28.11.2011 – Medaillen für SSG-Schwimmer

Medaillen für SSG-SchwimmerBritta Steffen ist wieder auf Erfolgskurs, Paul Biedermann weiter ohne Konkurrenz: Die deutschen Vorzeigeschwimmer demonstrierten bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal ihre Stärke und dürfen bei der EM im Dezember auf weitere Erfolge hoffen. Weltrekordler Biedermann gewann nach den 200 auch die 400 Meter Freistil. In 3:42,57 Minuten blieb er gestern zwar über der EM-Norm und zweieinhalb Sekunden über der eigenen Weltjahresbestzeit. Als Mitglied des Olympiakaders reichte dem Weltmeister aber schon der Sieg für das Ticket zur Kurzbahn-EM vom 8. bis 11. Dezember in Stettin.

Nach ihrer Weltjahresbestzeit über 100 Meter Freistil siegte Steffen auch über die 50 Meter, knackte die EM-Norm. Sie konnte allerdings in 24,16 Sekunden die Jahresbestmarke der bei der EM pausierenden Schwedin Therese Alshammer nicht gefährden. „Ich wollte unter 24 Sekunden schwimmen, aber das ist okay. An den Wenden müssen wir noch arbeiten", sagte die 28-jährige Berlinerin vier Monate nach dem WM-Desaster von Shanghai. Für die EM bremste sie die Erwartungen. „Ich werde Stettin aus dem vollen Training heraus schwimmen. Wenn ich ähnliche Zeiten wie hier schwimme, wäre das klasse. Ich bin auf dem richtigen Weg."

Rückenspezialist Serghei Golban von der Schwimm-Startgemeinschaft Leipzig schaffte gestern den dritten Rang über 100 Meter Rücken. Christian Diener aus Cottbus holte den Sieg. Für Leipzigs Schwimm-Ass Stefan Herbst reichte es über 50 Meter Freistil nur zu Platz vier.

Bereits am Sonnabend erschwamm er über 100 Meter Freistil aber die Bronzemedaille. Deutscher Kurzbahnmeister über diese Distanz wurde Christoph Fildebrandt von der SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen. Die Männer-Staffel mit Herbst, Philipp Sikatzki, Tony Wiegmann und Serghei Golban landete über 4×50 Meter Freistil auf Platz drei. Sie musste sich den Schwimmern aus Essen und Frankfurt geschlagen geben.

Am ersten Turniertag konnte Herbst zwei Silbermedaillen feiern. Am Freitag zeigte er über 50 Meter Rücken und 50 Meter Freistil starke Leistungen. Auch die Staffel erschwamm an dem Tag Silber: Über 4×50 Meter Lagen waren nur die Schwimmer aus Frankfurt schneller.Frank SchoberLVZ2011-11-28

Biedermann siegt, Herbst ZweiterLeipzig. Der Hallenser Paul Biedermann erschwamm am zweiten Tag der deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal die Goldmedaille über 200 Meter Freistil. Für den 33-jährigen Stefan Herbst aus Leipzig reichte es gestern über 50 Meter Rücken und 50 Meter Freistil zu Silber. Die Staffel der Schwimm-Startgemeinschaft Leipzig mit Herbst, Serghei Golban, Tobias Feigl und Tobias Horn erkämpfte über 4×50 Meter Freistil den zweiten Rang. Nur die Staffel der SG Frankfurt war schneller.Dominik BathLVZ2011-11-26

Der schwere Weg nach London – Leipziger Schwimmer wollen sich auf der Kurzbahn Selbstvertrauen holenDie Aussichten der Leipziger Schwimmer, 2012 bei den Olympischen Spielen in London vertreten zu sein, sind nicht besonders groß. Das wissen die Trainer Eva Herbst und Oliver Trieb ebenso wie die besten SSG-Athleten Lisa Graf, Juliane Reinhold sowie Stefan Herbst und Tony Wiegmann selbst am besten. Doch von Selbstaufgabe ist in der Uni-Schwimmhalle dieser Tage nichts zu spüren. Eine Chance gibt es im Leben immer – und genau diese will das Quartett beim Schopfe packen.

