12.11.2010 – Platz vier zum Kurzbahn-Auftakt
Platz vier zum Kurzbahn-Auftakt
Am Ende reichte es zur Bestzeit, aber nicht ganz zur Medaille: In einem spannenden Rennen über 400 m Lagen kam die Leipziger SSG-Schwimmerin Juliane Reinhold gestern zum Auftakt der Kurzbahn-DM in Wuppertal in 4:42,14 min auf Platz vier. 250 Meter lang hatte die 16-Jährige Tuchfühlung zur Spitze, dann ließen die Kräfte ein wenig nach. Beim Zielanschlag fehlten 1,8 s zu Bronze.
Es gewann die Dortmunderin Nina Schiffer (4:36,46) vor Titelverteidigerin Theresa Michalak aus Halle (4:38,33). Wohl auch aufgrund des frühen Meisterschafts-Termins kamen die Besten nicht an ihre Vorjahres-Zeiten heran. Juliane Reinhold hatte diese Strecke vor einem Jahr nicht bestritten und anschließend jeweils Silber über 100 und 200 m Lagen geholt.
LVZ2010-11-12
Tickets für Eindhoven und Dubai hart umkämpft
SSG-Schwimmer reisen hochmotiviert zur Kurzbahn-DM nach WuppertalDrei Medaillen vor zwölf Monaten in Essen, die doppelte Anzahl im Sommer in Berlin: Hält der Aufwärtstrend der Leipziger Schwimmer ab heute bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal an? Lisa Graf, Juliane Reinhold und Stefan Herbst (alle SSG) sind erneut Einzelmedaillen zuzutrauen. Besonders heftig sind aber in diesem Jahr die Normen für die Kurzbahn-EM Ende des Monats in Eindhoven sowie für die WM zwei Wochen später in Dubai. Topstar Paul Biedermann aus Halle spricht sogar von den härtesten Normen der Welt.
Während der Weltcup-Serie haben in den vergangenen Wochen sieben Deutsche eine Norm für Eindhoven erfüllt. Bundestrainer Dirk Lange rechnet letztlich mit 20 bis 25 EM-Startern. Für Leipzigs Altmeister Stefan Herbst wäre es die elfte Teilnahme, doch der 32-Jährige weiß: „Es wird verdammt schwer."
Die vermeintlich leichteste Norm im Bereich seiner Bestzeit ist die über 200 m Freistil. Doch hier ist der zweite Platz hinter Biedermann hart umkämpft, Herbst gilt nicht gerade als Favorit für Silber. Also könnte Plan B greifen: „Ich will mich irgendwie in die Staffel mogeln." Was natürlich nicht wörtlich gemeint ist. Dafür hat der Sportsoldat zwei Chancen: Als Sieger über 50 m Rücken wäre er im Lagen-Quartett, mit Platz vier über 50 m Freistil käme er in die Kraul-Staffel. Für Dubai aber kommen die 200 m Freistil wieder ins Spiel: Denn dort will der DSV in der 4×200-m-Staffel angreifen, der Bundestrainer hob die Bedeutung des Staffel-Projektes London 2012 in den vergangen Tagen mehrfach hervor.
Die besten Leipziger Frauen Lisa Graf und Juliane Reinhold wollen in Wuppertal vorn mitmischen, ein EM-Ticket ist (noch) nicht das primäre Ziel. Die inzwischen 18-jährige Lisa Graf hat sich in den letzten Jahren Stück für Stück nach vorn gekämpft, vorläufiger Höhepunkt war ihr dreifacher Medaillengewinn bei der Sommer-DM in Berlin. An gleicher Stelle deutete die Schkeuditzerin vor zwei Wochen beim Weltcup mit Bestzeiten sowie den nationalen Rängen zwei bis vier an, dass auf den Rückenstrecken nach überstandener Angina erneut mit ihr zu rechnen ist.
