05.07.2011 – Masters-Erfolge, Absage am Sund

Masters-Erfolge, Absage am SundPech hatten am Wochenende rund 40 Leipziger Freiwasser-Schwimmer, die sich akribisch auf das Sundschwimmen zwischen der Insel Rügen und der Hansestadt Stralsund vorbereitet hatten. Denn erstmals in der 47-jährigen Geschichte wurde die Traditionsveranstaltung wegen Winböen bis Stärke 8 kurz vor dem Start abgesagt. Zuvor war der Kurs von 2,3 km bereits an den Strand verlegt und auf 1,9 km verkürzt worden. Zu den Favoriten, die enttäuscht die Heimreise antreten mussten, zählte Toni Franz (SC DHfK), der nach seinem Karriere-Ende und abgeschlossenen Medizin-Studium nun unter die Freizeitsportler gegangen ist.

Dagegen freuten sich die Masters-Schwimmer der Messestadt über kuschelig warme Bedingungen bei den deutschen Kurzstrecken-Meisterschaften auf der 50-m-Bahn in Hannover. Wie gewohnt bestimmten die Leipziger von der Altersklasse 20 bis zu den 80-Jährigen das nationale Niveau mit. Nach drei Wettkampftagen kamen sie auf neun Gold, zehn Silber- und elf Bronzemedaillen. Sechs der neun Titel wurden von den Staffeln errungen: Hier waren die Post-Schwimmer ebenso wie die Leutzscher dreifach siegreich.

Zwei Einzel-Goldmedaillen sicherte sich einmal mehr Jürgen Zimmermann vom VfK Blau-Weiß. Der Brust-Spezialist – er ist zugleich amtierender Welt- und Europameister der AK 70 – blieb über 100 m in 1:29,95 min unter der 1:30-Marke. Über 50 m schlug er nach 38,82 s an. Die 100 m Schmetterling der AK 25 entschied Tanja Starke (Post) in 1:08,00 min für sich.Frank SchoberLVZ2011-07-05

Ein Mädchen schwimmt seinen Weg – Olympia-Hoffnung Juliane Reinhold im MDR-FernsehenEin Mädchen aus Mitteldeutschland will 2012 bei den Olympischen Spielen dabei sein. Schwimmerin Juliane Reinhold, geboren in Jena, lebt und trainiert in Leipzig, wirft all ihr Talent und ihren Fleiß in die Waagschale, um es nach London zu schaffen. Dabei wird die 17-Jährige von vielen Seiten unterstützt, auch im LVZ-Projekt 12-4-12. Der MDR bringt die ehrgeizige Athletin in seiner Sendung „Jule am Start" dem Fernsehpublikum näher (4. bis 7. Juli und am 9. Juli jeweils 19.50 Uhr).

Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind dabei, wenn die junge Sportlerin bei wichtigen Wettbewerben als Erste anschlägt oder Niederlagen verkraften muss, wenn sie trotz Trainingsstress versucht, wie ein „normaler" Teenager zu leben. Die Bilder zeigen, wie der Leistungssport den Alltag diktiert, wie ihre Mutter vor Aufregung ausflippt, und der Vater ihr beruhigend in der Halle zulächelt. Der Traum von Olympia wird greifbar.

Die SSG-Athletin schwimmt Freistil und Lagen, schneller als Franziska van Almsick im gleichen Alter, technisch unschlagbar und überdurchschnittlich erfolgreich. Momentan bereitet sie sich intensiv auf die Sachsenmeisterschaften vor, die ab 8. Juli in der heimischen Uni-Schwimmhalle stattfinden. Bekanntlich musste Juliane Reinhold bei den deutschen Titelkämpfen Anfang Juni wegen einer Angina passen.

