht es um die Qualität und Motivation der Trainer in Ihrem Verband?
Wir haben gerade im Schwimmen zahlreiche engagierte und ambitionierte Trainer. Leider spiegelt sich dies bei der Bewerberlage für ausgeschriebene Stellen aus verschiedenen Gründen nicht wider. Das sind aber auch keine Jobs für 38 dreiviertel Stunden.
Zuletzt waren vier Jahre lang die Cheftrainerstellen Schwimmen und Wasserspringen unbesetzt. Sind diese Personen nicht Grundvoraussetzung, dass es bis 2016 bergauf geht und Sie als Sportdirektor entlastet werden?
Unser Personalmodell soll ganz klar auch personell unterfüttert werden. Wichtig ist, dass es unter den Bundestrainern keine Reibungsverluste gibt.
Sind Sie dafür, die Zielvereinbarungen für 2016 öffentlich zu machen?
Die Briten haben uns in Sachen Transparenz vieles vorgemacht. Ich habe nichts dagegen, Ziele öffentlich zu machen. Natürlich müssen diese realistisch und erreichbar sein.
Waren die DSV-Ziele für 2012 realistisch?
Unsere Vorgabe war schon sehr ambitioniert. Je zweimal Gold, Silber und Bronze bei den Beckenschwimmern und zwei Freiwasser-Medaillen waren eine knüppelharte Variante. Vor allem, was die Medaillenfarbe betrifft. Dass man als Kernsportart aber um sechs Medaillen im Becken kämpfen will, ist normal.
Welche Dinge, die nicht in Ihrer Macht stehen, würden Sie gern im deutschen Sport ändern?
Ich habe sehr hohe Qualitätsansprüche an die Eliteschulen des Sports. Wie in vielen Bereichen gibt es da enorme Unterschiede. Mir ist es wichtig, dass Schulzeitstreckung nicht erst in der elften Klasse beginnt. Denn unser Nachwuchs muss enorme Trainingsumfänge leisten, um international konkurrenzfähig zu sein. Die Sportler müssen sich quälen können, es geht um die Entwicklung von Charaktereigenschaften. Wenn ich die hohen schulischen Umfänge addiere, bin ich bei 60 bis 70 Wochenstunden. Das ist Sportlern und Eltern schwer vermittelbar.
Welche Rolle spielen Leipzig und Dresden im künftigen DSV-Konzept?
Im Wasserspringen sind das wie gehabt zwei wichtige Bundesstützpunkte. Im Schwimmen muss Leipzig zunächst ein Konzept vorlegen. Gemeinsam mit der Sportfakultät, dem IAT und dem Schwimmkanal haben wir sehr gute Ausbildungsmöglichkeiten, die für Leipzig sprechen.
Interview: Frank SchoberLVZ2012-11-08