Also wird eifrig trainiert, um schon am Wochenende bei den sächsischen Kurzbahn-Meisterschaften in Riesa und in zwei Wochen bei den nationalen Titelkämpfen auf der 25-m-Bahn in Wuppertal die erste Saisonphase mit einem Erfolgserlebnis abzuschließen. Einen zusätzlichen Hoffnungsschimmer gibt es für die Leipziger Schwimmer nach der verpassten WM in Shanghai: Die Olympia-Normen, die derzeit beim DOSB in Frankfurt zur Bestätigung liegen, fallen aller Voraussicht nach moderater aus als die diesjährigen Knaller-Pflichtzeiten für die WM. Was Eva Herbst nur begrüßt: „Von härteren Normen allein werden die deutschen Schwimmer auch nicht schneller." War für den Flug nach Shanghai Platz elf der Weltbestenliste Voraussetzung (bei den Leichtathleten reichte für Daegu oftmals Rang 20 der Welt), gilt nun für Olympia Rang zehn der WM. Und bei einem Saison-Höhepunkt wird bekanntlich in der Breite nicht das Niveau erreicht wie bei Hunderten Meetings in zwölf Monaten.

Dennoch führt der Weg nach London für die besten sächsischen Schwimmer in erster Linie über die Staffeln. „Die besten Chancen von uns hat Lisa. Vielleicht reicht ja Platz zwei über 100 m. Bei den letzten drei Olympischen Spielen wurden immer zwei Rückenschwimmerinnen für die Staffel mitgenommen", sagt der SSG-Chef Stefan Herbst über Lisa Graf, die in dieser Saison unter anderem mit zwei DSV-Höhentrainingslagern neue Reize setzt. Das erste im September, so Eva Herbst, habe gut angeschlagen. „Außerdem spürt man bei Lisa, dass sie noch bewusster trainiert als früher. Und bisher ist sie auch gesundheitlich stabil. Das war nicht immer so", meint die 60-Jährige, die von 1996 bis 2008 stets mindestens eines ihrer Kinder Sabine und Stefan zu Olympia brachte. Nach einem Motivationstief unmittelbar nach Peking sei sie selbst wieder angriffslustig: „Es ist mal ganz gut, dass es nicht in erster Linie um die eigenen Kinder geht."

Doch auch Sohn Stefan kämpft um seine vierte Olympia-Teilnahme. „Ich weiß, dass ich nochmal Bestzeit schwimmen muss. Wozu es reicht, muss ich dann abwarten." Nach einem Ausflug auf die 50 und 100 m Rücken konzentriert sich der 33-Jährige wieder auf seine Schokoladen-Disziplinen 100 und 200 m Freistil: „Da sind die Chancen größer. Der Wechsel auf Rücken tat aber gut. Jetzt bin ich im Training wieder viel motivierter, Kraul zu schwimmen." Der Sportsoldat sieht sich psychisch im Vorteil: „Der Wille ist groß wie immer. Aber ich muss niemandem mehr etwas beweisen, kann die Sache von daher etwas lockerer angehen." Platz vier oder fünf muss er im Mai belegen. Doch mehr als zehn Kraulspezialisten haben das Zeug dazu, mit Paul Biedermann im Sommer 2012 in den DSV-Staffeln zu schwimmen. Stefan Herbst verzichtet nach reiflicher Überlegung auf das Höhentraining: „Drei Wochen in der Sierra Nevada eingesperrt zu sein, ist für mich kein Reiz. Mich motiviert die Sonne in Lanzarote mehr. Außerdem bin ich nach den meisten Höhenlagern der Vergangenheit krank geworden."

Für die vielseitige Juliane Reinhold (Polizei-Ausbildung) und Brustschwimmer Tony Wiegmann (Bundeswehr-Start) kommt es derzeit darauf an, den Abstand zur Spitze so gering wie möglich zu halten, um in der zweiten Saisonhälfte anzugreifen. Und wenn es für das SSG-Quartett mit Olympia nichts wird? „Das kann passieren", sagt Eva Herbst: „Dann greift hoffentlich nicht das Bestrafungs-System." Vielmehr appelliert sie an die Einsicht der (Sport-)Politik, mehr zu investieren. Eines ist ihr jedoch auch klar: „Wenn es klappt, waren alle beteiligt. Wenn es nicht klappt, waren es die Trainer." Doch so weit ist es noch lange nicht. Jetzt geht es erst einmal auf die Kurzbahn. Und da sah die SSG Leipzig im Vorjahr richtig gut aus.Frank SchoberLVZ2011-11-10

Generalprobe für Wuppertal„Wir sind gut in Form und bereit für die nächsten Herausforderungen", sagt Schwimmtrainer Oliver Trieb. Die jungen Kadersportler der Schwimm-Startgemeinschaft Leipzig (SSG) erzielten am Wochen-ende in Bitterfeld beim Vorkampf zur deutschen Junioren-Mannschaftsmeisterschaft solide Ergebnisse.