Nur mit den 200 Metern war sie noch nicht so zufrieden. „Dabei dachte ich nach dem Sommer, dass dies ab jetzt meine Strecke ist." Doch eine Erklärung war schnell gefunden: Das Training steckte der Sportgymnasiastin noch in den Knochen. Ausgeruht soll es am Wochenende wesentlich besser laufen. Da Lisa Graf nicht gerade als Start- und Wendenspezialistin gilt („Meine Drehungen sind immer noch zu langsam"), liegt die Konzentration noch mehr als bei den anderen auf der langen Bahn im Sommer. Dennoch wird sie in der modernisierten Schwimm-Oper an der Wupper wie alle Leipziger alles geben – und möglichst aufs Treppchen kommen.
LVZ2010-11-11
Sächsische Team für die Olympiavorbereitung 2012
Kultusminister Roland Wöller hatte geladen – und die besten sächsischen Sommersportler und deren Trainer ließen gestern ausnahmsweise einmal eine Trainingseinheit weg, um in die Dresdner Frauenkirche sowie anschließend ins Hilton-Hotel der Landeshauptstadt zu kommen und die Anerkennung für ihre diesjährigen Leistungen entgegenzunehmen. Höhepunkt war der Blick über Dresden bei klarer Sicht und Sonnenuntergang vom Turm der Frauenkirche. Aber auch das Essen ließen sich die wie immer ausgehungerten Athleten schmecken. Beim offiziellen Festakt wurde das sächsische Team für die Olympia-Vorbereitung 2012 benannt. Aus Leipzig wurden unter anderem die Kanuten Jan Benzien, David Schröder, Frank Henze und Schwimmerin Juliane Reinhold geehrt, die allesamt auch zum LVZ-Projekt 12-4-12 gehören. Dagegen waren Kanu-Weltmeisterin Tina Dietze (Trainingslager in Florida) und Wasserspring-Vizeeuropameister Stephan Feck („Biwak“ bei der Bundeswehr) verhindert.LVZ2010-11-10
Post-Athlet gewinnt Stundenschwimmen
Christoph Wippich vom Postschwimmverein Leipzig hat die 18. Auflage des Leipziger Stundenschwimmens gewonnen. Der 22-Jährige absolvierte in der Schwimmhalle Kirschbergstraße in 60 Minuten gut 166 Bahnen beziehungsweise 4155 Meter. Am Ende hatte er 31 Meter Vorsprung auf seinen 23 Jahre älteren Vereinskollegen Heiko Rudolf. Triathlet Olaf Ueberschär (SV Handwerk) schaffte eine Woche nach seinem starken Marathon-Auftritt in Athen 3835 Meter. Beste Frau war Gudrun Vollstädt (SG MoGoNo) mit 3713 Metern. Eine hervorragende Leistung zeigte auch ihre Mutter Gisela Schöbel-Graß. Die 84-Jährige erreichte stolze 2,3 Kilometer.LVZ2010-11-09
Golban-Show in Riesa
Auch ohne die drei Weltcup-Starter war die SSG Leipzig der erfolgreichste Verein bei den offenen sächsischen Kurzbahn-Meisterschaften der Schwimmer in Riesa. Die Messestädter erkämpften 18 Titel und damit die Hälfte aller Goldmedaillen in den Finals der offenen Klasse. Den 19. Titel für den Bundesstützpunkt Leipzig holte der für den SC Chemnitz startende Brustspezialist Michél Ullrich.