DM im Schwimmen – Feuerwehr Leipzig schafft Pokal-HattrickDie 13. deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Berufsfeuerwehren im Retten und Schwimmen gingen am Sonnabend in der Schwimmhalle „Grünauer Welle" mit einem aus Leipziger Sicht herausragenden Ergebnis zu Ende. Die Messestädter Jörg Färber, Uwe Bodusch, Volker Clauß und André Ludwig gewannen die Mannschaftswertung im Schwimmen mit großem Vorsprung. Zudem erzielten sie auf der 25-m-Bahn starke Einzelzeiten.
Nach dem Gewinn der jüngsten Meistertitel 2006 in Lübeck und 2009 in Aachen gelang dem Leipziger Team damit der Hattrick – und der Pokal bleibt in der Messestadt. Auf Platz zwei kam das Quartett der Berliner Feuerwehr, den dritten Platz belegte die Berufsfeuerwehr Hannover. Die beste Mannschaft in der Disziplin Retten wurde Hamburg, gefolgt von München und Karlsruhe.
Weltmeister Jörg Färber legte im ersten Wettkampf über 100 m Rücken hervorragende 1:05,25 Minuten vor. Der 37-Jährige siegte ebenso souverän wie über 100 m Brust und avancierte zum erfolgreichsten Teilnehmer. Über 100 m Freistil ging André Ludwig an den Start und belegte den achten Platz. Bei den 50 m Schmetterling holte Uwe Bodusch die Silbermedaille. Ex-Triathlet Volker Clauß trat über 50 m Freistil an und erkämpfte ebenfalls Rang zwei. Danach zog Uwe Bodusch wie ein Uhrwerk seine 40 Bahnen und gewann die 1000 m Freistil. In der 4×50-m-Lagenstaffel belegten die Leipziger ebenso wie über 4×50 m Freistil den ersten Platz. Auch im 25-m-Streckentauchen waren die Gastgeber überlegen.
An dem Wettkampf, eröffnet von Sportbürgermeister Heiko Rosenthal und dem Leiter der Branddirektion Karl-Heinz Schneider, nahmen 21 Teams aus 14 Berufsfeuerwehren aus ganz Deutschland teil. Die 120 Teilnehmer, darunter zwei Feuerwehrfrauen, boten in den folgenden Stunden mitreißende Wettkämpfe, bei denen auch die Letzten lautstark angefeuert wurden. Die Wettkämpfe wurden am Samstagabend mit der Pokalübergabe und einer Siegerfeier für alle Teilnehmer stimmungsvoll beendet.
pmLVZ2012-10-16

DM-Premiere mit Weltmeistern – Feuerwehrmeisterschaft im Retten und SchwimmenPremiere in der Messestadt: Am Sonnabend werden die 13. Feuerwehrmannschaftsmeisterschaften im Retten und Schwimmen ab 10 Uhr in der „Grünauer Welle" (Stuttgarter Allee 7) ausgetragen. Feuerwehrangehörige von 14 Berufsfeuerwehren aus ganz Deutschlands treffen sich, um das beste Team im Wasser zu ermitteln und zu beweisen, dass ihnen nicht nur die Rettung von in Not geratenen Menschen aus dem Element Feuer am Herzen liegt, sondern auch die Rettung aus dem nassen Element.
Gemeinsam mit dem Leipziger Feuerwehrverband und dem Postschwimmverein, der in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag feierte, ist die Berufsfeuerwehr Leipzig erstmals Gastgeber dieser Meisterschaft. Das Team der Berufsfeuerwehr Leipzig gewann den Meistertitel im Schwimmen im Jahr 2006 in Lübeck und konnte ihn 2009 in Aachen erfolgreich verteidigen.
Die Hoffnungen der Gastgeber liegen bei den beiden amtierenden Weltmeistern der World Police & Fire Games, Jörg Färber und Uwe Bodusch, sowie den anderen schnellen Schwimmern der hiesigen Berufsfeuerwehr Philipp Theinert, Volker Claus und Andre Ludwig.
Während die Schwimmer in klassischen olympischen Schwimmdisziplinen starten, ermitteln die Retter in den Disziplinen Hindernisschwimmen, Schleppen (eines Dummys), kombinierte Flossenschwimmübung, Kleiderschwimmen, Streckentauchen und kombinierte Rettungsstaffel ihre Meister.
pmLVZ2012-10-11


nach der erfolgreichen Premiere vor zwölf Monaten richtet der Schwimmsportverband Leipzig in Kooperation mit der Universität Leipzig und drei Landesfachverbänden am Sonntag, dem 14. Oktober 2012 das zweite Benefizschwimmfest aus. Beginn ist 9.30 Uhr in der Leipziger Uni-Halle. Gegen 10.30 Uhr startet das Jedermann-Schwimmen über 50 Meter, dessen Erlös von 10 Euro je Teilnehmer in die Elternhilfe krebskranker Kinder der Uni Leipzig fließt. Im Vorjahr kamen 3880 Euro zusammen. „Wir würden uns freuen, wenn das Schwimmfest erneut eine große Resonanz findet“, sagte Initiator Andreas Bobrzik, der für Rückfragen unter 0177 48 24 322 zur Verfügung steht.

