08.02.2011 – Viele Fragezeichen
Viele FragezeichenEinige SSG-Schwimmer vor Bundesliga angeschlagen
Bis zu den deutschen Meisterschaften haben die Leipziger SSG-Schwimmer noch vier Monate Zeit. Doch sie wollen schon jetzt zu Beginn der Langbahn-Saison das eine oder andere Achtungszeichen setzen. Lisa Graf, Juliane Reinhold und Stefan Herbst ist dies am Wochenende beim Länderkampf-Sieg in Essen gegen Großbritannien teilweise schon gelungen. Mitte und Ende Februar geht es nun nach Hannover und Dortmund, wo sich das Frauen- und Männer-Team der SSG der Herausforderung erste Bundesliga stellt.
Und dieser Auftritt ist noch mit vielen Fragezeichen behaftet. Junioren-Europameisterin Juliane Reinhold kehrte krank aus Essen zurück, muss seit gestern das Bett hüten. Schwimmer sind im Winter ohnehin erkältungsgefährdet. „In Essen waren auch einige angeschlagene Athleten am Start. Da war die Ansteckungsgefahr groß", sagte Trainer Oliver Trieb, der mit einem Teil seiner Athleten einen 70 km Langlauf in Hammerbrücke absolvierte. Vor Wochenfrist war der deutsche Jugendmeister Philipp Sikatzki nach einem Wettkampf in Luxemburg krank geworden. Auch der deutsche Staffel-Meister Serghei Golban fällt seit Sonntag aus, Teamkollege Karl-Richard Hennebach gar schon seit sechs Wochen.
Also hofft Trainerin Eva Herbst für Hannover auf ein kleines Wunder. Im Gegensatz zu früheren Jahren werden die Vorkampf-Punkte im Finale übernommen, es kommt schon am Samstag auf jeden Start an. Beim Löwenpokal in der Uni-Halle zeigten einige ihrer Schützlinge nach zweiwöchigem Trainingslager ansteigende Form. Vielleicht kann zudem der Teamgeist Berge versetzen.LVZ2011-02-08
Deutsche Rekorde bei Schwimm-LänderkampfDie Leipziger SSG-Schwimmer Lisa Graf, Juliane Reinhold und Stefan Herbst hatten einigen Anteil am klaren Länderkampf-Erfolg der DSV-Auswahl in Essen gegen Großbritannien. Lisa Graf und Stefan Herbst erzielten dabei sogar jeweils einen deutschen Rekord mit den 4×50-m-Staffeln. Die 18-jährige Graf durfte gestern das Lagen-Quartett anschwimmen, weil sie am Sonnabend überraschend in 29,3 s die 50 m Rücken für sich entschieden hatte. „Leider war ich dabei nur außer Wertung eingesetzt. Aber es lief sehr gut, nicht nur ich war erstaunt." Innerhalb der Wertung kam sie über 100 m Rücken auf Platz drei. Der 32-jährige Herbst steuerte über 50 m Schmetterling in 24,9 s einen zweiten Platz bei. Nach recht schwachen Trainingszeiten konnte sich der Altmeister im Wettkampf wie gewohnt steigern. „Im Trainingslager auf den Kanaren habe ich quantitativ gut trainiert, aber mit der Qualität war ich nicht zufrieden", so der Kurzbahn-Europameister. Die deutsche Meisterin Juliane Reinhold war vor allem mit ihrem vierten Platz über 400 m Lagen (4:54) recht zufrieden. Am Ende triumphierte die deutsche Mannschaft in Abwesenheit von Britta Steffen und Paul Biedermann mit 240:195 Punkten.LVZ2011-02-07
Drei SSG-Schwimmer beim LänderkampfVor einer Woche kehrte er vom vierwöchigen Trainingslager auf Teneriffa und Lanzarote zurück, wurde tags darauf erstmals Sportler des Jahres in Leipzig. An diesem Wochenende steht Stefan Herbst vor der ersten Wettkampf-Bewährungsprobe des WM-Jahres 2011. Der 32-Jährige startet in Essen beim Schwimm-Länderkampf gegen Großbritannien. Nach der Absage von Weltmeister Paul Biedermann soll Herbst für den DSV auf fünf Strecken Punkte einheimsen, darunter sind drei Staffeln. Ihren ersten DSV-Einsatz bei den Erwachsenen hat Lisa Graf, die ebenfalls den kompletten Januar auf den Kanaren trainierte und in Essen die drei Rücken-Distanzen absolviert. Als dritte Leipzigerin ist die deutsche Meisterin Juliane Reinhold (alle SSG) über 200 und 400 m Lagen gemeldet.LVZ2011-02-05
Totgesagte schwimmen längerLVZ-Sportlerumfrage 2010: Stefan Herbst erstmals und die Titelverteidiger Tina Dietze sowie HCL wieder vorn
Der Spätherbst seiner Karriere ist ein goldener Herbst: Seit 13 Jahren schwimmt Stefan Herbst fast jährlich bei Welt- und Europameisterschaften sowie bislang drei Olympischen Spielen. Nie zuvor schaffte es der 32-Jährige vom SSV Leutzsch bei der Sportlerumfrage aufs Treppchen. Doch am Sonnabend wurde er beim Ball des Sports in der Glashalle der Neuen Messe von Chefredakteur Bernd Hilder mit dem Goldenen Bleistift der LVZ geehrt. Die beiden anderen Kategorien gewannen die Titelverteidiger: Rennkanutin Tina Dietze (SG LVB) sowie die Handballerinnen. 4500 Leser hatten sich an der Wahl beteiligt.
