29.01.2013 – SSG-Teams bei Halbzeit auf Abstiegsplatz
SSG-Teams bei Halbzeit auf AbstiegsplatzDie beiden Mannschaften der Schwimm-Startgemeinschaft Leipzig liegen bei Bundesliga-Halbzeit auf den Abstiegsrängen, was aufgrund der dünnen Personaldecke nicht überraschend kommt. Die Frauen rangieren nach 32 von 64 Disziplinen in dem Zwölfer-Feld auf dem vorletzten Platz, haben aber bereits 1100 Punkte Rückstand zum „rettenden Ufer", also zum zehnten Platz, den die SG Frankfurt behauptet. Im Kampf um den Klassenerhalt haben die Männer sogar die etwas bessere Ausgangsposition, obwohl sie momentan Letzter sind. Aber der Abstand von knapp 700 Punkten zu den zehntplatzierten Darmstädtern erscheint nicht aussichtslos groß zu sein.
„Wir geben nicht auf, werden am nächsten Wochenende in Dortmund noch einmal angreifen", sagte Stützpunkttrainer Dirk Franke, der erstmals mit Sebastian Zechlin die beiden SSG-Teams bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften betreut. Beim Vorkampf in Essen hatten die beiden Trainer mit Ach und Krach acht Frauen und sieben Männer zur Verfügung, wobei die SSG-Damen mit drei 13- und 14-Jährigen das jüngste Team der Bundesliga überhaupt stellten und mit der SG Bayer Wuppertal immerhin einen gestandenen Verein hinter sich ließen. Der Neuangriff bei den Frauen wird dadurch erschwert, dass sich die ehemalige deutsche Meisterin Juliane Reinhold gestern krank meldete. „Sie muss zehn Tage Antibiotika nehmen, wird somit leider ausfallen", sagte Franke. Gegenüber den Vorjahren fehlen zudem die Leistungsträger Lisa Graf und Carolin Sperling.
Für Lichtblicke sorgten in Essen Philipp Sikatzki und Serghei Golban, die über 50 und 100 m Rücken (Sikatzki) sowie 50 m Freistil (Golban) drei Einzelerfolge für ihre Mannschaft einfuhren. Bei den Männern besteht Hoffnung, weil in der Abstiegsrunde des Endkampfes Tobias Feigl und Felix Eigel das SSG-Team verstärken. Der Start von Stefan Herbst ist dagegen unwahrscheinlich. Auf Meister-Kurs befinden sich beide Teams der SG Essen. Bester Ost-Verein ist bei Frauen und Männern der SV Halle mit den Stars Britta Steffen und Paul Biedermann – sie liegen auf den Plätzen zwei und sechs. Neben der SSG Leipzig sind in diesem Jahr keine weiteren Clubs der neuen Bundesländer in der Eliteliga vertreten.LVZ2013-01-29
Abstiegskampf der SSG-SchwimmerAls Außenseiter und Abstiegskandidat starten die Schwimmer der SSG Leipzig heute in die Bundesliga-Vorrunde in Essen. Doch Stützpunkttrainer Dirk Franke hat die Devise ausgegeben: „Wir werden nicht kampflos aufgeben. Jeder zeigt, was er kann. Wir sind erst abgestiegen, wenn es feststeht."
In dem zwölf Teams starken Erstliga-Feld trifft es die SSG-Männer personell besonders hart. Es wird sogar schwer, alle 32 Strecken zu besetzen. Neben dem Weggang von Tony Wiegmann nach Berlin-Neukölln fehlt auch Stefan Herbst, der als Sportstudent ein Winterlager absolviert. Zudem sind drei SSG-Asse in den USA, zwei weitere haben am Wochenende einen Englisch-Test im Vorfeld ihres geplanten USA-Studiums.