Weiter Weg an die Weltspitze – Neuer Stützpunkttrainer der Leipziger Schwimmer setzt auf Zusammenarbeit und einen langen Atem aller BeteiligtenOb die Leipziger Schwimmer die Talsohle nach der olympischen Abstinenz und einigen Abgängen schon durchschritten haben, sei dahingestellt. Zumindest weht seit Montag ein neuer Wind in der Uni-Halle: Denn am 1. Oktober hat Dirk Franke den Posten des Bundesstützpunkttrainers übernommen.
Die Olympischen Spiele, bei denen sich die DSV-Aktiven nicht mit Ruhm bekleckerten, hat der bisherige Landestrainer der sächsischen Flossenschwimmer genau verfolgt. Ein Interview mit dem designierten Bundestrainer Henning Lambertz ist dem gebürtigen Thüringer besonders in Erinnerung. Die Worte des Esseners nimmt der 43-Jährige als Leitmotiv für seine neue Aufgabe: „Wir trainieren zu wenig, wir trainieren zu wenig intensiv, wir zentralisieren zu wenig."
Mit der Belastungssteigerung ist das so eine Sache. Oftmals, wenn Frankes Vorgänger die Zügel anzogen, spielte das Immunsystem vieler Schwimmer nicht mit, fielen sie mit Infekten aus. Ein Umstand, der gern als Grund angegeben wird, warum Schwimmer in Florida oder Kalifornien den Europäern überlegen sind. Doch Dirk Franke ist davon überzeugt, dass der Körper sich an das härtere Training gewöhnen kann. Als Flossentrainer hatte er jahrelang mit überlasteten Fußgelenken seiner Athleten zu tun. Derartige (teils chronische) Schmerzen würden nun ins Schultergelenk verlagert, wie er nach wenigen Tagen erfahren musste. Daher will der Coach die besten Sportmediziner und Physiotherapeuten für die Schwimmer gewinnen. „Denn wer schnell schwimmen will, muss viel schwimmen."
Franke weiß, dass alleine mit Leipziger Talenten der Weg zurück in die Weltspitze nahezu unmöglich ist. Daher nimmt er seine Aufgabe ernst, die besten Schwimmer aus Chemnitz, Dresden, Plauen oder Riesa am Bundesstützpunkt Leipzig zu integrieren. Ein Anliegen, das nicht neu ist, in der Vergangenheit aber nur sporadisch funktionierte. Apropos: Die Vergangenheit beschäftigt den neuen Coach nicht. Er hat die Uhren auf null gestellt, ermuntert alle Trainer und Vereine zur Zusammenarbeit. Dies ist sicher auch die einzige Chance des Leipziger Schwimmsports, der in der Vergangenheit trotz Gründung der Startgemeinschaft SSG mit zahlreichen Querelen aufwartete. Franke stellt indes nicht alles auf den Kopf. So arbeitet er wie seine Vorgänger Eva Herbst und Oliver Trieb mit Athletiktrainer Hagen Pietrek zusammen. Er hält viel von dem früheren Schwimmer mit reichlich Basketball-Erfahrung.
Die Personalie Franke wurde in den Augen vieler Beobachter sehr spät, nämlich erst im Sommer entschieden. Da hatten die mehrfachen DM-Medaillengewinner Lisa Graf oder Tony Wiegmann schon beschlossen, nach Berlin abzuwandern. Neue Leistungsträger sind neben Juliane Reinhold die Nachwuchs-Asse Philipp Sikatzki und Tommi Wolst. Die angehende Landespolizistin Jule Reinhold hat sich bereits für den Verbleib in der SSG Leipzig entschieden, hält sich aber die Option offen, im Januar ihrem Trainer Oliver Trieb in die Schweiz zu folgen.
Der damalige Flossen-Coach Franke war 2009 Sachsens Trainer des Jahres. Er besitzt eine Lobby beim Landessportbund, aber auch am Sportgymnasium, beim IAT und Olympiastützpunkt (OSP). Daher wurde seinem Wunsch entsprochen, dass der OSP wie bei Trainern anderer Sportarten sein Arbeitgeber wird. Noch vor wenigen Jahren lehnte OSP-Chef Winfried Nowack die Anstellung von Schwimmtrainern ab, da die Querelen überhandnahmen und er sich mehrfach vor dem Arbeitsgericht wiederfand.
Für kurzfristigen Erfolg steht Franke sicher nicht. Dazu hätte ein Trainer kommen müssen, der drei, vier Leistungsträger mitbringt. Olympia 2016 scheint im Moment für Leipzigs Schwimmer sehr weit weg, 2020 müsse aber das Ziel sein, so der Coach. Zur Erinnerung: Idriss Gonschinska übernahm 1998 die am Boden liegende Leipziger Leichtathletik. Danach dauerte es 14 Jahre, ehe nun in London mit fünf Olympiateilnehmern in größerem Stil Früchte geerntet wurden. Sollten die Schwimmer ähnliches in nur acht Jahren packen, wäre dies schon ein großer Erfolg. Vorausgesetzt, die guten Bedingungen in der Uni-Halle bleiben erhalten und Bund, Land, Kommune sowie Sponsoren lassen die Schwimmer nicht im Regen stehen.
Frank SchoberLVZ2012-10-05