Der Weg zum Olymp ist steinig und unberechenbar. Die Fernsehbilder zeigen, wie Jule ohne ihren vertrauten Trainer zum internationalen Wettkampf antreten muss und sie als Letzte ins Ziel kommt. Krankheitsbedingt folgen drei Wochen Pause. Da steht plötzlich eine Dopingkontrolle in der Wohnungstür. Beeinflussen die Medikamente das Ergebnis? Direkt vor der deutschen Meisterschaft reist Jule nach Tschechien zu einem geheimen Wettkampf, um ihre Leistungsfähigkeit und ihr Nervenkostüm zu testen, keine ihrer Konkurrentinnen soll vorher wissen, welche Zeiten sie wirklich bringt. Dann wird durch den DSV das wichtige Trainingslager auf Teneriffa gestrichen, sie sucht verzweifelt nach Sponsoren für diese Reise, schließlich fährt sie auf eigene Faust mit dem Coach auf die Insel. Aber die Kamera ist auch bei den erfreulichen Überraschungen dabei, zum Beispiel, wenn Juliane ganz unerwartet bei der deutschen Kurzbahn-Meisterschaft eine Medaille holt.

Die Fernsehleute, die sie ein halbes Jahr auf Schritt und Tritt begleitet haben, kennt die Hauptperson schon lange. 1998 war ihre Familie zu Gast in der MDR-Show „Alles Gute zum Muttertag". Familie Reinhold, das sind Mutter, Vater und zwölf Kinder. In der Show schloss das Publikum die vierjährige Jule sofort ins Herz. Sie wurde zum „Star" des Abends, aber niemand konnte seinerzeit ahnen, dass die freche Kleine aus der sympathischen Großfamilie einmal eine deutsche Olympia-Hoffnung werden würde.

Der Weg von Juliane Reinhold läuft bis zum Ende der 4. Klasse geradeaus: Schule, Schwimmhalle, Hausaufgaben, Medaillen Dann wird Jena zu klein für das Talent und der Umzug nach Leipzig für die Familie unvermeidlich. Die Reinholds organisieren sich neu: Jules erwachsene Geschwister bleiben in Thüringen oder ziehen nach Süddeutschland, der älteste Bruder wandert aus in die Schweiz, viele gründen eigene Familien und unterstützen das Schwesterherz von nun an aus der Ferne: hier mal ein Badeanzug, eine neue Schwimmbrille, ein kleiner Zuschuss zum Trainingslager Schwimmen ist ein teurer Sport auf den zweiten Blick, unmöglich finanzierbar für Rentner Hannes und Hausfrau Uta.

Zwar leben von ihren zwölf Kindern jetzt nur noch zwei im Haushalt, doch Jule zählt für drei; ihre Spezialnahrung, Aufbaupräparate und Sonderwünsche nagen am Kontostand. Das bedeutet für die Eltern: rechnen, streichen, entsagen Bestimmte Dinge aber müssen sein: wenn Jule im Berliner Velodrom deutsche Meisterin ihrer Altersklasse wird, sind Reinholds ein Fanblock für sich – mit Rasseln, Tröten, Schreien bis zur Heiserkeit – wozu hat man denn elf Geschwister, denkt Jule in solchen Momenten.th/keföLVZ2011-07-02

Medaillenempfang für Leipziger Schwimmer mit Sport-BürgermeisterAuf ihre immerhin 18 Medaillengewinner bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften – von den 12-jährigen Mehrkampf-Talenten bis zum 33-jährigen Methusalem Stefan Herbst – können die Leipziger Schwimmer zu Recht stolz sein. Deshalb luden die Startgemeinschaft SSG und der Förderverein Vesch die besten Wasserratten traditionell zum Medaillenempfang im Leipziger Ärztehaus Johannisplatz über den Dächern der Stadt ein, bei dem auch Sport-Bürgermeister Heiko Rosenthal, Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes und Landesverbands-Präsident Dr. Wolfram Sperling gratulierten. Da die Leistungsträger Juliane Reinhold und Serghei Golban in Berlin aus gesundheitlichen Gründen passen mussten, verfehlten die SSG-Schwimmer ein noch grandioseres Gesamt-Ergebnis.

Der Medaillenempfang war ein angenehmer Abend, was neben dem Traumwetter auch an der launigen Moderation von Leipzigs Kult-Sprecher Roman Knoblauch und an der Laudatio von Frau Prof. Dr. Maren Witt von der Universität Leipzig lag. Die Vizepräsidentin des Landesverbandes lockerte ihre Rede mit amüsanten Videoaufnahmen aus den 50-er und 60-er Jahren auf, die das damalige Trockentraining der Delfin- und Brustbewegung zeigten.