Besonders beeindruckend war die Golban-Show im 25-m-Becken der Elbestadt. Der Sportgymnasiast Serghei Golban feierte fünf Einzelerfolge (garniert mit fünf Bestzeiten) sowie zwei Siege mit den Staffel-Quartetts der SSG Leipzig. „Er war fast schon zu gut", meinte seine sehr zufriedene Trainerin Eva Herbst mit Blick auf die Kurzbahn-DM in knapp zwei Wochen in Wuppertal: „Serghei hätte mit den Leistungen auch beim Weltcup ordentliche Mittelfeld-Plätze belegt. Aber Riesa war der bessere Test wegen den vielen Starts." Der 17-Jährige hatte im Sommer für Moldawien an der Junioren-EM und den olympischen Jugendspielen teilgenommen. In Riesa gewann er meist mit großem Vorsprung. Knapp war Golbans Sieg über 50 m Rücken in 25,81 s gegen den gleichfalls sehr gut aufgelegten SSG-Kollegen Philipp Sikatzki (16), der sich im Vorlauf um sechs Zehntel auf 25,70 s gesteigert hatte. Zudem stellte sich JEM-Teilnehmer Tobias Horn über 200 und 400 m Freistil in guter Form vor.
Bei den Frauen feierte Saskia Donat wenige Tage nach ihrem Wechsel vom SC Magdeburg zur SSG zwei Einzel- und zwei Saffelsiege für ihren neuen Verein. Die 20-jährige Jura-Studentin trainiert seit dieser Saison in Leipzig. Für die besten Leistungen der Nachwuchs-Gruppe des Landesstützpunktes sorgten Caroline Pohle und Tommi Wolst.
LVZ2010-11-02
„Paul ist gar nicht so weit weg"
Schwimmer Stefan Herbst recht zufrieden mit Weltcup-Rang sechs
So früh in der Saison mussten die Schwimmer lange nicht Farbe bekennen. Die Tickets für die Kurzbahn-EM werden schon in zwei Wochen bei den deutschen Meisterschaften in Wuppertal vergeben. Daher fand die Standortbestimmung beim Weltcup schon jetzt statt.
Für Juliane Reinhold kam dieser Vergleich in Berlin ganz besonders früh, war sie doch Ende August erst von den Olympischen Jugendspielen aus Singapur zurückgekehrt und hatte sich dann eine Pause gegönnt. Die 16-Jährige von der SSG Leipzig zeigte sich bei ihren Starts auf drei 200-m-Distanzen noch nicht konkurrenzfähig, sie schwamm aber noch im normalen Badeanzug und war durch eine Schienbeinverletzung gehandicapt.
Dagegen lief es bei SSG-Kollegin Lisa Graf deutlich besser, bei ihren vier Auftritten kam sie konstant auf die Plätze 14 bis 16. Über 50 m Rücken freute sie sich sogar über eine Bestzeit (28,50 s), auch auf den anderen Strecken erreichte sie fast ihre Leistungen der Hightech-Ära. Über 100 m Rücken war die 18-Jährige zweitbeste Deutsche, in Wuppertal gehört sie wie im Sommer zu den Medaillenkandidaten.
Altmeister Stefan Herbst stand sogar zweimal im Finale, wobei es fast vier Endlaufstarts hätten sein können. Während der europäische Verband seit geraumer Zeit alle zehn Bahnen nutzt, lässt der Weltverband Fina weiter die Randbahnen frei, so dass Herbst die zehnten Plätze über 100 m Freistil und 200 m Rücken nichts nützten. „In Rücken habe ich mich dummerweise am Ende verpokert", gestand der Sportsoldat, der über 100 m am Sonnabend als Siebter bester Deutscher war. „Der schnellste Rückenschwimmer trainiert aber schon wieder, spätestens im Sommer ist er wieder voll da", sagte der Sachse mit Blick auf den Magdeburger Helge Meeuw. Gestern ließ Stefan Herbst Rang sechs über 200 m Freistil folgen, dabei schaffte er in 1:46,03 min seine persönliche Zielvorgabe. „Paul ist diesmal gar nicht so weit weg", lautete sein persönlicher Vergleich mit dem siegreichen Biedermann, der ihm statt sieben Sekunden im Vorjahr nur knapp zwei Sekunden abnahm.