Bei den Frauen muss vor allem Lisa Graf (Neukölln) ersetzt werden. Juliane Reinhold wird erst im Endkampf in Dortmund starten. Dennoch sind in Essen neun SSG-Damen einsatzbereit.LVZ2013-01-25
Sind Beckenschwimmer auch Eisbader?Der Januar ist in unseren Gefilden traditionell der Monat der Eisbader. Doch wo kein Frost ist, gibt es kein Eis, in das Löcher gehackt werden könnten. Richtig viel Mumm gehört trotzdem auch 2013 dazu, um das Anbaden auf den frühestmöglichen Termin Anfang Januar zu legen. Gerade Schwimmer sind als Frostbeulen bekannt, die bei weniger als 26 Grad nur den großen Zeh eintauchen. Die vier härtesten Leipziger Schwimmer kommen vom Post SV und SV Automation. Postler Christoph Wippich hatte den Anbade-Termin bei Facebook gepostet. Viele Schaulustige kamen zum Baggersee nach Thekla, genossen den Glühwein und das Event. Doch nur ein Quartett stürzte sich bei acht Grad in die Fluten. Hut ab!LVZ2013-01-09
Mehrkampf-Siege bei Sachens SchwimmfestBeim traditionellen Schwimmfest unterm Tannenbaum in der Leipziger Uni-Schwimmhalle konnte sich der Leipziger Nachwuchs im Vergleich mit den Talenten des Freistaates erneut gut behaupten. Fünf der neun Mehrkampf-Erfolge blieben in der Messestadt. Seraphine Statovci (8) und Isabell Ramolla gewannen für den Postschwimmverein, Konstantin Mieth (8) und Marvin Lanzke (12) siegten für den SSV Leutzsch. Für Gastgeber SC DHfK war Robert Clauß (11) erfolgreich. Am Start waren 433 Schwimmer aus 28 Vereinen. Zudem wurden die besten Talentstützpunkte geehrt. Hier kamen der Post SV und der SSV Leutzsch hinter dem SC Chemnitz auf die Plätze zwei und drei. Wegen der hohen Mietkosten in der Mainzer Straße wandert der Traditions-Wettkampf 2013 nach Dresden ab.LVZ2012-12-02
Rekordjagd geglückt – Sechs Medaillen und nationale Staffel-Bestmarke für SSG-Schwimmer bei Kurzbahn-DMMit sechs Medaillen kehrten die Schwimmer der SSG Leipzig von den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften aus Wuppertal heim. Allein vier Mal Edelmetall ging auf das Konto des für Moldawien schwimmenden Sportgymnasiasten Serghei Golban, der sich zweimal Einzel-Bronze sicherte und an beiden Staffel-Silberplaketten beteiligt war. Absoluter Höhepunkt für die Messestädter war der gelungene Rekordversuch über 4×50 Meter Rücken.
Es war ein wichtiges Lebenszeichen der Leipziger Schwimmer nach der verpassten Olympiateilnahme sowie dem Weggang von Lisa Graf und Tony Wiegmann Richtung Berlin-Neukölln. Als der Hallensprecher in der Wuppertaler Schwimmoper das SSG-Quartett zum angekündigten Rekord-Versuch auf die Startbrücke bat, liefen die Titelkämpfe für die Sachsen bereits wie am Schnürchen, hatte der 34-jährige Stefan Herbst seinen x-ten Titel abgesahnt (diesen teilte er sich über 50 m Rücken erstmals mit zwei zeitgleichen Meistern), freuten sich Saskia Donat, Golban und das Freistil-Quartett der Männer über Edelmetall.
Die Rückenstaffel strafte in der Besetzung Stefan Herbst (34), Serghei Golban (19), Tommi Wolst (16) und Philipp Sikatzki (18) all jene Skeptiker Lügen, die dem SSG-Quartett einen deutschen Rekord nicht zugetraut hatten. Die Skepsis war nicht unbegründet. Schließlich war die Generalprobe am Freitagmorgen schiefgegangen, weil Golban und Sikatzki im Einzel-Vorlauf beim Start von der Beckenwand abrutschten und das erhoffte Finale deutlich verpassten. Zudem hatten die alten Rekordhalter der SG Frankfurt um Weltklassemann Helge Meeuw 2009 die inzwischen verbotenen Hightech-Anzüge getragen. Und keiner konnte die Sprint-Fähigkeiten des jungen Tommi Wolst genau einschätzen. Er vertrat den zurzeit in den USA trainierenden Karl-Richard Hennebach aber glänzend.