Die HCL-Frauen legten eine Punktlandung hin. Nach der Bundesliga-Schlappe in Bad Langensalza und einer Verzögerung bei der Dopingkontrolle betraten sie just in dem Moment die Halle, als die drei besten Teams geehrt wurden. Dass die LVZ-Sportredaktion die Niederlage vorhergesehen und vorab in die Moderation eingearbeitet hatte, verschwieg Bernd Hilder lieber. Der herzliche Empfang der 500 Gäste baute Katja Schülke und ihre Kolleginnen wieder ein wenig auf. „Das Spiel ist schon fast abgehakt, wir schauen nach vorn", sagte die noch etwas geknickt wirkende Torfrau. Kollegin Ania Rösler blieb sogar bis ganz zum Schluss und fungierte als Tombola-Glücksfee.
Frohe Gesichter gab es bei den JCL-Judoka, die dem HCL dicht auf die Pelle rückten und für dieses Jahr den Generalangriff ankündigten. Und auch die DHfK-Handballer waren sehr gut drauf: Platz fünf bei der Umfrage fanden sie als (Noch-)Drittligist absolut okay. Dass Spitzenreiter Münden aber am Samstag verlor und die Leipziger nach Minuspunkten nun vorn liegen, sorgte für beste Laune am DHfK-Tisch.
Als bei der Männer-Ehrung die Plätze drei (Jan Benzien) und zwei (Stephan Feck) bekannt waren, akzeptierte Schwimm-Trainerin Eva Herbst innerlich schon, dass für Sohnemann Stefan mal wieder Rang vier oder fünf geblieben ist. Aber nein. Die nun folgende Laudatio stand unter dem Motto „Totgesagte schwimmen länger" und sorgte für frenetischen Jubel im Lager der vielen anwesenden Schwimmer. So viel Lob auf einmal hat der Top-Athlet und Startge- meinschaft-Vorsitzende Stefan Herbst wohl noch nie bekommen. „Wenn wir uns in 40 Jahren hier wieder treffen", sagte Bernd Hilder, „wird er sicher fürs Lebenswerk geehrt."
Herbst wirkte ebenso erfreut wie sprachlos, auch die Mutter war perplex. „Damit hatte ich nie gerechnet. Ich habe auch nichts gewusst", sagte die 59-Jährige, die mit ihrer Trainingsgruppe gerade braungebrannt aus Lanzarote heimgekehrt war. Das Umfrage-Ergebnis kannten in der Stadt nur eine Handvoll Leute, die alle dichthielten.
Zur Geheimnisträgerin wurde 48 Stunden vor dem Ball auch LVB-Kanutin Tina Dietze: Sie strahlte übers ganze Gesicht, als sie ihre Trophäe vorab beim Besuch in der LVZ in den Händen hielt. Der Grund: Am Freitag düste sie für drei Wochen ins Trainingslager nach Florida, der Goldene Bleistift war für sie ein schönes Geschenk zum 23. Geburtstag.