Mit drei Staffeln reiste die Leipziger Auswahl in die Wettkampfstätte Heinz-Deininger-Sportbad. Den ersten Platz in der Jahrgangsstufe 1994/1995 erreichten Daniel Weiß, Max Wehenkel, Christian Brox sowie die Brüder Robert und Philipp Sikatzki. Die jüngsten Schwimmerinnen der SSG errangen einen starken dritten Platz in der Altersklasse 1998/1999. Ebenfalls einen guten Wettkampf lieferte das Frauenteam der Jahrgänge 1994 bis 1995. „Die Mädels waren alleine in ihrer Altersklasse. Deswegen war die Zeit ihr einziger Gegner", erklärt Coach Trieb.

Der nächste Kraftakt für die Auswahlschwimmer wartet am Wochenende in Riesa bei den Sächsischen Kurzbahnmeisterschaften. Dort gehen auch die erfahreneren Leipziger Athleten an den Start. Stefan Herbst, Juliane Reinhold und Lisa Graf nutzen den Landeswettbewerb zur Vorbereitung auf die deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal. Im Bergischen Land geht es vom 24. bis 27. November auch um die Qualifikation zur Kurzbahn-EM. „In Riesa soll sich das Trio an die Wettkampfgeschwindigkeit gewöhnen", sagt Trainer Trieb. In Wuppertal steht dann die Leistung im Vordergrund.Dominik BathLVZ2011-11-09

Olympia-Hoffnung trifft Olympia-HeldenAls die MDR-Jump-Reporter Sarah von Neuburg und Lars-Christian Karde Leipzigs Schwimm-Talent Juliane Reinhold fragten, was ihr an Michael Phelps besonders gefällt, da rutschte der 17-Jährigen entwaffnend ehrlich heraus: „Er hat ’nen geilen Arsch." Diese Natürlichkeit imponierte den Morningshow-Moderatoren, genauso hatten die MDR-Zuschauer die mehrfache Junioren-Europameisterin im Sommer bereits in der Doku-Reihe „Jule am Start" kennengelernt. Letzten Freitag weckte das Jump-Team die Polizeischülerin und überraschte sie mit einem Treffen mit Franziska van Almsick beim Weltcup in Berlin. Zwei Stunden nahm sich die Ex-Weltmeisterin Zeit für Jule, beide schwatzten über Gott und die Welt. Am Ende brach Franzi eine Lanze für den Schwimmsport an der Pleiße: Leipzig habe Top-Bedingungen, Jule mit Oliver Trieb einen sehr guten Trainer. Und dass Jule sich zuerst auf ihre Ausbildung und dann wieder auf den Profisport konzentriert, sei genau richtig. Als der weltbeste Schwimmer aller Zeiten nach seinem Lagen-Triumph lächelnd an Jule vorbeiging, da packte sie die einmalige Gelegenheit beim Schopfe: Sie bekam eine ganze Foto-Serie mit dem 14-fachen Olympiasieger, was nur wenigen mit Michael Phelps gelingt. Das Wichtigste am Berlin-Ausflug: Die zuletzt gestresst wirkende Leipzigerin ist neu motiviert. Und Franzi schrieb ihr aufs Autogramm: „Ich glaube an dich!"Frank SchoberLVZ2011-10-26

Herbst steht zweimal im Weltcup-FinaleSein Wochenend-Fazit fiel gut einen Monat vor den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften erwartungsgemäß aus. „Ich habe gemerkt, dass ich in den nächsten vier Wochen noch sehr viel tun muss. Vor allem die Qualität im Training reicht bislang noch nicht", sagte Stefan Herbst nach seinem Weltcup-Auftritt in Berlin, der zwei positive Überraschungen brachte. Denn entgegen seiner eigenen Vorhersage erreichte der Vorzeige-Schwimmer und Vorsitzende der SSG Leipzig zweimal das Finale, war über 100 m Rücken als Sechster sogar bester Deutscher.
In 52,87 s (Vorlauf-Dritter) und 52,82 s kam er bis auf neun Zehntel an seine elf Monate alte Bestzeit heran. „Das hat mich echt überrascht. Dennoch taten die letzten Meter sehr weh", sagte Leipzigs Sportler des Jahres 2010, der auf der halben Distanz in 24,30 s Siebter wurde. Seine Freistil-Auftritte über 100 und 200 m mit den Plätzen 19 und 14 unterstrichen den Nachholbedarf. Auf den Rückenstrecken fehlte der Magdeburger Helge Meeuw, zudem gilt für Herbst auch der Spruch von Paul Biedermann: „Die Kurzbahn kaschiert Defizite."
Unmittelbar nach seiner sechswöchigen Bundeswehr-Grundausbildung war der in Warendorf stationierte SSG-Kollege Tony Wiegmann mit den Plätzen 28 und 33 auf den Bruststrecken zufrieden. Über 50 m habe er mit neuer Bestzeit (28,76 s) ein Zeichen für die DM-Lagenstaffel der SSG gesetzt.
Frank SchoberLVZ2011-10-24