Als Startschwimmer Herbst seine Einzelzeit um zwei Zehntel unterboten hatte, keimte Hoffnung auf. Als Golban angeschlagen hatte, meinte sogar der Hallenser Trainer und Chef-Skeptiker Frank Embacher auf der Tribüne zum Leipziger Kollegen Dirk Franke: „Jetzt habt ihr doch eine Chance." Diese nutzte das Quartett konsequent, letztlich holte Franke die vom SSG-Vorstand extra gedruckten Rekord-T-Shirts aus der Tasche und verteilte sie an das glückliche Quartett.
Am Sonnabend landete dann auch die Lagenstaffel mit Brustspezialist Michel Ullrich auf dem Silberplatz, gestern krönte Golban sein Wochenende mit einem dritten Rang auf der olympischen Distanz 100 m Rücken. Stunden zuvor hatte er in einem Ausscheidungsrennen zweier Achtplatzierter über 50 m Freistil um den letzten freien Platz im A-Endlauf wertvolle Körner gelassen. Dieses Rennen verlor der Schützling von Eva Herbst trotz starker Zeit knapp. Aber er hatte dennoch genügend Reserven, um am Nachmittag auf den vier Rückenbahnen seine Medaille vom Vorjahr zu verteidigen.
Seine Trainerin hört Ende des Jahres auf, ihr Fazit in Wuppertal hört sich äußerst positiv an: „Es hat noch einmal Spaß gemacht, weil sich alle ein Bein rausgerissen haben und wir samt Betreuer ein gutes Team waren. Ich habe die vier Tage aber mit gemischten Gefühlen gesehen, weil es das letzte Mal war." Vielleicht ist ihr Sohn ja mit 35 immer noch dabei. Diesmal war er trotz seines „biblischen" Schwimmer-Alters der Schnellste der Rekord-Staffel.lvz2012-11-26
Vier Medaillen und ein Rekord für SSGPaul Biedermann und Britta Steffen haben bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal ihre ersten Freistilrennen gewonnen. Weltrekordler Biedermann siegte über die 200 Meter in 1:43,47 Minuten und blieb damit wie schon beim Weltcup zuvor unter der WM-Norm. Britta Steffen schlug über 100 Meter Freistil nach 52,60 Sekunden an und unterbot ebenfalls die Norm für die Kurzbahn-WM Mitte Dezember in Istanbul. „Der Schritt, unter 52 Sekunden zu kommen, ist schwer, aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit", sage Steffen. Auch ihre künftige Trainingskollegin Daniela Schreiber aus Halle/Saale schaffte in 53,11 die WM-Norm.
Ein Kuriosum mit gleich drei Meistern bot das Rennen über 50 Meter Rücken. Lokalmatador Lukas Nattmann, Stefan Herbst (SSG Leipzig) und Jan-Philip Glania (Frankfurt/Main) schlugen zeitgleich in 24,56 an. Herbst: „Coole Nummer." Saskia Donat und Serghei Golban (beide SSG) holten Bronze über 50 Meter Schmetterling. In der 4×50- m-Staffel holte die SSG mit Herbst, Golban, Philipp Sikatzki und Tobias Horn Silber. Der anschließende Rekordversuch mit Tommi Wolst für Horn glückte! Die 1:39,35 unterboten den alten Rekord (1:40,46) klar.lvz2012-11-24
Rekordversuch der SSG-StaffelDie Schwimmer der SSG Leipzig hoffen bei den gestern in Wuppertal begonnenen deutschen Kurzbahn-Meisterschaften auf eine Medaille. „Es wird nicht leicht, da Stefan Herbst nicht mehr so viel trainiert. Vielleicht gelingt uns in einer der Staffeln oder auch im Einzel eine Überraschung", sagte Jirka Letzin, der im Sommer als neuer Sportlicher Leiter der Startgemeinschaft Verantwortung übernommen hat.