Was fiel sonst auf bei der 20. Auflage des Leipziger Balls des Sports? Die Video-Botschaft des abwesenden OBM kam etwas müde daher. Traditionell froren viele Damen in der eher kühlen Glashalle, und die meisten Athleten verschwanden recht schnell zum Fasching.LVZ2011-01-30
Jahresauftakt der PostschwimmerDie Weihnachts-Feier der Post-Schwimmer wurde wegen Ter-min-Not in diesem Winter zum entspannten Neujahrs-Treff umfunktioniert. Der -langjährige Vereins-Chef Jarno -Wittig hatte nicht nur symbolisch, -sondern -tatsächlich einen Staffelstab mitgebracht, den er seinem Nachfolger Uwe Bodusch überreichte. Wittig lebt jetzt in Berlin und arbeitet bei einer PR-Agentur in Potsdam. Doch der 33-Jäh-rige versprach, dem Postschwimmverein treu zu bleiben. Mit besonderem Inte-resse -verfolgt er natürlich die Ent-wicklung von Junioren-Europameisterin Juliane Reinhold, die wie ihr Trainer Oliver Trieb und ihre ehemalige Trai-nerin Anne-Katrin Neumann im Lokal „Hopfen-speicher" zu Gast war. Auch Stadtsportbund-Präsident Uwe Gasch und Sportbäder-Chef Joachim Helwing -verabschiedeten Jarno Wittig. Der neue Vereinspräsident Uwe Bodusch will 2011 bei den Feuerwehr-Weltspielen in New York selbst wieder an seine Erfolge der -vergangenen Jahre anknüpfen. Und er hofft, dass die Pechsträhne der Masters-Schwimmer endlich zu Ende ist. 2010 erwischte es mit Cathleen Saborowski (Achillessehne), Andreas Köpping (Fuß) sowie Jörg Färber und Gregor -Spengler (Schulter) gleich vier Post-Asse.LVZ2011-01-19
Sportbürgermeister Heiko Rosenthal über die gefährdeten Hallen-Neubau-Projekte am Rabet und auf der Alten Messe„Es liegt allein am Freistaat Sachsen"
Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) äußert sich im LVZ-Interview zur Sportförderung, zur Hallenproblematik und zu fehlenden Großveranstaltungen.
Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Sportjahr 2010?
Heiko Rosenthal: Ich bin sehr zufrieden. Wir konnten im letzten Jahr mehr Finanzmittel zur Verfügung stellen, haben die städtischen Förderungen um 250 000 Euro aufgestockt, in der investiven Förderung 50 000 Euro mehr ausgeben und damit die Vereine in den baulich-technischen Investitionen stärker unterstützen können. Außerdem haben wir mehr Geld für Übungsleiter und zur Förderung des Kinder- und Jugendsports bereitgestellt. Durch die Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket gelang ein Riesenschritt in der Infrastruktur.
Ist das nicht ziemlich überzogen?
Ich orientiere mich an den Vorjahren. Die Maßnahmen sind auch noch nicht abgeschlossen, ich erinnere an die Radrennbahn, an das Stadion des Friedens und an einzelne Sporthallen wie in der Raschwitzer und Lauchstädter Straße. Das Mängel-Abstellprogramm läuft ja parallel, in diesem Jahr vor allem in Grünau in der Mannheimer Straße und An der Kotsche. Insofern bin ich erst einmal zufrieden, auch wenn mir bewusst ist, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.
Wie realistisch sind Pläne des HC Leipzig noch, der auf der Alten Messe bauen will und auf Unterstützung von Stadt und Land hofft?
Leider wurde hierfür eine Förderung durch den Freistaat Sachsen verwehrt. Das ist das große Problem, auch für die Sporthalle Rabet. Vom Freistaat wird in diesem Jahr überhaupt kein Geld zur Verfügung stehen. Wir als Stadt haben uns zur Ballspielhalle bekannt. 2010 wurden drei Millionen Euro im Haushalt eingestellt. Da der HCL seinen Finanzierungsanteil offensichtlich geklärt hat, liegt es allein am Freistaat Sachsen. Wenn die Co-Finanzierung durch das Land geklärt wird, stehen wir zu unserem Wort.
Warum hat die Stadtverwaltung nicht auch für die Schwimmbäder die entsprechenden Gelder bereitgestellt?
Die fünf Millionen Euro für die Bäder 2011 stehen natürlich zur Verfügung. Dabei hat es eine bemerkenswerte Entwicklung gegeben. 2004 wurden 4,3 Millionen Euro eingestellt, 2009 wurde auf 4,65 Millionen erhöht und im vergangenen Jahr auf 5,33 Millionen. In diesem Jahr stehen definitiv 5 Millionen Euro zur Verfügung. Es wird somit eine Kürzung geben. Wir setzen aber alle Anstrengungen daran, dass es uns mindestens gelingt, die Anzahl der Schwimmhallen aufrecht zu erhalten. Die Diskussion zu den Freibädern werden wir aber führen müssen.
Heißt das, es werden Freibäder geschlossen?
Wir haben Freibäder in der Stadt, die sich rechnen und wunderbar angenommen werden. Wir haben aber auch Freibäder, bei denen ist der Zuschuss pro Kopf fast nicht mehr vertretbar. Am schwierigsten gestaltet sich die Situation in Schönefeld und Lindenthal.
Werden diese beiden Bäder im Frühjahr eröffnet?
