17.08.2010 – Bronze für Reinhold
Bronze für ReinholdSingapur . Die Leipziger Sportschülerin Juliane Reinhold hat am zweiten Wettkampftag der Schwimmer in Singapur die Bronzemedaille mit der 4×100-m-Lagenstaffel hinter Australien und Russland errungen. Das Talent von der SSG Leipzig trat als Schluss-Schwimmerin über 100 m Freistil an, zuvor war Lina Rathsack (SC Riesa) den Brust-Abschnitt geschwommen. Beide Sächsinnen hatten tags zuvor mit zwei Jungen über 4×100 m Freistil (Mixed) Rang fünf belegt. Im Einzelrennen über 100 m Freistil erreichte Juliane Reinhold den zehnten Platz.LVZ2010-08-17
Olympia-Luft in Singapur Nach Deutscher Meisterschaft und EM folgt dritter Jahreshöhepunkt für Juliane ReinholdHistorischer Moment für Juliane Reinhold: Die Leipziger Schwimmerin ist eine von 3600 Athleten, die an den ersten Olympischen Jugendspielen vom 14. bis 26. August in Singapur teilnehmen werden. Von den 70 deutschen Jungsportlern ist sie die einzige aus der hiesigen Messestadt. Initiiert wurde der Wettstreit nach dem Vorbild der „großen Spiele" durch den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge. Künftig sollen alle vier Jahre sowohl in den Sommer- als auch in den Wintersportarten die Wettkämpfe ausgetragen werden.
Für die Nachwuchs-Hoffnung der Schwimm-Startgemeinschaft (SSG) ist die Reise nach Singapur ein weiteres Highlight in einem Jahr voller Höhepunkte. Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften stand sie zweimal ganz oben auf dem Treppchen und sicherte sich die Qualifikation für die Junioren-Europameisterschaften in Helsinki. Dort holte sie dreimal Gold und einmal Bronze.
Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin düpierte die 16-Jährige selbst Erwachsene und landete über 400 Meter Lagen auf dem obersten Treppchen. Damit kam sie sogar für die EM in Frage, die sich jedoch terminlich mit den Olympischen Jugendspielen überschneidet. Die SSG-Schwimmerin überlegte nicht lang und entschied sich für Singapur. Dort wird sie über 100 Meter und 200 Meter Kraul sowie die 4×100 Meter Lagen- und Freistil-Staffel an den Start gehen.
„Die Vorfreude ist riesig", sagte Juliane Reinhold, die gestern nach Asien flog. „Es bedeutet mir schon einiges, mal ein bisschen olympische Luft zu schnuppern." In den Augen des Heimvereins Post SV ein Riesenerfolg. „Für uns ist das super. Wir freuen uns für Juliane und unterstützen sie, wo wir nur können", sagte Vereinsvorstand Uwe Bodusch. Auch wenn Juliane sonst vor „positivem Ehrgeiz" strotze, wie es Trainer Olivier Trieb bezeichnete, setzt sich die Nachwuchs-Hoffnung diesmal bewusst keine Ziele: „Klar sollte der sportliche Teil im Vordergrund stehen. Aber ich hatte in diesem Jahr schon drei Höhepunkte und weiß nicht, ob ich mich noch mal steigern kann." Ähnlich sieht es auch der Coach: „Singapur ist ein schöner Zusatz. Es geht aber mehr darum, dabei zu sein und das Flair zu erleben." Sein Schützling hat zudem keine Vorstellung, welche Leistung die anderen Teilnehmerinnen bringen könnten und will „mit Spaß an die ganze Sache herangehen, sich nicht unter Druck setzen und dann schauen, was dabei herauskommt".
Statt sich den Kopf zu zerbrechen, freut sie sich auf den Inselstaat – und ihren ersten Urlaub seit Weihnachten. An die Wettkampfwoche schließt eine Woche Freizeit an, in der die Teilnehmer die Umgebung anschauen und die anderen Sportarten mitverfolgen können. „Ich habe schon Tipps bekommen, dass ich mir auf jeden Fall den Zoo und Chinatown anschauen soll", freut sich die Leipzigerin auf ihre Rolle als Touristin.