Heute Abend haben die SSG-Schwimmer ein besonderes Bonbon geplant: Sie sorgen nach den Endläufen im Alleingang mit einem Rekordversuch über 4×50 m Rücken für Furore. Diese Staffel ist keine DM-Disziplin, musste daher speziell angekündigt werden. „Es wird sehr schwer, da die SG Frankfurt den deutschen Rekord 2009 noch mit Hightech-Anzügen geschwommen ist", so Stefan Herbst, der gemeinsam mit Serghei Golban, Philipp Sikatzki und Tommi Wolst antritt.
Von Athleten-Seite gab es vor DM-Beginn heftige Kritik an der nur mit knapper Mehrheit wiedergewählten DSV-Präsidentin Christa Thiel. Einen Tag nach dem Rundumschlag von Britta Steffen in der „Sport Bild" hat Athletensprecherin Dorothea Brandt die Präsidentin zumindest in Schutz genommen. „Man muss ihr zugutehalten, dass sie ein Workaholic ist", sagte Brandt auf einer Pressekonferenz vor der Kurzbahn-DM. Brandt zeigte aber Verständnis für die Generalabrechnung von Steffen mit der DSV-Führung: „Ich glaube, dass die Kritik von Britta nicht zu 100 Prozent von der Hand zu weisen ist."
Steffen hatte die Ablösung von Thiel gefordert: „Meine Intention ist, jemand an die Spitze zu setzen, der Leidenschaft für den Schwimmsport hat. Diese habe ich bei Frau Dr. Thiel persönlich noch nicht erlebt. Beim DSV hat sich nach London nichts verändert, niemand will Veränderungen." Auch Freistilsprinter Marco Di Carli forderte gestern mit drastischen Worten Veränderungen im Verband. „Ich habe keinen Bock, mir noch zwei oder vier Jahre den Arsch aufzureißen, wenn beim Verband A nicht weiß, was B macht", sagte der Olympia-Sechste.
Im französischen Chartres begann zur gleichen Zeit die Kurzbahn-EM, wo der DSV mit einem jungen Team antritt. Dabei sorgte die jetzt für Berlin-Neukölln startende Leipzigerin Lisa Graf im Vorlauf über 100 m Rücken für eine tolle Bestzeit. In 59,04 s steigerte sie sich um über eine Sekunde und wurde Zwölfte.lvz2012-11-23
SSG-Schwimmer dominieren in Sachsen – Leipziger holen 17 Titel bei offenen Kurzbahn-Meisterschaften in GörlitzTrotz einiger Abgänge im Sommer sowie des Fehlens von Juliane Reinhold und Stefan Herbst dominierten die Schwimmer der SSG Leipzig bei den offenen sächsischen Kurzbahn-Meisterschaften in Görlitz mit 17 Titeln bei den Erwachsenen. Unter anderem entschied die SSG alle vier Staffeln für sich. Bei den Männern lieferten sich Serghei Golban und Philipp Sikatzki mehrere Kopf-an-Kopf-Rennen, die allesamt an den Fünffach-Sieger aus Moldawien gingen, der im Sommer verletzt pausieren musste. Weitere Einzeltitel holten Saskia Donat, Alisa Fatum, Michel Ullrich und Tobias Horn, der auf den Freistilstrecken von 100 bis 400 Metern triumphierte. Trainerin Eva Herbst hob vor allem die 200-m-Zeit (1:50,31) hervor. „Tobi war wie alle kurz nach dem Trainingslager ziemlich kaputt. Aber dafür war er im Kopf frei und ziemlich schnell."