Das kann man jetzt nicht abschließend sagen. Aber in Lindenthal haben sich die Besucherzahlen mehr als halbiert. Das hängt vor allem mit den im Norden entstandenen Seen zusammen. Im Schreberbad dagegen haben wir steigende Besucherzahlen. Im Schönefelder Bad steht eine Sanierung in Größenordnung an. Das muss man einfach berücksichtigen.
In welchen Bereichen werden die Zuwendungen zurückgehen?
Wir haben 2010 laut Sportprogramm eine Festschreibung von 20 Euro pro Kopf vorgenommen, mussten jetzt aber aufgrund der kritischen Haushaltslage eine 15-prozentige Kürzung für alle Vereine und Verbände im städtischen Haushalt vornehmen. 2010 erhielten die Sportvereine 1,55 Millionen Euro, in diesem Jahr reichen wir 1,41 Millionen aus. Das sind im Vergleich zu 2009 100 000 Euro mehr. Ich gehe davon aus, dass es 2012 keine Kürzungen geben wird.
Warum gibt es 2011 in Leipzig nur wenig international bedeutsame Sportveranstaltungen?
Wir wollen und müssen solche Großveranstaltungen einwerben. In diesem Jahr war das leider aus vielerlei Gründen nicht möglich, das Leichtathletik-Meeting aufrecht zu erhalten. Das lag aber vor allem daran, dass zwei große Sponsoren ausgefallen sind. Aber wir haben die deutschen Hallen-Meisterschaften. Ich hoffe, dass es gelingt, künftig in jedem Jahr in Wechsel das Meeting und deutsche Meisterschaft durchzuführen. Ansonsten gilt 2011 die Konzentration auf den Kanuslalom-Weltcup in Markkleeberg. Außerdem bemühen wir uns noch um einen Judo-Weltcup. Wir freuen uns sehr auf das All Star Game der Handballer und hoffen, dass es in den nächsten Jahren regelmäßig in Leipzig stattfindet.
Warum haben Sie das Weltcup-Finale im Reiten jetzt nicht genannt?
Weil es keinen unmittelbaren Zuschuss durch die Stadt gibt. Ich gebe Ihnen natürlich Recht, dass es eine ganz wichtige Sportveranstaltung ist, die sich hervorragend entwickelt hat. Wir führen derzeit sehr gute Gespräche mit der Leipziger Messe. Wir wollen die dortige Infrastruktur für Sportveranstaltungen nutzen, ohne dass wir zusätzlich immer anmieten müssen. So könnten wir zielgerichteter Veranstaltungen einwerben, für die uns bisher auch die Infrastruktur gefehlt hat oder die Arena, die wir nur viermal mietkostenfrei nutzen können.
Wollen Sie sich jetzt um Klitschko-Kämpfe bemühen?
Ganz sicher nicht, dies ist keine städtische Angelegenheit. Boxen kann jedoch durchaus ein interessantes Thema sein, genauso wie eine Turngala. Die letzte Standardtanz-Veranstaltung hat gezeigt, dass das Interesse groß ist. Aber man muss sich immer fragen, ob die Ausgaben gerechtfertigt sind. Die Veranstaltung muss natürlich Effekte haben, sportliche, ökonomische und sozioökonomische.
War die Fecht-EM in Leipzig unter diesem Gesichtspunkt gerechtfertigt?
Auf jeden Fall. Sie hat uns als Stadt große Aufmerksamkeit gebracht. Es wurde sehr guter Sport geboten und viele Hotels waren ausgelastet.
Welche Sportart hat in Leipzig die größten Fortschritte gemacht?
Ich bin sehr zufrieden mit den Kanuten und den Schwimmern. Bei den Leichtathleten hatte ich mehr erwartet, es fehlt an Spitzenleistungen und auch an Nachwuchs. Und der HCL ist natürlich ein Verein, der die Stadt seit Jahren hervorragend repräsentiert.
Das wollen die DHfK-Handballer demnächst auch.
Was mich sehr freuen würde. Auch wenn die Entwicklung der DHfK-Handballer rasant ist, muss diese nachhaltig sein. Dann ist es aus meiner Sicht gut vorstellbar, dass Handball männlich zukünftig eine Schwerpunktsportart wird. Zur Zeit sind unsere Schwerpunktsportarten Handball weiblich, Volleyball männlich, Hockey männlich und weiblich und Fußball weiblich. Fußball männlich ist rausgefallen.
Ändert sich das, wenn RB Leipzig ein großes Trainingszentrum errichtet?