Stefan Herbst war in Berlin nicht nur als Athlet aktiv. Nachdem er sein Amt als DSV-Aktivensprecher abgegeben hat, hat er nun ein neues zeitintensives Ehrenamt. Der 32-Jährige wurde im Oktober zum neuen Vorsitzenden der SSG Leipzig gewählt. Der Leutzscher übernahm das Amt vom ehemaligen deutschen Meister Sven Guske, der nicht wieder kandidierte. Dass die Konzentration aufs Training unter der Last des Ehrenamtes leidet, denkt Herbst nicht: „Da ich bei der Bundeswehr bin, habe ich neben dem Sport Zeit dafür. Und es betrifft Dinge, mit denen ich mich ohnehin seit Jahren tagtäglich beschäftige. Ich möchte helfen, den Leipziger Schwimmsport voranzubringen." Bei der Vorstandsarbeit wird er von seinem Trainingskollegen Toni Franz unterstützt.
LVZ2010-11-01
Gerüchteküche nervt
Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen kehrt heute beim Weltcup in Berlin ins Wettkampfbecken zurück
Berlin. Mehr als Olympiasieg, Weltrekord sowie Gold bei Welt- und Europameisterschaften kann ein Schwimmer nicht erreichen. Britta Steffen hat all diese Ziele zwischen 2006 und 2009 erfüllt. Insofern könnte sie längst ein bequemes Leben führen, ohne Kachelzählen und ähnliche Trainings-Monotonie. Doch dies kommt für die Berlinerin nicht in Frage. Mit ihrem Wettkampf-Comeback nach 15 Monaten will sie heute und morgen beim Kurzbahn-Weltcup in ihrer Heimatstadt vor allem Gerüchten entgegenwirken, sie würde es mit ihrer erneuten Olympia-Vorbereitung für London 2012 nicht ernst meinen.
„Es hat mich total genervt, dass der Buschfunk längst mein Karriere-Ende verkündet hat", sagte die 26-Jährige gestern: „Es hieß ja, ich wolle nur noch meine Sponsoren behalten und gar nicht mehr wirklich schwimmen." Bei ihrer Rückkehr nach vielen Erkältungen und hartnäckigen Schulter-Problemen sei eines aber neu: „Ich fühle mich unheimlich befreit, weil ich alles schon erreicht habe. Ich schwimme jetzt vor allem, weil es meine Leidenschaft und mein Leben ist." Die Liebe zu Doppel-Weltmeister Paul Biedermann – beide sind seit einem halben Jahr ein Paar – beflügelt sie zusätzlich: „Wir sind seelenverwandt und haben das gleiche Ziel. Das schweißt zusammen." Der Hallenser verriet sogar, dass es zwischen beiden ein Duell gibt: „Dazu äußern wir uns aber später mal."
100 000 US-Dollar schüttet der Weltverband Fina für den Weltcup-Gesamtsieg bei Frauen und Männern aus. Nach vier von sieben Stationen stehen mit Therese Alshammar (Schweden) und Thiago Pereira (Brasilien) die Gesamtsieger so gut wie fest. Vom ganz großen Kuchen werden die deutschen Athleten nichts abbekommen, weil sie zum Großteil gerade erst aus dem Trainingslager kommen und sich ganz auf die Kurzbahn-EM und -WM in vier sowie sechs Wochen konzentrieren. Aber immerhin sind in Berlin in jeder Disziplin 3000 Dollar zu holen – und hier möchte vor allem Biedermann auf seinen Spezialstrecken 200 und 400 m Freistil zuschlagen. „Viele Punkte sind aber über 200 Meter nicht zu holen", sagt der Hallenser schmunzelnd. Das hat er sich selbst zuzuschreiben, weil er den Weltrekord vor Jahresfrist mit Neopren-Material auf 1:39,37 min pulverisierte. Deshalb wird er wohl nicht mit dem VW Scirocco heimfahren, der dem besten Athleten winkt.