Noch eines dürfte der Schülerin besonders gefallen. Ihr Idol Michael Phelps ist als Botschafter bei den Olympischen Jugendspielen unterwegs – die optimale Gelegenheit, sich neben einem Autogramm auch Tipps für noch mehr Erfolge zu holen. Frauke Sievers
Juliane Reinhold: Klar sollte der sportliche Teil im Vordergrund stehen. Aber ich hatte in diesem Jahr schon drei Höhepunkte und weiß nicht, ob ich mich noch mal steigern kann.LVZ2010-08-13
Typen, Trubel, TemperamenteWer 1700 Kilometer mit dem Fahrrad vom sächsischen Olbernhau nach Helsinki fährt, muss ein echter Fan der Schwimmer sein. Alexander Steiner – Trainer beim Schwimmteam Erzgebirge, der ab und an auch die Leipziger mitbetreut – hatte mit SSG-Sprinter Karl-Richard Hennebach eine Wette laufen. Wenn sich der 18-jährige Schüler für die Junioren-EM qualifiziert, wollte Steiner ihn bei der JEM mit dem Fahrrad besuchen. Also fuhr der Lockenkopf gut vier Tage lang quer durch Polen sowie durch Litauen, Lettland und Estland. Die letzten 65 Kilometer durfte er („mit Karlis Erlaubnis") von Tallinn aus mit der Fähre übersetzen. Denn die Route über St. Petersburg wäre nicht nur 300 Kilometer länger, sondern auch um einiges unsicherer gewesen. Um die Tortur durchzustehen, trank Steiner 20 Liter Wasser am Tag, alle 100 Kilometer legte er eine Esspause ein. Im Winter hatte er den jungen Schwimmer noch bis zu 70 Kilometer am Tag durch die Langlauf-Loipe gejagt. Nun war Steiner live dabei, als der Sprinter die Früchte des harten Trainings erntete. Juliane Reinhold und Tobias Horn sowie die mitgereisten Eltern freuten sich ebenfalls über den Besuch des Hobby-Radlers. Und auch die LVZ profitierte davon: Eine Stunde nach dem dritten Titel von Jule Reinhold schickte Steiner via Handy ein Foto der Gold-Hamsterin in die Redaktion. Heimwärts durfte der 33-Jährige übrigens fliegen.LVZ2010-07-21
Staffel-Siege und Einzel-BronzeGoldenes Wochenende für Juliane Reinhold bei den Junioren-Europameisterschaften in Helsinki. Nach dem ersten Staffel-Gold vom Donnerstag schwamm die 16-Jährige von der SSG Leipzig befreit auf und wurde von Tag zu Tag stärker. Der Lohn: Die Sportmittelschülerin kehrt heute mit drei Goldmedaillen und einmal Bronze aus der finnischen Hauptstadt zurück.
Am Sonnabend gehörte der Schützling von Oliver Trieb zum Sieger-Quartett über 4×200 m Freistil, das mit neuem JEM-Rekord gewann. Bei der Siegerehrung strahlten die vier DSV-Mädchen ausgelassen um die Wette, bei der Nationalhymne hielten sie ihre Hand ans Herz – und sie wurden von den Teamkollegen gefeiert. Der Erfolg setzte zusätzliche Kräfte frei. Gestern errang Juliane Reinhold dann für Leipzig die erste JEM-Einzelmedaille seit elf Jahren, für die Frauen war es sogar das erste Edelmetall seit 17 Jahren. Und sie krönte ihre Bronzeplakette über 200 m Lagen mit einem deutschen Altersklassenrekord. In 2:15,16 Minuten war Juliane Reinhold mehr als eine Sekunde schneller als bei den deutschen Meisterschaften im Juni.
Nach einer harten Woche setzte sie die letzten Kräfte in die Lagen-Staffel, wo die Leipzigerin in 1:00,95 min hervorragend den Schmetterling-Abschnitt bestritt. Die Spanierinnen schlugen zwar als Erste an – wurden aber wegen Frühstarts disqualifiziert. Zur Gold-Staffel gehörte mit Brustschwimmerin Lina Rathsack (SC Riesa) eine weitere Sächsin.
Nach dem siebten Rang von Serghei Golban kehren alle vier Leipziger mit Finalplätzen heim. Karl-Richard Hennebach (alle SSG) schwamm im Vorlauf über 50 m Rücken die viertbeste Zeit. Als dritter Deutscher durfte er aber nicht ins Halbfinale einziehen.LVZ2010-07-19
SSG-Kraulschwimmer Achter mit der StaffelDer Leipziger SSG-Schwimmer Tobias Horn hat gestern bei der Junioren-EM in Helsinki mit der DSV-Staffel über 4×200 m Freistil Rang acht belegt. Das Quartett lag neun Sekunden hinter den Medaillenrängen zurück. Der 17-jährige Horn war in 1:53,71 Minuten der zweitschnellste Deutsche. SSG-Kollegin Juliane Reinhold belegte im Halbfinale über 100 m Schmetterling Rang vier. Mit persönlicher Bestzeit (1:01,62 Minuten) qualifizierte sich die 16-Jährige für die Lagenstaffel am Sonntag.LVZ2010-07-17
Staffel-Gold für Juliane Reinhold26 Stunden nach dem fünften Platz über 400 m Lagen freute sich Juliane Reinhold gestern bei den Junioren-Europameisterschaften in Helsinki über Edelmetall – und dies ist aus Gold. Die 16-jährige Schwimmerin von der SSG Leipzig konnte ihren im Vorjahr in Prag errungenen Staffeltitel erfolgreich verteidigen. Die Schülerin verwies gemeinsam mit Teresa Behrens (Hohenbrunn), Silke Lippok (Pforzheim) und Alexandra Wenk (München) die Mädchen aus Großbritannien und Frankreich auf die Plätze. In 3:46,04 Minuten verpasste das Gold-Quartett den JEM-Rekord von Prag um acht Zehntel – damals waren aber noch Hightech-Anzüge erlaubt.