Diese Investition ist großartig für Leipzig. Wir haben bis heute keinen öffentlichen Cent in die sportliche Entwicklung des Vereins und seine Nachwuchsarbeit gegeben. Durch sehr enge Abstimmung mit RB Leipzig weiß ich, dass dies bis dato einer der Grundsätze des Vereines ist. Insofern werden wir mit den Verantwortlichen von RB Leipzig, wie mit allen anderen Vereinsverantwortlichen auch, im ständigen Gespräch bleiben und die städtischen Entscheidungen auch an den sportlichen Entwicklungen ausrichten. Dies liegt ja in der Natur der Sache.LVZ2011-01-13
Claudia Nystad holt sich die Krone – Matthias Steiner und Erzgebirge Aue weitere Sportler des Jahres in SachsenGute Laune herrscht am Tisch der HCL-Handballerinnen, die mit dem zweiten Platz gut leben können. Foto: Lutz Hentschel
Dresden. Skilanglauf-Olympiasiegerin Claudia Nystad, Gewichtheber-Weltmeister Matthias Steiner und Erzgebirge Aue, Aufsteiger in die zweite Fußball-Bundesliga, sind Sachsens Sportler des Jahres 2010. Am Samstagabend wurden die Umfrage-Sieger auf der Gala des Landessportbundes Sachsen in Dresden gekürt.
Die HCL-Handballerinnen hatten es geahnt, dass sie ihren Titel nicht verteidigen würden. „Wenn eine so erfolgreiche Mannschaft wie Aue mit im Rennen ist, ist es immer schwer für uns", sagte Manager Kay-Sven Hähner. „Außerdem hatten wir im Umfrage-Zeitraum wenig Heimspiele, damit unsere Fans Stimmen sammeln konnten. Wir können mit dem Ergebnis leben." So herrschte gute Laune am Tisch des „Titelverteidigers", der fast zu spät gekommen wäre. Die Damen steckten einige Minuten im Fahrstuhl fest, der sie vom Parkhaus ins Congress Center bringen sollte, wurden aber in ihren schulterfreien Kleidern mit einem Bolero einer der Hingucker des Abends.
Das galt natürlich auch für Claudia Nystad. Die Siegerin bei den Damen trug ein schwarzes Abendkleid und strahlte über das ganze hübsche Gesicht, als sie die Sächsische Sportkrone entgegennahm. „Ich dachte, Vancouver wäre schon das Beste gewesen, aber nun noch diese Ehrung", sagte sie gerührt. Ihren Rücktritt hat sie nicht bereut, sie stellt sich neuen Herausforderungen, studiert in Leipzig Wirtschaftsinformatik und hat in der Stadt zuletzt beobachtet: „Leipzig kommt mit Schnee nicht zurecht." Der Beifall im Saal unterstrich, dass sie diese Erfahrung nicht allein gesammelt hatte.
Matthias Steiner und die Fußballer des FC Erzgebirge konnten ihre Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen. Doch der Gewichtheber und auch Aues Coach Rico Schmitt wurden live aus den Trainingslagern zugeschaltet. Steiner bat um Verständnis, dass er nicht nach Dresden kam, aber er will sich ganz der Vorbereitung auf die Höhepunkte widmen. Das Trainingslager sei zwar „ekelhaft", aber eben notwendig. Schmitt hielt sich zum Thema Aufstieg zurück, sagte nur: „Wir wollen auch im nächsten Jahr zweite Liga spielen."
Leipzig schnitt an diesem Abend auch ohne Einzelsiege in den drei Umfrage-Kategorien erfolgreich ab. Juliane Reinhold, die Schwimmerin vom Post SV, wurde als Talent des Jahres ausgezeichnet. „Ich bin einfach nur glücklich", sagte sie. Die 16-Jährige gilt als sächsischer Hoffnungsträger und eroberte das Publikum. Als sie die Namen ihrer elf Geschwister aufzählte, geriet sie allerdings ins Stocken. „Da war ich zu aufgeregt." Aber Christin und Holger werden das nicht übelnehmen, versicherte auch der ganz große Bruder Peter, der als Tischpartner fungierte. Uwe Fischer nahm die Auszeichnung zum Trainer des Jahres äußerlich gelassen entgegen. „Ich hatte mir gedacht, dass ich mal dran bin", gestand er ruhig. Die Ruhe sei ohnehin seine große Stärke, sagte sein Schützling Stephan Feck. „Andere reagieren anders, wenn ein Sprung danebengeht. Aber er überträgt seine Ruhe auf uns." Fischer lächelte und hatte vor allem zu tun, die vielen Glückwünsche entgegenzunehmen. Der Andrang an seinem Tisch und an dem von Juliane Reinhold zeigte, dass die Auszeichnung der beiden Leipziger große Zustimmung fand.LVZ2011-01-10
Staffel-Gold und ein paar Missgeschicke – SSG-Schwimmer orientieren sich am 32-jährigen Stefan Herbst und werden mit dem Oldie deutscher MeisterZwei Tage nach den erfolgreichen deutschen Kurzbahn-Meisterschaften sitzen die SSG-Staffelschwimmer in der Uni-Schwimmhalle zusammen und fragen sich laut: „Was machen wir eigentlich, wenn Stefan eines Tages nicht mehr mit dabei ist?“ Doch Stefan Herbst, der absolute Oldie in der Runde, beruhigt seine vier 17 bis 19 Jahre alten „jungen Hüpfer“ sofort: „Die nächsten zwei Jahre habt ihr mich noch an der Backe.“ Der 32-Jährige ist momentan und auch in Zukunft aus einem Leipziger Team nicht wegzudenken. Und es verfestigt sich der Eindruck, dass er wohl auch mit 40 noch in jede 4×50-m-Staffel gehören wird.