Eines wurmt die Leipziger Schwimmer indes sehr: Dass keine von ihnen die megaharten DSV-Normen für die WM in Shanghai geknackt hat. Doch Stefan Herbst fliegt immerhin zur Militär-WM nach Rio, Tobias Horn und Serghei Golban (für Moldawien) starten bei der Junioren-EM in Belgrad. Und wenn die lädierte Schulter hält, fliegt Serghei sogar noch zur WM. Besonders herzlich verabschiedeten die Schwimmer den DHfK-Kunstspringer Stephan Feck nach Shanghai. Dieser musste wenige Tage vor der Abreise nach China eine Hiobsbotschaft verkraften: Sein Trainer Uwe Fischer fliegt auf ärztliches Anraten nicht mit nach Fernost, da er sich im Mai die Achillessehne angerissen hat und seine Reha-Maßnahmen daheim fortsetzen muss. Wer „Fecki“ kennt, der weiß: Jetzt ist er nochmal so motiviert, mit einer Medaille heimzukehren.Frank SchoberLVZ2011-06-30

Dreimal Edelmetall – Leipziger Schwimmer fischen Medaillen aus der OstseeBei den deutschen Langstreckenmeisterschaften der Schwimmer im Rostocker Stadthafen gab es drei Medaillen für die Leipziger Starter. Gold aus der 18 Grad kalten Ostsee fischte Uwe Bodusch über die 2,5-km-Distanz der Altersklasse 30. Der Vereins-Chef der Post-Schwimmer hatte tags zuvor schon die 5 km als Dritter beendet, doch das Kampfgericht stufte den Schwimmanzug des 32-Jährigen als nicht regelkonform ein und disqualifizierte den Sachsen.

In der AK 20 war sein Vereinskollege Martin Kühn über 2,5 km vier Sekunden langsamer – dies reichte zu Bronze. Auch in der Jugend holte ein Post-Schwimmer Bronze: Der für die SSG startende Leistungssportler Tommi Wolst war zwei Minuten schneller als sein Vereins-Chef (32:46 Minuten über 2,5 km) und wurde Dritter des Jahrganges 1996. Wolst hatte bereits bei den deutschen Beckenmeisterschaften vor drei Wochen in Berlin eine Medaille errungen.

Ein starkes 5-km-Rennen schwamm in Rostock auch Daniel Weiß (SSG). Der 17-Jährige wurde beim Ausscheid für die Junioren-EM Elfter und verpasste in starken 58:52 Minuten als Sechster seines Jahrganges nur um neun Sekunden das Podest.Frank SchoberLVZ2011-06-27

Jubel über das Belgrad-Ticket – In der Jugend überzeugen die SSG-Schwimmer Tobias Horn und Philipp Sikatzki in BerlinEbenso hart umkämpft wie die WM-Tickets nach Shanghai waren bei der Schwimm-DM in Berlin die Fahrkarten zur Junioren-EM nach Belgrad. Am letzten Tag konnte Tobias Horn (SSG Leipzig) jubeln. Über 200 m Freistil qualifizierte sich der 18-Jährige als Zweiter fürs Einzel- und Staffelrennen. Knapp am JEM-Ticket vorbei schrammte Teamkollege Philipp Sikatzki. Der zweifache Jahrgangsmeister musste zwei älteren Rückenschwimmern den Vortritt lassen und greift 2012 neu an.

Tobias Horn bewies Nervenstärke. „Bestzeit und Norm, besser geht es nicht“, sagte der Sportschüler erleichtert, als er nach 1:52,37 min als Erster anschlug. Er musste das Junioren-Finale gewinnen, denn der härteste Kontrahent folgte einen Lauf später im B-Finale. Und Tobias nutzte seine letzte Chance nach sechs harten Meisterschafts-Tagen, an denen er sich auch in beide SSG-Männerstaffeln voll reinkniete und dabei Silber sowie Rang vier holte.