Zwei SSG-Schwimmer beim Weltcup in BerlinDer dreifache Olympiateilnehmer Stefan Herbst und der deutsche Vizemeister Tony Wiegmann vertreten die Leipziger Farben an diesem Wochenende beim Kurzbahn-Weltcup der Schwimmer in Berlin. Beide SSG-Asse dämpften aber im Vorfeld die Erwartungen. Altmeister Herbst konnte im Vorfeld der Kurzbahn-Saison wegen eines Infektes zehn Tage kaum trainieren, er startet über 50 und 100 m Rücken sowie 100 und 200 m Freistil. Sportsoldat Wiegmann hat erst vor einer Woche seine Bundeswehr-Grundausbildung beendet. Rücken-Ass Lisa Graf (Trainingslager) und Lagenspezialistin Juliane Reinhold (Polizei-Ausbildung) verzichten auf einen Start.Frank SchoberLVZ2011-10-22

Gute Stimmung beim SchwimmertreffenZum 7. Traditionstreffen des Leipziger Schwimmsports tauchten wieder viele bekannte Gesichter auf. Unter der Federführung des Förderkreises des SC DHfK wurde dieses Jahr besonders der 85. Geburtstag von Günter Knobloch – einer der erfolgreichsten deutschen Trainer – gefeiert. Er ebnete den Weg, dass Leipzig vor mehr als 40 Jahren zur europäischen Schwimm-Hochburg aufstieg und diesen Titel bis zur Wende verteidigte. Von seinen über vier Jahrzehnten Trainertätigkeit wirkte er von 1955 bis 1968 in Leipzig und anschließend in Rostock. Zu den bekannten Sportlern und Wegbegleitern seiner Zeit, die am Samstag im „Wasserfall" am Olympiastützpunkt mit ihm feierten, gehörten Gisela Engelhardt-Weiß, Jürgen Dietze, Jochen Herbst, Martina Abresch-Grunert, Peter Pohl, Manfred König und Uwe Neumann. Auch der schon verstorbene Horst-Günter Gregor und die nicht anwesende Heidi Pechstein entwickelten sich unter „Knobs" Fittichen zur Weltklasse. Die Gratulation nahm Förderkreis-Chefin Gerlind Braunsdorf vor. Darüber hinaus waren unter den 130 Gästen weitere bekannte Gesichter zu sehen wie Eva-Maria Hartmann-ten Elsen, Eva Herbst-Wittke, Elke Sehmisch, Roger Pyttel, Silke Morgenstern-Hörner, Anne-Katrin Neumann-Schott, Stefan Hetzer sowie vom Wasserspringen Uwe Fischer, Karsten Dornick und viele mehr. Wie jedes Jahr wurde viel gelacht: So sind die Schwimmer und Schwimmerinnen damals gleich als Trainingsgruppen zur Tanzstunde gegangen. Schließlich wollten sie sich ja beim umfangreichen Wassertraining keine Flossen wachsen lassen Allerdings sah das Tanzen „an Land" dann oft etwas schwerfällig aus und hatte so manche Lacher zur Folge.Frank SchoberLVZ2011-10-12

Förderverein Vesch mit GeschäftsführerDer Leipziger Förderverein Vesch, der sich die Lobby-Arbeit für den Schwimmsport sowie die Akquise von Spendern und Sponsoren auf die Fahnen geschrieben hat, geht künftig mit einem Geschäftsführer in die Offensive. „All unsere Vorhaben im Ehrenamt zu stemmen, hat uns manchmal an die Grenzen gebracht", sagte der wieder gewählte Vorsitzende Thomas Buchmann. Als Geschäftsführer wurde daher Dennis Willkommen eingesetzt. Der 29-Jährige stammt aus Dresden und ist Inhaber einer Werbeagentur. Er steht kurz vor dem Abschluss seines Sportmanagement-Studiums und sammelte im Leipziger Sport unter anderem Erfahrungen im Organisations-Team des Volleyball-Events „Sachsen Beach" auf dem Augustusplatz.
Der Förderverein stellte seit 2005 für den Schwimmsport einiges auf die Beine. Ob Neujahrs- und Medaillenempfang, Verabschiedung der Athleten zu internationalen Wettkämpfen, Unterstützung von Trainingslagern und mit Trainingsmitteln – Vesch war stets mit von der Partie.
RedaktionLVZ2011-10-12