Herbst sieht jedoch den Tag deutlich vor Augen, an dem er nicht mehr der Schnellste ist. „Serghei hat mich schon fast eingeholt. Der Sack ist nächstes Jahr bestimmt schneller als ich“, sagt er über den aus Moldawien stammenden Serghei Golban. Der 17-Jährige wohnt mit dem Altmeister in einer WG und orientiert sich daher ganz besonders an ihm. Viele meinen, diese Nähe (und der eine oder andere Anschiss) tun dem Sportgymnasiasten sehr gut. „Leider setzt er nicht jeden meiner Hinweise um“, meint der Ältere. Er selbst brauchte viele Jahre, ehe er seinen Heißhunger ab und an zügelte und zur bewussten Ernährung überging. Bei Golban ist die Erkenntnis immerhin da: „Ich bin oft zu faul, mir etwas Gesundes zu kochen und gehe lieber zum Döner-Mann. Das ist nicht gut.“
Stefan Herbst hatte des Gefühl, deutscher Staffel-Meister zu sein, schon fast vergessen. Elf Jahre ist es her, als er mit René Kolonko, Kai Hanschmann und Alexander Jung Titel abräumte. Bereits damals war Stefan Herbst der Älteste im Leutzscher Team. „Es ist ein schönes Gefühl, nun mit einer völlig neuen Generation wieder auf dem Treppchen zu stehen“, beteuert er. Dass wie 1999 auch diesmal alle Staffelschwimmer vom SSV Leutzsch kommen, wird nur am Rande erwähnt: Denn das Freistil-Quartett holte den ersten Mannschafts-Titel für die Startgemeinschaft. Dies soll alle Schwimmer in Leipzig motivieren.
Obwohl das Gesamtergebnis stimmte, gab es ein paar Missgeschicke. So hing Karl-Richard Hennebach (18) im Finale über 50-m-Rücken – sehr zur Belustigung der Zuschauer – am Startblock seines Teamkollegen Golban, der darüber erstmal herzhaft lachen musste und sich seinen Platz zurückerkämpfte. „Ich hatte meinen Tunnelblick aufgesetzt“, entschuldigte sich Hennebach. Auch Golban zahlte Lehrgeld in der Wuppertaler Schwimm-Oper. Als er zwischen Einzel- und Staffelendlauf zum ersten Mal zur Dopingkontrolle ausgelost wurde, vergaß er das Lockerschwimmen und geriet in Stress, statt die Kontrolleure auf sein nächstes Finale hinzuweisen. So setzte er die Lagenstaffel trotz der Silbermedaille etwas in den Sand und meldete sich nun beim Pressetermin freiwillig mit den Worten: „Ich hab’s verkackt.“
Auch bei Tony Wiegmann (19), Brustschwimmer der Lagenstaffel, lief nicht alles rund. „Ich war seit Mittwoch krank, bin noch im Vorlauf über 50 m Brust schlecht geschwommen und war frustriert.“ Umso erleichterter war er nach dem Finale. Tobias Horn wuchs als Schluss-Schwimmer der Kraulstaffel über sich hinaus. Doch dem 17-Jährigen rutschte beim Absprung das Herz in die Hose: „Ich war verdammt früh dran, dachte schon, es war ein Frühstart. Aber zurück konnte ich nicht, also bin ich um mein Leben geschwommen.“ Der Lohn war ein Stück Metall mit Gold-Überzug.