Es ist die zweite JEM-Teilnahme nach seinem Auftritt in Helsinki vor einem Jahr. Über 400 m Freistil wurde er ein wenig Opfer des undurchsichtigen Modus. Zwar holte er hier als A-Finalist Gold im Jahrgang. Doch im Kampf um den JEM-Start hatte er es auf der Außenbahn schwer und musste zwei Schnellere des Junioren-Laufes noch vorbeiziehen lassen. „Da ist Tobi im Finale etwas zu schnell angegangen. Aber es ist auch schwer, im A-Lauf neben dem schnellen Feld sein Tempo zu finden“, sagte Trainerin Eva Herbst.

Neben dem Kraulspezialisten ragte der vielseitige Philipp Sikatzki heraus. Der Sportgymnasiast versuchte sein Glück auch in Lagen und Schmetterling. Doch über 50 und 100 m Rücken schlug in Berlin seine Stunde, holte er souverän Doppel-Gold. Über 50 m stand er mit 17 Jahren sogar erstmals neben Stefan Herbst im A-Endlauf der Männer, was ihn sichtlich mit Stolz erfüllte. In 26,66 s erfüllte er die JEM-Norm und wurde Achter der Männer. Doch der Startplatz für Belgrad ging um zwölf Hundertstel vor seiner Nase weg. Über 100 m Rücken schwamm er in 57,55 s um fünf Hundertstel an der Richtzeit vorbei. „Da fehlt es bei mir noch an den letzten zehn Metern“, gab der Schützling von Oliver Trieb zu.

Im Nachwuchs gab es für die SSG sechs Gold-, drei Silber- und fünf Bronzemedaillen. Das Fehlen von Juliane Reinhold (Angina) und Serghei Golban (Schulterverletzung) konnte von den jüngeren Jahrgängen nicht kompensiert werden. Eine positive Entwicklung in Richtung 2016 und 2020 wird immer schwieriger, da die Schwimmer wegen der drastischen Mittelkürzungen seit 2009 durch Bund, Land und Stadt ab Sommer mit einem hauptamtlichen Coach weniger auskommen müssen. Jirka Letzin, der in Berlin mit Marius Schäffner und Tommi Wolst zwei Medaillengewinner stellte, orientiert sich beruflich neu, seine Stelle wird nicht neu besetzt. Damit gibt es in Leipzig nur noch vier hauptamtliche Trainer für alle Stützpunktgruppen ab Altersklasse 11. Zum Vergleich: Bis 1990 hatte der SC DHfK 24 Schwimmtrainer. Das sagt vielleicht schon alles.Frank SchoberLVZ2011-06-07

„Man bekommt nichts geschenkt“ – Sieben Medaillen für SSG-Schwimmer bei der DM in BerlinFünf Mal Silber und zwei Mal Bronze errangen die Leipziger SSG-Schwimmer bei den deutschen Meisterschaften in Berlin. Am knappsten verpasste USA-Student Hannes Heyl eine Normzeit für die Welttitelkämpfe in Shanghai. Das Ticket zur Junioren-EM in Belgrad sicherte sich Kraulspezialist Tobias Horn. Dennoch hielten sich Freude und Ärger die Waage.

Im allerletzten Finale gestern um 16.35 Uhr wollte Hannes Heyl nach Silber über 50 Meter Schmetterling noch eins draufsetzen. Er gehörte über 100 Meter lange zum Spitzentrio, doch die Sensation gelang dem 24-Jährigen nicht ganz. Auf den letzten Metern wurden die Arme schwer, am Ende fehlten neun Hundertstel zu Bronze.

Auch Altmeister Stefan Herbst ist an seine Grenzen gestoßen. Der 33-jährige SSG-Chef-Schwimmer führte zwar die Lagenstaffel zu Silber, schaffte aber in den Einzelstrecken nur die Plätze drei, vier und zehn und verpasste das WM-Ticket für die 4×100-m-Freistilstaffel um eine Sekunde.