Wie erhofft rückten einige Nachwuchs-Athleten in den Blickpunkt. Stützpunkttrainer Dirk Franke lobte vor allem Bianca Bogen und Tommi Wolst. Die 14-Jährige unterbot über 50 m Rücken die 30-Sekunden-Marke und qualifizierte sich für die SSG-Lagenstaffel bei der Kurzbahn-DM in Wuppertal. Wolst rückte dem Spitzenduo Golban/Sikatzki mehrfach auf die Pelle und zeigte beachtliche Steigerungsraten.
Der im Sommer in die Jugend-Auswahl aufgerückte Tommi Wolst wurde als sächsischer Jugend-Schwimmer des Jahres geehrt. Dass in der Kategorie Erwachsene keine Ehrung erfolgte, stieß auf geteiltes Echo. Eva Herbst meint kopfschüttelnd: „Mittlerweile sind im Schwimmsport in Sachsen Laien an der Macht." Obwohl Olympia in London verpasst wurde, ist die 61-Jährige sehr wohl der Meinung, dass Staffel-Europameisterin Lisa Graf (sie wurde in Debrecen im Vorlauf eingesetzt) und der deutsche Meister Hannes Heyl die Ehrung verdient gehabt hätten. Der in den USA lebende Heyl hätte auch in Wuppertal gute Chancen, wird aber wegen der hohen Flugkosten nicht anreisen.
Die zur SG Berlin-Neukölln gewechselte Lisa Graf trainiert nach Auskunft ihrer Ex-Trainerin jetzt wie Tony Wiegmann am Bundeswehr-Stützpunkt in Warendorf. Sie wurde vom DSV in der vergangenen Woche für die Kurzbahn-Europameisterschaften nominiert, die in Chartres (Frankreich) parallel zu den nationalen Titelkämpfen stattfinden. Dadurch erhöht sich für die zweite Reihe die Chance, in Wuppertal ein Finale zu erreichen oder sogar aufs Treppchen zu kommen.
Bis auf Juliane Reinhold, die wegen ihrer Polizei-Ausbildung auf die Kurzbahn-Saison verzichtet, und die drei „Amis" Anna-Marie Macht, Karl-Richard Hennebach und Hannes Heyl wird die SSG in Bestbesetzung antreten. Der in München studierende Altmeister Stefan Herbst (34) will die Staffeln verstärken und über 50 m Rücken starten.LVZ2012-11-13
„Ziele öffentlich machen" – DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow über das deutsche Sportsystem und die Lehren von LondonLutz Buschkow erlebte schon leichtere Wochen und Monate in seiner beruflichen Karriere. Der Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) und Bundestrainer der Wasserspringer hatte bei den Olympischen Spielen ein schwaches Abschneiden seines Verbandes zu verantworten. Mit nur einmal Silber durch Langstreckenschwimmer Thomas Lurz verfehlte der DSV die gemeinsam mit dem DOSB erarbeitete Zielvorgabe von zwölf Medaillen klar. Am Rande der gestern zu Ende gegangenen Bundestrainer-Konferenz in Leipzig sprach der 54-Jährige im LVZ-Interview über mögliche Ursachen.
Frage: Wie wird man als Vertreter eines nicht so erfolgreichen Verbandes von den Kollegen empfangen? Gibt es eher Aufmunterung oder Kritik und gar Häme?
Lutz Buschkow: Die meisten Bundestrainer sind lange im Geschäft. Sie wissen alle, dass es schöne und weniger schöne Zeiten gibt. Ich empfand die Auseinandersetzung in Leipzig sachlich und fair.
Unter anderem sollte der Erfahrungsaustausch im Vordergrund stehen. Was nehmen Sie von anderen Sportarten mit?
Das ist der größte Faustpfand, dass man mal Zeit hat, mit Kollegen anderer Verbände über deren Probleme und Lösungswege zu reden. Interessant finde ich zum Beispiel, dass der Ski-Verband seine Aus- und Fortbildung für alle Landesverbände zentral organisiert.