Seniorenschwimmer siegen in KulmbachDie Leipziger Schwimmer waren in Oberfranken mal wieder eine Macht: Zum 44. Mal fand in Kulmbach das traditionsreiche Seniorenschwimmfest um den „Kapuziner-Alkoholfrei-Cup" statt. Dieser hieß unter dem vorherigen Sponsor jahrzehntelang EKU-Cup. Unter 35 Vereinen setzte sich wie im Vorjahr in der großen Mannschaftswertung der SSV Leutzsch mit 278 Punkten durch, wobei in diesem Jahr besonders das Damen-Team zum Erfolg erheblich beitrug. Die Leutzscher lieferten sich ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SG Stadtwerke München (261 Punkte). Rang drei und vier gingen an Gastgeber ATS Kulmbach (220 ) und den Postschwimmverein Leipzig (176). Die Leutzscher erzielten überwiegend durch ihre starke Präsenz in den oberen Altersklassen die meisten Siege. Mit dem fast 90-jährigen Harald Müller stellten sie auch den ältesten männlichen Teilnehmer der Veranstaltung.KpsLVZ2012-10-04


Trainingszeiten vom 22.10.-28.10.2012

Veränderte Trainingszeiten für die erste Herbstferienwoche vom 22.10.-28.10.2012.
In der zweiten Woche gelten wieder die normalen Trainingszeiten des Vereins.

Mehr als das Dreifache Gehalt – Schwimmtrainer Oliver Trieb wechselt in die Schweiz / EM-Starterin Lisa Graf meldet sich nach Berlin abWährend der Olympischen Spiele wurde die fehlende gesellschaftliche Anerkennung und schlechte Bezahlung der Trainer bundesweit diskutiert. Ein Beispiel aus Leipzig zeigt, dass auch in Zukunft große Erfolge hiesiger Athleten immer schwerer zu erringen sein werden. Mit Oliver Trieb wechselt ein erfahrener und erfolgreicher Schwimmtrainer ab 1. Januar in die Schweiz. Der 44-Jährige hat in den vergangenen 14 Jahren neun Leipziger Schwimmer zu Europäischen Jugendspielen, Junioren-Europameisterschaften und Olympischen Jugendspielen geführt – die meisten kehrten mit Medaillen zurück. Er ist der fünfte Trainer in einem Jahr, der dem sächsischen Schwimmsport verloren geht.