Absolut keine Angst hat Britta Steffen vor der neuen Anzug-Situation. Seit Januar ist das Hightech-Material verboten, im Gegensatz zur Konkurrenz hat die Berlinerin unter diesen Umständen noch keinen Wettkampf bestritten. „Ich kann mich auch im Badeanzug über Wasser halten", ist sie sich sicher. Dieses Selbstbewusstsein hat sie spätestens seit Olympia in Peking. Dort war das DSV-Team aufgrund des Adidas-Vertrages mit einem Material-Nachteil ins Wasser gesprungen. Doch wegen ihres günstigen spezifischen Gewichts brauchte Britta Steffen keine Auftriebshilfe und holte auch in normalem Textil Doppel-Gold.
Für den Weltcup in Berlin zeigte sie sich gestern optimistisch. Sie sei zwar nur zwei Mal gemeldet, will aber vier Mal starten: In den Endläufen möchte sie unbedingt dabei sein, zumal die ARD am Sonntag live überträgt. „Ich hatte gestern im Training endlich mal wieder das Gefühl, dass ich noch schwimmen kann. Dennoch werde ich noch nicht die Beste sein. Mein Trainer meint, ich müsse auch mal das Verlieren lernen."
Eine Leipziger Finalteilnahme wäre dagegen eine Überraschung. Von der SSG gehen alle drei DM-Medaillengewinner vom Sommer an den Start. Juliane Reinhold, Lisa Graf und Stefan Herbst hoffen zwei Wochen vor der Kurzbahn-DM in Wuppertal auf eine steigende Formkurve. Vor zwölf Monaten war Rang 14 die beste Platzierung von Stefan Herbst. „Schlechter möchte ich auf keinen Fall sein", sagte der 32-Jährige, der sich im Training gut fühlte. Die anderen SSG-Teamkollegen wollen zur gleichen Zeit in Riesa möglichst viele Sachsenmeistertitel nach Leipzig holen.
LVZ2010-10-30
Olympia-Unterstützung – Juliane Reinhold im LVZ-Projekt
Schwimmerin Juliane Reinhold von der SSG Leipzig ist neues Mitglied im LVZ-Projekt 12-4-12. Unter diesem Motto werden zwölf Leipziger Spitzenathleten materiell und medial bei der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 in London unterstützt. DHfK-Ruderin Kerstin Naumann, die zu diesem Projekt gehörte, hatte im Sommer ihre Laufbahn beendet.
Die Jury trug mit ihrer gestrigen Entscheidung der sportlichen Entwicklung der 16-Jährigen Rechnung. Die Lagenschwimmerin war in diesem Jahr unter anderem deutsche Meisterin über 400 m und Junioren-Europameisterin mit der Lagen-Staffel geworden. „Ich finde es schön für Leipzig und seine Schwimmsport-Familie, wenn eine junge Sportlerin so auftrumpft", sagte Jury-Mitglied Bernhard Bock. Juliane Reinhold selbst konnte ihr Glück kaum fassen. „Das ist ein großer Ansporn für mich und ich hoffe, dass es mit einer guten Leistung in London klappt", meinte sie.
Die weiteren geförderten Athleten:
David Schröder/Frank Henze (Kanuslalom)
Jan Benzien (Kanuslalom)
Alexander John (Leichtathletik)
Erik Balnuweit (Leichtathetik)
Kerstin Thiele (Judo)
Heide Wollert (Judo)
Tina Dietze (Kanurennsport)
Robert Nuck (Kanurennsport)
Annekatrin Thiele (Rudern)
Stephan Feck (Wasserspringen)
LVZ2010-10-27
Rekordflut und Tränen
Starter aus sieben Nationen beim Internationalen Schwimmfest des SC DHfK
Neun Veranstaltungsrekorde hat es am Wochenende beim Internationalen Schwimmfest des SC DHfK in der Uni-Schwimmhalle gegeben. Acht davon brachen Teilnehmer der SSG Leipzig und betonten damit erneut den Erfolg der Startgemeinschaft. Sportler aus sieben Nationen traten an. Die meisten ausländischen Gäste kamen aus Tschechien, aber auch der ehemalige Messestädter Volker Müller, der in Italien lebt, reiste mit seinen Schützlingen an. Daneben waren Brasilianer, Armenier, Russen und Athleten von den Philippinen mit am Start.