Sind die Sportarten vergleichbar?
Hockey lässt sich sicher schwer mit Fußball vergleichen. Aber es gibt interessante Trainingskonzepte. Wenn zum Beispiel alle Judoka und Radsprinter in der Olympia-Vorbereitung auf Höhentraining setzen, dann sollten die Schwimmer als klassische Ausdauersportart aufhorchen.
Sie kritisierten in London, dass die Öffentlichkeit vierte bis achte Plätze kaum honoriert. Stehen Sie dazu? Oder sehen Sie inzwischen ein, dass Medaillen das alleinige Maß der Dinge sind?
Natürlich ist der Medaillenerfolg für jede Sportart das Maß der Dinge. Dennoch kann bei der Dichte der Weltspitze für den einzelnen Sportler Platz vier bis acht ein tolles Ergebnis sein. Wer bei Olympia ins Finale kommt, hat eine Achtung seiner Leistung verdient. Vieles hängt natürlich von der Vorleistung ab. Für andere ist Platz vier eine schwere Niederlage.
Ist die Elite aus Übersee im Schwimmen oder Wasserspringen hoffnungslos enteilt?
Wir schätzen unser Potenzial realistisch ein, dazu hilft uns das IAT mit seiner Weltstands-Analyse. Doch es ist unsere Aufgabe, Trainingsmittel und Fördermaßnahmen zu finden, wie wir den Rückstand aufholen oder den Platz in der Spitze verteidigen. Mit Paul Biedermann oder dem Synchronpaar Hausding/Klein haben wir ja Athleten, die mehrfach nachgewiesen haben, dass sie zur absoluten Weltelite gehören.
Warum haben diese Sportler ihr Potenzial in London nicht abgerufen?
Hausding/Klein waren bei allen Weltcups und Weltmeisterschaften im Medaillenbereich. Sie haben sich einen groben Patzer erlaubt – damit bist du weg und wirst nur noch Siebter. Im Schwimmen ist die Analyse Gegenstand unseres nächsten Treffens der Struktur-Kommission Mitte November. Dem möchte ich nicht vorgreifen.
Experten wie Roland Matthes und Michael Groß haben dem DSV im Sommer die Leviten gelesen. Wie empfinden Sie deren Kritik und Hinweise?
Wir haben Meinungsfreiheit. Sicher ist das eine oder andere Quäntchen Wahrheit dran. Weiter möchte ich dies öffentlich nicht kommentieren. Wir werden eine ehrliche Analyse vorlegen.
Die Trainer-Problematik ist in Leipzig ausführlich besprochen worden. Wie steht es um die Qualität und Motivation der Trainer in Ihrem Verband?
Wir haben gerade im Schwimmen zahlreiche engagierte und ambitionierte Trainer. Leider spiegelt sich dies bei der Bewerberlage für ausgeschriebene Stellen aus verschiedenen Gründen nicht wider. Das sind aber auch keine Jobs für 38 dreiviertel Stunden.
Zuletzt waren vier Jahre lang die Cheftrainerstellen Schwimmen und Wasserspringen unbesetzt. Sind diese Personen nicht Grundvoraussetzung, dass es bis 2016 bergauf geht und Sie als Sportdirektor entlastet werden?
Unser Personalmodell soll ganz klar auch personell unterfüttert werden. Wichtig ist, dass es unter den Bundestrainern keine Reibungsverluste gibt.
Sind Sie dafür, die Zielvereinbarungen für 2016 öffentlich zu machen?
Die Briten haben uns in Sachen Transparenz vieles vorgemacht. Ich habe nichts dagegen, Ziele öffentlich zu machen. Natürlich müssen diese realistisch und erreichbar sein.
Waren die DSV-Ziele für 2012 realistisch?
Unsere Vorgabe war schon sehr ambitioniert. Je zweimal Gold, Silber und Bronze bei den Beckenschwimmern und zwei Freiwasser-Medaillen waren eine knüppelharte Variante. Vor allem, was die Medaillenfarbe betrifft. Dass man als Kernsportart aber um sechs Medaillen im Becken kämpfen will, ist normal.