Über 100 m Rücken war er nach 80 Metern am Ende seiner Kräfte. Zwar wiederholte er in etwa seine Zeiten des Vorjahres. Doch das Niveau ist ein Jahr vor London deutlich angezogen, die ohnehin schon schwere vierte Olympiateilnahme ist für den Sportsoldaten momentan scheinbar unerreichbar. „So ist der Leistungssport, man bekommt nichts geschenkt“, sagte Herbst. Seit zwei Monaten trainiert er nach einem Sprint-Konzept. Dieses komme nun noch einmal auf den Prüfstand.

Zwei Silbermedaillen, und doch Tränen der Enttäuschung: So stellte sich gestern die Situation für Lisa Graf dar. Die Sportgymnasiastin schlug über 100 und 200 m Rücken jeweils deutlich als Zweite an, verpasste aber jeweils auch klar ihre Bestzeiten: „Es ist krass, dass man mit durchschnittlichen Zeiten in Deutschland Zweiter wird. Für mich ist traurig, dass ich hier langsamer geschwommen bin als im März. Irgendwas ist schiefgelaufen in der Vorbereitung – nur was?“, fragte sich die 18-Jährige, die am Sonnabend extra die Lagenstaffel weggelassen hatte, um tags darauf im Einzel zu glänzen. Doch auf ihrer Spezialstrecke 100 m Rücken fehlten zwei Sekunden zu Gold und damit zum Sprung in die WM-Lagenstaffel.

Freude pur dagegen herrschte bei Tony Wiegmann: Der 20 Jahre alte Spätstarter war im Vorjahr nach seiner ersten Jahrgangs-Medaille überwältigt, diese glänzte sogar golden. Und nun steigerte sich der 200-m-Brust-Spezialist erneut um sagenhafte drei Sekunden und errang sogar Silber bei den Männern. Zunächst freute er sich innerlich: „Aber heute Abend flippe ich aus. Ich bin total happy, bin froh, dass ich die Bestzeit aus dem Vorlauf bestätigen konnte.“ Denn die Schwimmwoche in Berlin kostete Kraft, zumal der Schwimmmeister der Sportbäder GmbH als Amateur wesentlich weniger trainiert als die Sportsoldaten, Studenten und Sportschüler.

„Nach dem Vorlauf war ich völlig sprachlos, konnte weder lachen noch weinen vor Glück.“ Vor dem Finale hatte er ein wenig Angst, dass nicht nur die Kraft fehlt, sondern auch die Renneinteilung schiefgeht. „Ich habe heut früh noch eine SMS von meinem Mental-Coach bekommen. Er meinte, ich soll mich in den Arm kneifen und alle Negativ-Gedanken beiseite schieben.“ Mit seiner roten Signal-Badekappe stellte er aber alle Signale auf Silber. Nun würde er gern in den kommenden Monaten professioneller trainieren, Gespräche mit dem Arbeitgeber stehen an.

Männer-Lagenstaffel, Silber: Stefan Herbst, Michel Ullrich, Hannes Heyl, Tobias Horn. Junioren-Medaillen, Gold: Philipp Sikatzki (100 R), Silber: Tobias Horn (200 F), Marius Schäffner (100 R), Bronze: Marie Pietruschka (200 B)Frank SchoberLVZ2011-06-06

Ein Zehntel fehlt zum großen Coup – Schmetterling Hannes Heyl überrascht mit Silber – auch die Staffel / Bronze für Stefan HerbstSilber für USA-Rückkehrer Hannes Heyl über 50 m Schmetterling sowie Bronze für Stefan Herbst über 50 m Rücken und die 4×100-m-Freistilstaffel der Damen (Carolin Sperling, Anna-Marie Macht, Saskia Donat, Stefanie Meyer): Dies war die Ausbeute der Leipziger SSG-Schwimmer am ersten großen Finaltag der deutschen Meisterschaften in Berlin.

Insgeheim hatte sich Heyl sogar den ganz großen Coup vorgenommen – Kurzbahn-Weltrekordler Steffen Deibler zu schlagen. Doch der Hamburger war mit seinem Blitzstart zu weit enteilt, am Ende fehlte dem Sachsen in starken 23,57 s eine Zehntel zu Gold und zwei Zehntel zur WM-Norm. „Wir waren zu schnell für die Anzeigetafel“, lautete Heyls erster Kommentar, diese blieb nach den 50 m Schmetterling zunächst schwarz. Doch auch optisch war der leichte Vorteil Deiblers zu erkennen.