SSG-Sprinter in Findungsphase – Schwimmer Serghei Golban kämpft um Weltspitze, Staatsbürgerschaft und KonzentrationsfähigkeitSerghei Golban hat erstmals den KSW-Sprintcup des 22. internationalen DHfK-Schwimmfestes gewonnen. Der 18-Jährige setzte sich im wichtigsten Herrenwettbewerb in der Uni-Schwimmhalle mit einer Hundertstel Sekunde Vorsprung gegen den WM-Teilnehmer Martin Verner aus Tschechien durch. Laut Trainerin Eva Herbst ist das SSG-Talent auf gutem Weg in die Weltspitze. Bislang kämpft der Schüler des Sportgymnasiums vor allem mit der Ausländerbehörde und seiner mangelnden Konzentrationsfähigkeit.
Die erste Standortbestimmung des Trainingsjahres bringt erfahrungsgemäß Erleuchtung. Trainerin Eva Herbst hatte jede Menge auszuwerten, signalisierte überwiegend positive Erkenntnisse. Die gute Leistung des Sprintcup-Siegers Golban überraschte sie nicht. Der 18-Jährige glänzte über 50 m Freistil vor allem dank seiner perfekten Tauchphase. Es ist die Stärke des gebürtigen Moldawiers, der seit vier Jahren in Deutschland lebt und am Wochenende zehn Starts absolvierte. Er nutzte die Abwesenheit seines langjährigen WG-Kumpels Stefan Herbst, der einen kleinen Infekt auskurierte, aber beim Weltcup in zwei Wochen in Berlin in die Saison einsteigt.
Eva Herbst sieht in Golban ein „Riesen-Talent", aber auch jede Menge Nachhol-Bedarf an intensivem Training. Kritikpunkte: Schlechte Atmung, fehlender Siegeswille auf der Zielgeraden, mangelnde Kaltschnäuzigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Beispiel: Im Rücken-Vorlauf springt Golban am Startbereich mit einer Bombe ins Wasser. „So etwas macht ein Profi nicht", rügt Herbst. Sie verlangt seine „naive Lockerheit" nicht am Beckenrand, sondern im Wasser.
Gelungen ist Golban all das im Sprintcup-Finale. Lag womöglich an der zusätzlichen Motivation von (für den Schwimmsport exorbitanten) 300 Euro Preisgeld? „Ja. Auch ein wenig", gab er zu, „ich wollte unbedingt gewinnen." Über das Achtel-, Viertel- und Halbfinale hatte sich der SSG-Sprinter mit je nur dreiminütiger Pause ins Duell gegen Verner gearbeitet. Die Muskeln brannten, die Knie zitterten. „Es tat alles weh", gestand Golban. Genau vor solchen Momenten hat er Angst, wird angesichts dieser Tatsache von seiner Trainerin öfters „Weichei" genannt. „Da gebe ich meistens auf." Diesmal nicht. Mit Unnachgiebigkeit peitschte sich der Leipziger durch die Bahn, schlug mit dem Wimpernschlag von einer Hundertstel Vorsprung an und freute sich über den Heimsieg beim DHfK-Schwimmfest.
Für Eva Herbst ist der Erfolg der erste Schritt in die richtige Richtung. Auf welchen Strecken der Allrounder künftig ins internationale Geschehen eingreifen soll, ist noch offen: „Wir sind noch in der Findungsphase. Er hat viele Möglichkeiten." Bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften im November in Wuppertal will Golban über 100 m Rücken eine Medaille erschwimmen – zuvor stehen zähe Behördengänge an. Derzeit wartet er mit seiner Anwältin auf einen Termin bei der Ausländerbehörde und die deutsche Staatsbürgerschaft.
„Ich stehe vor einem entscheidenden Schritt in meiner Karriere", sagt der Sportgymnasiast, der für sein Heimatland an mehreren Welt- und Europameisterschaften teilgenommen hat und mit der SSG-Staffel deutscher Meister ist. Sein Traum lautet Profisportler. Für dieses Ziel möchte er seine psychischen Probleme im Wasser mit Hilfe eines Mentaltrainers in den Griff bekommen. Ob er in Deutschland bleibt, ist allerdings offen. Ein Stipendium in den USA, wo er auf einem Collage trainieren könnte, steht im Raum. „Serghei muss sich für den besten Weg entscheiden", sagt Eva Herbst, die ihn gern in ihrer Obhut behalten würde. Denn: „Ein solches Talent gibt man nur ungern aus der Hand."
Daniel KaiserLVZ2011-10-11