„In der Schweiz verdiene ich mehr als das Dreifache", berichtet der gebürtige Berliner. In Sachsen haderte er nicht nur mit dem geringen Gehalt für die größtenteils Sieben-Tage-Woche inklusive Trainingslager und Wettkämpfe. Dies hätte er wohl auch noch eine Weile akzeptiert, „solange die Arbeit Spaß macht und ich unterstützt werde". Doch die Freude wurde ihm zuletzt genommen, weil er mit einem anderen typischen Problem des deutschen Sports zu kämpfen hatte: Zunehmend redeten ihm ehrenamtliche Funktionäre in die Arbeit hinein – bis hin zur Trainingsgruppen-Zusammensetzung am Stützpunkt. Als er sich gegen eine Versetzung nach Dresden wehrte, kam es zum endgültigen Bruch mit seinem Arbeitgeber, dem Landesverband.

Beim Schwimm-Team Biel in der Schweiz sieht Trieb nach ersten Gesprächen einen weiteren großen Vorteil: „Dort wird mir die Organisation und Buchung der Trainingslager und Fahrten komplett abgenommen." In Leipzig habe der Papier-Kram viel Kraft gekostet, die ihm bei seiner eigentlichen Stärke, der Arbeit mit den Sportlern am Beckenrand, womöglich fehlte. „Das positive Feedback meiner Sportler und ihrer Eltern hat gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg war", so der Coach. Dass sein Schützling Juliane Reinhold ihrem Trainer ab Januar in die Schweiz folgt, ist nicht ausgeschlossen. „Er ist für mich d e r Trainer überhaupt. Ich würde mich immer für ihn entscheiden, wenn ich die Wahl habe", sagte die 18-Jährige.

Trieb hat kein Problem damit, dass nun ein neuer Stützpunkttrainer berufen wurde, zumal die Leipziger Schwimmer in London erstmals seit 1992 fehlten. Doch Trieb stört, dass Funktionäre während des alten Olympiazyklus gegen ihn arbeiteten. Und zwar so, dass dies auch den Sportlern nicht verborgen blieb. Dies kritisiert auch Uwe Bodusch, Vorsitzender des Postschwimmvereins: „Leider konnte er sich nie richtig entfalten, da ihm immer wieder Steine von Seiten der Funktionäre in den Weg gelegt wurden." Sogar Wolfram Sperling, der als Präsident des Landesverbandes die Kündigung aussprach, lobt den Coach: „Er ist ein guter Trainer. Seine Stärken liegen im technisch-koordinativen Bereich und in der Motivation der Sportler." Doch Sperling gilt als durchsetzungsschwach, die Strippen zogen andere im Hintergrund.

Da auch Triebs Kollegin Eva Herbst Ende Dezember ausscheidet, stehen die Zeichen auf Neuanfang: Das Amt des Stützpunkttrainers übernimmt Dirk Franke, der vom Flossenschwimmen zu den Klassikern wechselt. Er fängt mit Nachwuchsschwimmern von vorn an. Die diesjährige EM-Teilnehmerin Lisa Graf hat sich wie Brustspezialist Tony Wiegmann nach Berlin abgemeldet, wo Trainer-Urgestein Norbert Warnatzsch vor wenigen Tagen seinen Rücktritt vom Rücktritt erklärt hat. Der dreifache Olympiateilnehmer Stefan Herbst hat seine leistungssportliche Karriere beendet und beginnt am Montag ein Sportstudium in München. „Es dauert mindestens fünf Jahre, ehe Leipzig wieder an die deutsche Spitze kommt – wenn überhaupt", meint Eva Herbst. Das sind nicht die besten Aussichten.Frank SchoberLVZ2012-09-26

Leipzigerin wählt Weg über Amerika nach Rio – Nachwuchsschwimmerin Anna-Marie Macht träumt von den Olympischen Spielen 2016Den Traum vom Ausland hegen viele junge Menschen. Die beste Zeit des Lebens wird versprochen. Nebenbei gilt es Erfahrungen zu sammeln, die später für Beruf und Karriere nützlich sein können. Die Leipziger SSG-Schwimmerin Anna-Marie Macht hat den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Rund neun Monate verbrachte die 18-Jährige in Albany im Bundesstaat Georgia und es gefiel ihr so sehr, dass sie vor wenigen Wochen erneut nach Amerika ging.