Seit vier Jahren studiert und trainiert Heyl in Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana, sein Auftritt in Berlin überrascht viele. Die SSG Leipzig musste um seinen Start kämpfen. Denn sein Name stand in keiner DSV-Bestenliste. Es mussten Protokolle aus den USA eingereicht werden, wo viele Wettkämpfe aber auf Yard- und nur die wenigsten auf 50-m-Bahnen stattfinden. Mal flog er raus aus der Startliste, mal stand er wieder drin. Der Kampf hat sich gelohnt, heute wird der ehemalige Lok-Mitte-Mann auch die SSG-Lagenstaffel bereichern.

Es sind in den vergangenen Jahren schon einige Leipziger Schwimmer in die USA gezogen, um neben dem Studium den Sport zu perfektionieren. Hannes Heyl ist der erste, der zu deutschen Meisterschaften in Top-Form zurückkommt. Rein äußerlich ist er fast der alte. Acht Kilo habe er zugenommen, „alles Muskelmasse“ fügt er schmunzelnd hinzu. Es sei eine Frage der Disziplin, am Buffet in der Mensa die Cheeseburger links liegen zu lassen: „Es gibt auch gesunde Sachen, man muss sie nur finden.“ Bei 1,83 Meter Körpergröße wiegt der Sachse nun 86 Kilo. „Die sieht man mir aber nicht an.“ Er ist halt ein Sprintertyp, für einen Schwimmer eher klein.

Er lobt die Bedingungen in den USA, will aber nicht sagen, dort sei alles besser. „Es hat sich auch in Leipzig einiges getan, seit ich weg bin“, sagt der 24-Jährige. Beispielsweise, dass die Stützpunkttrainer Eva Herbst und Oliver Trieb von Fitness-Coach Hagen Pietrek unterstützt werden, dessen Finanzierung aber immer wieder ein Kraftakt darstellt.

Schwimmen, stellt „Heyler“ klar, sei auch an seiner Uni eine Randsportart. „Man kennt mich auf dem Campus, aber richtig interessiert ist nur ein begrenzter Kreis. Das starke Football-Team der Uni sei in aller Munde, es bringt einen Umsatz von jährlich 50 Millionen Dollar: „Dabei fallen auch Gelder für fünf Schwimm-Trainer, unsere Flüge quer durchs Land und die Hotelübernachtungen mit ab.“ Unter den Schwimmern in Baton Rouge ist er dennoch eine Legende: Im März schwamm er bei den US-College-Meisterschaften über 100 Yard Schmetterling als Siebter einen Uni-Rekord. Als Finalist darf er sich ein „All American“ nennen. Das habe seit 30 Jahren kein Louisiana-Schwimmer geschafft.

In den USA schlug er gleich im ersten Jahr gut ein, stagnierte dann 24 Monate, um in dieser Saison einen gewaltigen Sprung zu machen. Seine vier Jahre Studium des Finanzsystems gehen nun zu Ende, das Stipendium läuft aus, das Training müsste er aus eigener Tasche bezahlen. Also beendet er die Karriere? „Mit dem Gedanken habe ich mich schon vertraut gemacht. Aber wenn ich die WM schaffe, hänge ich noch ein Jahr dran.“ Doch Shanghai ist aufgrund der Hammer-Normen weit weg. „Ich verstehe die Normen nicht“, sagt er. Da ist er in Berlin nicht der einzige.

Jahrgangsmedaillen, Gold: Tobias Horn (400 F), Philipp Sikatzki (50 R), Bronze: Tommi Wolst (200 L).Frank SchoberLVZ2011-06-04

SSG-Schwimmen 14 Mal im FinaleAnfang der Woche machte Eva Herbst noch einen skeptischen Eindruck. Doch im Laufe der drei Vorlauftage bei den deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin hellten sich die Gesichtszüge der Leipziger Trainerin auf. „So viele Endlaufteilnehmer hatten wir lange nicht“, sagte die 59-Jährige. In Zahlen: 14 Mal greifen die SSG-Schwimmer ab heute an den drei Finaltagen nach Edelmetall, hinzu kommen vier Staffeln.