Welche Dinge, die nicht in Ihrer Macht stehen, würden Sie gern im deutschen Sport ändern?
Ich habe sehr hohe Qualitätsansprüche an die Eliteschulen des Sports. Wie in vielen Bereichen gibt es da enorme Unterschiede. Mir ist es wichtig, dass Schulzeitstreckung nicht erst in der elften Klasse beginnt. Denn unser Nachwuchs muss enorme Trainingsumfänge leisten, um international konkurrenzfähig zu sein. Die Sportler müssen sich quälen können, es geht um die Entwicklung von Charaktereigenschaften. Wenn ich die hohen schulischen Umfänge addiere, bin ich bei 60 bis 70 Wochenstunden. Das ist Sportlern und Eltern schwer vermittelbar.
Welche Rolle spielen Leipzig und Dresden im künftigen DSV-Konzept?
Im Wasserspringen sind das wie gehabt zwei wichtige Bundesstützpunkte. Im Schwimmen muss Leipzig zunächst ein Konzept vorlegen. Gemeinsam mit der Sportfakultät, dem IAT und dem Schwimmkanal haben wir sehr gute Ausbildungsmöglichkeiten, die für Leipzig sprechen.LVZ2012-11-08
DM im Schwimmen – Feuerwehr Leipzig schafft Pokal-HattrickDie 13. deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Berufsfeuerwehren im Retten und Schwimmen gingen am Sonnabend in der Schwimmhalle „Grünauer Welle" mit einem aus Leipziger Sicht herausragenden Ergebnis zu Ende. Die Messestädter Jörg Färber, Uwe Bodusch, Volker Clauß und André Ludwig gewannen die Mannschaftswertung im Schwimmen mit großem Vorsprung. Zudem erzielten sie auf der 25-m-Bahn starke Einzelzeiten.
Nach dem Gewinn der jüngsten Meistertitel 2006 in Lübeck und 2009 in Aachen gelang dem Leipziger Team damit der Hattrick – und der Pokal bleibt in der Messestadt. Auf Platz zwei kam das Quartett der Berliner Feuerwehr, den dritten Platz belegte die Berufsfeuerwehr Hannover. Die beste Mannschaft in der Disziplin Retten wurde Hamburg, gefolgt von München und Karlsruhe.
Weltmeister Jörg Färber legte im ersten Wettkampf über 100 m Rücken hervorragende 1:05,25 Minuten vor. Der 37-Jährige siegte ebenso souverän wie über 100 m Brust und avancierte zum erfolgreichsten Teilnehmer. Über 100 m Freistil ging André Ludwig an den Start und belegte den achten Platz. Bei den 50 m Schmetterling holte Uwe Bodusch die Silbermedaille. Ex-Triathlet Volker Clauß trat über 50 m Freistil an und erkämpfte ebenfalls Rang zwei. Danach zog Uwe Bodusch wie ein Uhrwerk seine 40 Bahnen und gewann die 1000 m Freistil. In der 4×50-m-Lagenstaffel belegten die Leipziger ebenso wie über 4×50 m Freistil den ersten Platz. Auch im 25-m-Streckentauchen waren die Gastgeber überlegen.
An dem Wettkampf, eröffnet von Sportbürgermeister Heiko Rosenthal und dem Leiter der Branddirektion Karl-Heinz Schneider, nahmen 21 Teams aus 14 Berufsfeuerwehren aus ganz Deutschland teil. Die 120 Teilnehmer, darunter zwei Feuerwehrfrauen, boten in den folgenden Stunden mitreißende Wettkämpfe, bei denen auch die Letzten lautstark angefeuert wurden. Die Wettkämpfe wurden am Samstagabend mit der Pokalübergabe und einer Siegerfeier für alle Teilnehmer stimmungsvoll beendet.LVZ2012-10-16