Ganz stolz stiegen die Jüngsten nach ihrem ersten Wettkampf vor großem Publikum aus dem Wasser und wurden von den „Großen", die diese Prozedur schon vor ein bis zwei Jahren hinter sich gebracht hatten, in Empfang genommen. Zuvor flossen vor Lampenfieber sogar Tränen. „Einige haben geweint und mussten von den Eltern getröstet werden", sagte DHfK-Abteilungsleiter Sven Kürschner. Die Schwimm-Zwerge haben sich nicht getraut, dachten, sie schaffen es nicht. Am Ende sind aber alle die 50 Meter geschwommen und wurden dabei sowohl vom Beckenrand aus als auch von den rund 300 Zuschauern auf der Tribüne angefeuert. „Das war eine absolut emotionale Atmosphäre", freute sich der Abteilungsleiter.
Lob gab es auch von den erfahrenen Schwimmern. „Das war total süß. Manche sind schon richtig fix", meinte Lisa Graf, die am Wochenende dreimal den Veranstaltungsrekord knackte.
Stefan Herbst, der mit Ansage ebenfalls dreimal den Rekord über 50, 100 und 200 Meter Rücken brach, konnte sich das Spektakel nicht mit ansehen. „Ich musste mich vorbereiten. Aber ich habe es gehört", verwies der dreifache Olympiateilnehmer auf die super Stimmung in der Halle. Dafür wurde er bei seinen Starts kräftig von den Kindern angefeuert. Seiner Vorbildfunktion für die Kleinen kommt er gern nach: „Ich gebe mein Bestes", so der 32-jährige Routinier, der jede Menge Autogramme geben durfte.
Wenig überraschend gewann Herbst auch am Sonnabend den KSW-Sprintcup. Bei den Frauen siegte Nachwuchshoffnung Juliane Reinhold, die zudem über 100 Meter Schmetterling einen Veranstaltungsrekord schaffte. Die Sieger des Sprintcups wurden in drei Runden mit abschließendem Finale in einem Ausscheidungsrennen ermittelt. „Das Kraul-Finale war für mich das absolute Highlight und eine ganz neue Erfahrung", meinte Herbst, der in seiner langjährigen Karriere zum ersten Mal daran teilnahm.
Die nächsten Höhepunkte der Leipziger Top-Schwimmer sind der Weltcup in Berlin am kommenden Wochenende und die deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal Mitte November. Priorität liegt aber auf der Kurzbahn-DM. Dort geht es um die Qualifikationen für Europa- und Weltmeisterschaften. Leicht wird es nicht. „Die Quali-Zeiten sind ordentlich. Die habe ich nicht mal letztes Jahr im Anzug geschafft", sagte Herbst wenig begeistert. Packen will er sie trotzdem.
Optimistischer ist Lisa Graf. Zwar musste sie vor zwei Wochen wegen einer Angina aussetzen. „Ich bin aber ganz gut wieder herangekommen", findet die 18-Jährige, die sich über die Rekordflut freute: „Es waren zwar keine Bestzeiten, aber ich muss ja erst in drei Wochen zur Kurzbahn-DM richtig fit sein."
LVZ2010-10-26
Extra-Lob des Bundestrainers Schwimmerin Juliane Reinhold mit zwei Medaillen und vielen Eindrücken aus Singapur zurückZwei Wochen Singapur sind für Juliane Reinhold Vergangenheit. Mit vielen Eindrücken und zwei Medaillen (Silber und Bronze) kehrte die SSG-Schwimmerin – sie war die einzige Leipziger Teilnehmerin – von den ersten olympischen Jugendspielen zurück.