Je drei Mal sind Lisa Graf, Tony Wiegmann und Stefan Herbst in den Finals vertreten, wobei für Herbst mit Platz Neun im Freistil-Vorlauf der Sprung ins Staffel-Quartett in weite Ferne gerückt ist. Die 18 Jahre alte Sportgymnasiastin Lisa Graf räumte in den Vorläufen über 50, 100 und 200 m Rücken nebenbei drei Junioren-Titel ab. Wie erwartet sind die Zeiten der Leipziger noch ein ganzes Stück von der WM-Norm entfernt. Doch über 100 m Rücken mischt Lisa Graf im Kampf um den Platz in der DSV-Lagenstaffel ordentlich mit. Im Vorlauf war sie Dritte, die bislang Schnellste Silke Lippok hat ihr Rücken-Finale wegen der Kollision mit den 200 m Freistil abgemeldet.

Eine sehr gute Ausgangsposition im Kampf um das JEM-Ticket besitzt Tobias Horn, der über 400 m Freistil als einziger Junior im Männer-Finale steht und bereits die Norm für Belgrad unterboten hat. Nach fünf der acht Bahnen lag er sogar vor Paul Biedermann. Bei den Junioren steht derzeit sieben Mal Edelmetall für die SSG zu Buche. Insgesamt werden die Leipziger nicht an ihre Rekord-Medaillenzahl von 2010 herankommen. Zum einen sind die Messestädter in den jüngeren Jahrgängen nicht stark genug. Und nach Juliane Reinhold musste auch Sprintspezialist Serghei Golban die Segel streichen. „Er hat es in den Vorläufen drei Mal versucht“, so Eva Herbst: „Aber seine Schulterschmerzen sind zu schlimm geworden. Das ist auch schade für die Staffeln.“

Hier gibt es mit Hannes Heyl jedoch im Vergleich zum Vorjahr eine wichtige Verstärkung. Der 24-Jährige ist zudem im Einzel aussichtsreich im Rennen, denn am heutigen Tag der Sprinter geht der in den USA studierende Schmetterlings-Spezialist als Vorlauf-Zweiter ins Finale.

Junioren-Medaillen, 100 R: 2. Karl-Richard Hennebach, 50/100 R: 3. Stefanie Meyer.Frank SchoberLVZ2011-06-03

Shanghai liegt im fernen „Utopien“ – Der fünfmalige WM-Teilnehmer Stefan Herbst glaubt, dass nur acht DSV-Asse die Kracher-Norm erfüllenWie kommt man am besten nach Shanghai? Nichts einfacher als das, allein die Lufthansa fliegt die Riesen-Metropole im Fernen Osten mehrmals täglich von Frankfurt und München aus an. Doch die Schwimmer der deutschen Nationalmannschaft haben’s schwer, einen dieser Flieger zu erwischen. Seit gestern laufen die deutschen Meisterschaften in Berlin. Und glaubt man allen Wetten und Umfragen, werden nicht einmal zwei Handvoll DSV-Asse die Kracher-Normen für die Welttitelkämpfe Ende Juli in China erfüllen. Allein durch einige Staffel-Auffüller könnte es vielleicht noch ein rund 20-köpfiges Team für die Beckenwettbewerbe werden.

So ist es auch kein Wunder, dass Stefan Herbst von der SSG Leipzig einen WM-Start nicht als sein Nahziel für die deutschen Meisterschaften nennt. „Dazu bin ich viel zu sehr Realist. Vielleicht klappt es über 50 und 100 m Rücken mit einer Medaille. Vielleicht sind wir auch in den Staffeln vorn dabei. Aber die Einzel-Strecken haben für alle Priorität“, sagte der fünfmalige WM-Teilnehmer auf der Langbahn, der 2003 in Barcelona Edelmetall mit der langen Kraulstaffel errang. Doch genau diese 200 m Freistil, in der Deutschland dank Paul Biedermann im Weltmaßstab eine Mini-Chance besitzt, lässt Herbst erstmals seit 1992 bei nationalen Titelkämpfen weg: „Die Konkurrenz ist mittlerweile extrem groß. Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich maximal noch einmal an meine Bestzeit herankomme. Doch für Olympia würde dies nicht reichen.“ Daher setzt der 33-Jährige seit acht Wochen verstärkt auf die Sprintstrecken 50 und 100 Meter. Außerdem ist der DM-Zeitplan nicht auf den Leipziger zugeschnitten. Die Finals über 100 m Rücken und 200 m Freistil der Männer folgen unmittelbar nacheinander.