Alles fing „harmlos" an. „Im Dezember 2010 waren die Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften, da habe ich gut abgeschnitten und bin Bestzeiten geschwommen", erzählt die junge Dame. Kurze Zeit später erhielt sie eine Facebook-Nachricht, in der ihr ein Auslands-Stipendium angeboten wurde. „Die Nachricht haben viele bekommen, deswegen habe ich sie nicht richtig ernst genommen." Dennoch schickte sie ein Schwimmvideo nach Amerika. Die Trainer waren begeistert und die Leipzigerin bekam einen Platz am Darton College. Vor dem Abflug musste die Sportgymnastin noch das GED ablegen, ein Zertifikat, das dem amerikanischen High-School-Abschluss entspricht. „Das war aber auch kein Problem", erinnert sich die Nachwuchssportlerin. „Im August 2011 bin ich in die USA geflogen und wurde super aufgenommen. Ich habe im Internat auf dem Campus gewohnt, wo auch die Schule war."

An die schulischen Anforderungen gewöhnte sich Anna-Marie Macht problemlos, was man von den Trainingseinheiten nicht so ganz behaupten konnte. „Die Zeiten waren schon eine Umstellung. Dreimal pro Woche ging es um 5 Uhr los, dreimal 6 Uhr. In Deutschland startete ich eher gegen 8 Uhr. Das neue Programm war schon sehr hart und intensiv, aber es hat mir gutgetan."

Überhaupt blühte sie in der neuen Umgebung auf. „Niemand hat viel von mir erwartet", sagt Anna-Marie Macht. „Ich war so motiviert wie noch nie. Und auch der Zusammenhalt war etwas größer als in Deutschland." Insgesamt bestand ihre Gruppe aus 13 Mädchen und 23 Jungs, die zusammen trainierten. Sie war eine von vier internationalen Studenten, die ansonsten aus Kanada, Lettland und Kolumbien kamen. Auch das Übungspensum selbst war ein bisschen anders. „Inhaltlich haben wir schwimmart-spezifischer gearbeitet, das Programm war individueller auf mich zugeschnitten", erzählt die Lagen-Spezialistin. „Die Bedingungen waren hervorragend." Generell werde in den Staaten mehr Wert auf Athletik gelegt. Zu Beginn fanden die Einheiten somit des Öfteren im Kraftraum statt und weniger im Wasser. Eine Umstellung, aber „genau das habe ich gebraucht". Nicht umsonst machte sie das Athletik-Training auch nach den neun Monaten in den USA daheim in Leipzig weiter.

Sie verbesserte sich stetig. „Ich habe auf meiner Schule einige Rekorde gebrochen, bin gewissermaßen deren große Hoffnung", erzählt sie stolz. Das Fazit ist durchweg positiv: „Ich bin in meiner Persönlichkeit gereift, bin selbstbewusster und meine Motivation ist gestiegen."

Das Fernziel lautet Olympische Spiele 2016 in Rio, aber zuvor gibt es in Amerika noch einiges zu erledigen. Amerikanische Junior-College-Meisterin ist sie bereits. Aber: „Ich würde gern den nationalen Rekord der Junior-College-Schwimmliga brechen, über 200 m Lagen fehlen mir zwei Sekunden." Nicht zuletzt deshalb ist sie vor ein paar Wochen nach Georgia zurückgekehrt. Zwei Jahre möchte sie studieren und sich vor allem sportlich weiterentwickeln. Auch ihr Cousin, der SSG-Schwimmer Karl-Richard Hennebach, wählte nun den Sprung in die USA.
„Es lohnt sich auf jeden Fall, ins Ausland zu gehen und dort seinen Horizont zu erweitern", bilanziert Anna-Marie Macht die vergangenen Monate. Einen Job hat sie schon gefunden. „Ich werde als Studentin die Sieben- und Achtjährigen der Schule anleiten, Schwimmtrainerin sein und meine Erfahrungen weitergeben." Jene Erfahrungen, die jeder Auslandsstudent sammelt und die nicht nur für die sportliche Karriere Gold wert sein können.Joel StubertLVZ2012-09-18