Über Für und Wider des größten Wettbewerbs für Nachwuchssportler ist viel diskutiert worden. Wenn man die leuchtenden Augen der Sport-Mittelschülerin sieht, wie sie begeistert von ihren Erlebnissen berichtet, dann kann man einfach nichts Negatives an den Jugendspielen finden. Wenn die 16-Jährige demnächst in der Straßenbahn oder im Supermarkt wieder in mürrische Gesichter blickt, wird sie sich zurücksehnen. „Die Leute in Singapur waren unglaublich freundlich, haben uns ständig viel Glück und Erfolg gewünscht", berichtet die gebürtige Jenaerin: „Diese Freundlichkeit hat alles aufgelockert. Dadurch sind wir ohne großen Druck in die Wettkämpfe gegangen." An Singapur fand sie vor allem das viele Grün bemerkenswert: „Bei der Ankunft sieht man vor allem erst mal Hochhäuser ohne Ende. Aber dann fühlt man sich mitten in der Stadt wie im Dschungel."
In der Organisation – dies bestätigten die Bundestrainer und Funktionäre – gab es gegenüber „richtigen" Olympischen Spielen keine Abstriche. Ob es das olympische Dorf mit seinem riesigen, 24 Stunden geöffneten Speisesaal war, die Sicherheitsvorkehrungen oder die Extra-Spur für die Olympia-Busse: Alles wurde für die 14 bis 18 Jahre alten Olympioniken getan. Apropos Alter: Als die Leipzigerin die asiatischen Turn-Küken traf, dachte sie für einen Moment, der Kindergarten sei auch startberechtigt. Andererseits klagten deutsche Kampfsportler zum wiederholten Mal, dass einige bärtige Kontrahenten die „ewige Jugend" gepachtet hätten. Die Organisation klappte nur bei der Abschlussfeier nicht mehr, als 3600 Sportler über einen schmalen Steg gehen sollten – und der Steg langsam im Wasser verschwand. „Da hatte ich kurz Angst und musste an die Loveparade in Duisburg denken." Die Sache ging mit nassen Schuhen und Hosen glimpflich ab.
Besonders stolz ist der Schützling von Trainer Oliver Trieb, dass es mit zwei Staffelmedaillen (Bronze über 4×100 m Lagen und Silber über 4×100 m Freistil) geklappt hat. Das Kraulquartett brachte Jule als Startschwimmerin sogar in Führung, erst am Ende zogen die Chinesinnen vorbei. „Mein bestes Rennen waren aber die 200 m Freistil." Gerade als Achte ins Finale gekommen, gab sie nach zwei erfolgreichen deutschen Meisterschaften und der Junioren-EM in Helsinki noch einmal alles, steigerte sich um zwei Sekunden und wurde Fünfte. „Da hat mich der Bundestrainer besonders gelobt. Das hatte er mir nicht zugetraut", erzählt Juliane Reinhold, deren gleichaltrige Freundin Silke Lippok nach ebenso langer Saison bei der EM in Budapest sogar Einzel-Silber holte.
Dass in Funktionärs-Reden der Spaß an der Freude dem Leistungsgedanken vorgezogen wurde, stört sie ein wenig. Die Sportler indes seien stolz: Alle acht deutschen Schwimmer kamen mit Edelmetall zurück. Juliane Reinhold hat in ihrer Sammlung nun schon Gold bei den europäischen Jugendspielen 2007 in Belgrad, drei Medaillen bei der Junioren-EM 2009 in Prag, drei Mal Gold und ein Mal Bronze bei der diesjährigen Junioren-EM in Helsinki sowie die zwei Singapur-Medaillen, die sie besonders schön findet. Der deutsche Meistertitel über 400 m Lagen hat einen besonderen Platz in ihrem Herzen. „Darauf werde ich am häufigsten angesprochen." Dieser Sieg ist der ideale Einstieg in die offene Klasse. Denn mit dem Kapitel Singapur geht auch die (schwimmerische) Jugendzeit zu Ende. Ab sofort wird sie immer häufiger mit den schnellsten Frauen gemessen. Den Vergleich kann sie selbstbewusst in Angriff nehmen.LVZ2010-08-30