Obwohl Herbst im Vorfeld nach eigener Aussage genug mit sich zu tun hatte, wagt der Leipziger Vorzeige-Schwimmer doch eine Prognose fürs WM-Team: „Ich denke, drei Frauen und fünf Männer schaffen die Norm. Wir haben definitiv auf allen Strecken die härtesten Pflichtzeiten der Welt.“ Er erlebte noch Zeiten, als zu Olympia nach Athen und Sydney je 35 und selbst nach Peking noch 26 DSV-Schwimmer aufbrachen, dort aber oft ein Waterloo erlebten. Im Internet kursieren Vergleiche, wie viele Athleten anderer Nationen die DSV-Normen für Shanghai bei ihren Qualifikations-Wettkämpfen im Frühjahr erfüllten: Spanien und Italien hätten nur je zwei Schwimmer am Start, Brasilien vier, Russland und Holland je sechs, Großbritannien acht.

Die Leipziger backen erstmal kleinere Brötchen, gestern gab es die erste Junioren-Medaille für die SSG (Bronze für Carolin Sperling über 200 m Lagen). Tony Wiegmann zog als Fünfter ins A-Finale über 100 m Brust ein. Insgesamt wird es für die SSG eine sehr schwere DM-Woche, was neben den utopischen WM-Pflichtzeiten auch an der krankheitsbedingten Absage von Juliane Reinhold liegt. Zwei Tickets für die Junioren-EM im DSV-Team (neben dem Moldawier Serghei Golban) wären durchaus ein Erfolg. Rückenschwimmerin Lisa Graf war zuletzt stets ein Medaillen-Garant – auch sie wird sich wie alle an den Shanghai-Normen die Zähne ausbeißen.Frank SchoberLVZ2011-06-01

Letzter Test vor DM in BerlinHeute in einer Woche beginnen in Berlin die 123. deutschen Schwimm-Meisterschaften, die von den Erwachsenen bis zur Jugend die einzige Qualifikation für die internationalen Saison-Höhepunkte darstellen. Einige Leipziger SSG-Schwimmer unterzogen sich am Wochenende einem letzten Wettkampftest im tschechischen Chomutov. „Ein sehr guter Wettkampf, der endlich mal nicht so lange ging wie oft in Deutschland", sagte Trainer Oliver Trieb, der vor allem mit Philipp Sikatzki zufrieden war. Der 17-Jährige überzeugte als Sieger über 200 m Lagen (2:09,80 min) sowie 100 m Rücken (58,27). Bruder Robert blieb über 200 m Freistil unter der Zwei-Minuten-Marke. Zudem ließen die Auftritte von Juliane Reinhold und Karl-Richard Hennebach für Berlin hoffen.

Mit Saskia Donat gehörte eine DM-Schwimmerin der SSG zum Team der Uni Leipzig, das bei den deutschen Hochschulmeisterschaften in Heidelberg Platz zwei in der Teamwertung hinter der Uni Würzburg und vor München belegte. Die Leipziger gewannen vier der fünf Mixed-Staffeln. Saskia Donat, Katrin Altmann und Alexander Helmeke holten jeweils Silber in den Sprint-Finals, Ulrike Szesni Bronze. Für Aufsehen sorgte Finswimming-Weltmeister Sven Lützkendorf, der über 200 m Lagen in 2:13,90 Minuten Bronze holte – eine solche Zeit hatte ihm kaum jemand in der Halle zugetraut. Zudem zog er die Blicke wegen seiner „Tauch-Maske" auf sich, bei der Nase und Augen vom Chlorwasser geschützt sind.Frank SchoberLVZ2011-05-28