Der Zusammenhalt im SSG-Team, das Anfeuern am Beckenrand seien super gewesen, betonen die Staffel-Jungs. „Unsere Mannschaft war wie zu einer WM aufgestellt: Wir hatten einen Arzt, zwei Physiotherapeutinnen, einen Busfahrer und sogar einen Koch mit“, so Stefan Herbst. Das Betreuer-Team rekrutierte sich aus dem Kreis der Eltern. Da im Hotel kein Koch benötigt wurde, machte sich Vater Horn als Fotograf nützlich. So konnte die LVZ die erste Staffel-Goldmedaille der SSG aktuell im Bild präsentieren. Das Gefühl, unverhofft deutscher Meister zu sein, werden die Jungs nicht so schnell vergessen. „Ich habe Serghei spontan umarmt. Das würde ich sonst nie machen“, meinte Hennebach mit breitem Grinsen. Und Golban grinste zurück. Dabei mögen sich beide so sehr, dass sie sogar auf einer Bahn schwimmen wollten.LVZ2010-11-18
Herbst holt drei Titel und reißt die Jugend mit – SSG Leipzig präsentiert sich mit neun Medaillen starkEine derart stolze Bilanz wie bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften 2010 konnten die Leipziger Schwimmer letztmals in den 90er Jahren vorweisen. Das Fazit von Wuppertal lautet: Die Junioren klopfen lautstark an die Tür zur nationalen Spitze. Sie folgen ihrem Leitwolf Stefan Herbst, der mit 32 Jahren seine erfolgreichsten Titelkämpfe aller Zeiten hinlegte: Bei acht Starts an drei Tagen erreichte der 32-Jährige drei Titel, einmal Silber, zweimal Bronze und zwei vierte Plätze. Zwei seiner Medaillen teilte er sich mit seinen jungen Staffel-Kollegen. Dank der Bronzeplaketten von Lisa Graf (2) und Juliane Reinhold kommt die SSG auf neunfaches Edelmetall.
Nach dem goldenen Freitag erlebten die Schützlinge von Eva Herbst und Oliver Trieb in der Schwimm-Oper einen bronzenen Samstag sowie einen Sonntag der vielen vierten Plätze. Doch es gab gestern auch das souveräne dritte Gold von Herbst über 100 m Rücken. „Ich denke, dass wir uns sehr stark präsentiert haben. 24 Mal standen wir in den A-Finals, das hatte sicher niemand erwartet“, sagte der dreifache Meister, der nicht nur als Athlet, sondern als Vorsitzender der Startgemeinschaft SSG in der Verantwortung steht.
Der dreifache Olympiateilnehmer spielte seine Stärken auf der kurzen Bahn eindrucksvoll aus, bei jedem Start und jeder Wende war er überlegen, holte wertvolle Zehntel heraus. Der Sportsoldat nutzte die Lücke, die der Rücktritt von Thomas Rupprath und die Wettkampfpause von Helge Meeuw gerissen haben. Er freute sich besonders über seine Leistungen über 50 und 100 m Rücken. „Da habe ich die Zeiten bestätigt, die ich vergangenes Jahr mit Hightech-Anzug geschwommen bin.“
Wie bei seinen vielen internationalen Einsätzen der Vergangenheit war es auch diesmal kein Zufall, dass der Teamarbeiter seine beste Zeit über 50 m Rücken in der Lagenstaffel erzielte. Hier hatte er das junge SSG-Quartett vor dem Finale noch einmal umgestellt und mit Karl-Richard Hennebach die Positionen getauscht. Herbst brachte das Team auf der Rückenlage in Front, Hennebach schwamm als Krauler Silber nach Hause, dazwischen hatten Tony Wiegmann und Serghei Golban nie Zweifel am Medaillengewinn aufkommen lassen.
Der 17-jährige Golban war mit fünf Finalteilnahmen im Einzel (darunter zwei vierte Plätze) d i e Entdeckung von Wuppertal. International startet der Sportgymnasiast bislang für Moldawien. Der DSV hat ebenso wie der Sächsische Schwimm-Verband starkes Interesse an der Einbürgerung des großen Talentes. Ausgerechnet in der Lagenstaffel „versaute“ er aber Wende und Anschlag, sonst wäre vielleicht eine ähnliche Sensation wie am Freitag über 4×50 m Freistil möglich gewesen, als die SSG Gold holte. „Serghei hat drei super Wettkampftage hingelegt“, meinte Eva Herbst: „Aber er hat noch viele Reserven – das ist auch gut so.“
Im Windschatten von Stefan Herbst haben sich Lisa Graf (zwei Mal Rücken-Bronze) und Juliane Reinhold (Bronze über 200 m Lagen) nach ihren starken Auftritten im Sommer nunmehr fest in der deutschen Spitze etabliert. Beide führten die Frauenstaffel auf Platz vier. „Bei Lisa war die Konkurrenz besonders stark. Sie hat sich prima behauptet“, so Eva Herbst. Ähnlich sah es Oliver Trieb, dessen Schützling Juliane Reinhold nach kurzer Vorbereitung und Ernährungs-Umstellung mit den Leistungen sehr zufrieden sein konnte. Sie ist im Dezember ebenso wie Karl-Richard Hennebach für einen Start mit der Junioren-Auswahl in den USA vorgesehen. Stefan Herbst wird heute zum elften Mal in seiner Karriere für die Kurzbahn-EM berufen. Und sogar sein Ticket zur WM nach Dubai ist greifbar nahe.LVZ2010-11-15
Goldener Freitag in Wuppertal
Gold für Stefan Herbst über 50 m Rücken, Gold für die Männer-Freistilstaffel, Bronze für Lisa Graf über 200 m Rücken: Die Schwimmer der SSG Leipzig trumpften gestern bei deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal groß auf. Insgesamt standen neun Messestädter in den Finals. Da gab es für Trainerin Eva Herbst nur einen Kommentar: „Wahnsinn!"
14 Jahre nach seinem ersten Männer-Titel in Uelzen stand Stefan Herbst wieder auf dem obersten Treppchen. Doch der 32-Jährige hatte alle Mühe, in der Schwimm-Oper das Wasser an der Leiter zu verlassen. Gleich mehrere Versuche brauchte der völlig ausgepumpte Kapitän und Vorsitzende der SSG Leipzig. Die zwei Bahnen Rücken waren dabei nicht das Problem. Hier hatte er schon den Vorlauf mit einer Top-Zeit dominiert, im Endlauf ging es „nur" noch um Gold.
Doch das Finale wurde fast zum Harakiri-Spiel, denn der Leutzscher mutete sich eine gefährliche Doppel-Belastung zu: Um 16.05 Uhr sprang er neben Paul Biedermann über 200 m Freistil ins Wasser und wurde Vierter. Schon hier musste Herbst alles aus sich herausholen, um seine Staffel-Chance für die WM in Dubai zu wahren. Um 16.23 Uhr – gleich im nächsten Männer-Wettbewerb – ging es um den Titel im Rückensprint. Zwar lag vorher noch die Freistil-Siegerehrung, doch weil der völlig erschöpfte Biedermann-Bezwinger Markus Deibler noch gar nicht wieder unter den Lebenden weilte, fiel das geplante Siegerinterview aus – und die Pause für Stefan Herbst verkürzte sich um drei Minuten.
Dennoch rettete der dreifache Olympiateilnehmer mit seinem langen Arm sechs Hundertstel Vorsprung auf den 15 Jahre jüngeren Kontrahenten Christian Diener (Cottbus) ins Ziel. Damit dürfte der Sportsoldat für die Kurzbahn-EM in zwei Wochen in Eindhoven so gut wie qualifiziert sein. „Ich habe vorher gewusst, dass es hart wird. Aber mit den Plätzen vier und eins habe ich mein Ziel in beiden Strecken erreicht", sagte Stefan Herbst.
Der Tag war damit noch nicht gelaufen: 90 Minuten später hing die nächste Goldmedaille um den Hals von Herbst, es war seine fünfte bei nationalen Kurzbahn-Meisterschaften. Diesmal begleiteten ihn drei glückliche junge Männer aufs Podest: Denn auch Karl-Richard Hennebach (18), Serghei Golban und Tobias Horn (beide 17) – alle kommen vom SSV Leutzsch – verteidigten über 4×50 m Freistil für die SSG ihren ersten Platz des Vorlaufes. „Wenn uns das vorher einer gesagt hätte, hätte ich gemeint: Träum weiter", sagte eine glückliche Eva Herbst: „Mit etwas Glück hatte ich auf Bronze gehofft." Herbst führte sein Team an zweiter Position schwimmend von Platz vier auf eins, war aber eine Zehntel langsamer als im Vorlauf. Dafür steigerten sich seine Staffelkollegen: Am meisten Tobias Horn als Schluss-Schwimmer. Der Mittelstrecken-Spezialist war sieben Zehntel schneller als am Vormittag. Golban und Hennebach hatten sich über 50 m Rücken nach ihren Plätzen sechs und acht noch geärgert, doch am Ende strahlten sie mit der Goldmedaille um die Wette. Golban war zudem starker Vierter über 50 m Schmetterling, die Frauen-Staffel kam auf Platz fünf.
Am Vorabend ihres 18. Geburtstages war auch Lisa Graf über ihre hart erkämpfte Bronzemedaille über 200 m Rücken happy. „Die Beine waren am Ende schwer und die Wenden haben auch nicht alle geklappt. Aber ich habe mich durchgebissen", sagte die Sportgymnasiastin, die drei Hundertstel Rückstand zu Silber und acht Hundertstel Vorsprung auf Rang vier hatte.
LVZ2010-11-13