Dass es ein spannendes Staffel-Rennen wird, hatte bereits das Einzelrennen erahnen lassen, wo die fünf Top-Nationen je zwei Schwimmerinnen im Finale hatten. Juliane Reinhold hatte die schwere Aufgabe der Startschwimmerin übernommen und führte das DSV-Quartett in 57,27 Sekunden zunächst auf Rang fünf. Doch die überragende Silke Lippok brachte Deutschland nach 300 Metern an die Spitze. Am Ende betrug der Vorsprung auf die Engländerinnen gut eine halbe Sekunde.
Zuvor hatte es die ersten beiden Einzeltitel für Deutschland gegeben. Silke Lippok wiederholte ihren Vorjahressieg über 100 m Freistil, in 55,31 s hatte sie mehr als eine Sekunde Vorsprung auf zwei Französinnen, die sich Silber und Bronze sicherten. Die Vorjahres-Vierte Juliane Reinhold konnte nicht in den Medaillenkampf eingreifen, denn ihr Fokus lag auf den 400 m Lagen, die sich mit den 100 m Freistil überschnitten. Über 200 m Brust holte Christian von Lehn (Wuppertal) den Titel, der Chemnitzer Eric Wald wurde Vierter.LVZ2010-07-16
Drei SSG-Schwimmer bei Junioren-EM in Helsinki im FinaleBis zur 250-Meter-Marke lag sie auf Medaillenkurs. Dann wurden die Arme schwer. Dann wurde zugleich mal wieder deutlich, warum die 400 Meter Lagen als vielleicht härteste Schwimm-Disziplin gelten. Juliane Reinhold kämpfte bis zum Schluss. Am Ende sprang für die Leipziger SSG-Schwimmerin zum Auftakt der Junioren-Europameisterschaften in Helsinki in 4:48,77 Minuten ein fünfter Platz heraus, zwei Sekunden fehlten zu Edelmetall.
Fast genau vor zwei Wochen hatte die 16-Jährige in Berlin in dieser Disziplin sensationell ihren ersten deutschen Meistertitel bei den Frauen errungen. „Es war aber klar, dass sie nicht alle Tage eine 4:43 schwimmen kann", meinte Trainer Oliver Trieb, der das gestrige Finale gemeinsam mit den Eltern von Juliane Reinhold live im Internet verfolgte. Ein wenig ärgerte sich der Trainer, dass die 400 m Lagen erneut mit den 100 m Freistil kollidierten. Denn diesen Vorlauf absolvierte die Sport-Mittelschülerin gestern „zwischendurch" auch noch.
90 Minuten nach dem Lagen-Finale gab es dann die ersehnte erste Medaille für Deutschland und Sachsen: Lina Rathsack vom SC Riesa, die wie Juliane Reinhold im August an den Olympischen Jugendspielen in Singapur teilnehmen wird, holte in 32,37 Sekunden Silber über 50 m Brust. In die heutige 4×100-m-Freistilstaffel geht die gebürtige Görlitzerin gemeinsam mit Jule Reinhold als Titelverteidigerin.
Karl-Richard Hennebach (SSG) schaffte über 50 m Schmetterling ebenfalls den Finaleinzug und belegte mit 25,19 Sekunden den siebten Rang. "Über den Platz bin ich happy, leider habe ich etwas den Anschlag vergeigt. Eine 24er Zeit schien möglich", sagte der 18-Jährige. Bis zum Finale war es ein weiter Weg für den Leutzscher. Auf dieser Strecke hatte er bei der Jugend-DM vor sechs Wochen in Berlin die Helsinki-Norm verpasst, erst später hatte er sein Ticket über 50 m Rücken lösen können. Gestern musste er die 50 Meter gleich vier Mal schmettern, dazwischen lag noch der Vorlauf über 100 m Rücken. Seine erste Schmetterling-Zeit reichte zwar klar für den Sprung unter die Top 20, doch da von jedem Land nur zwei Athleten eine Runde weiterziehen dürfen, musste der Leipziger einen Extra-Ausscheid mit einem zeitgleichen Deutschen absolvieren. Dieses Duell gewann er mit einer winzigen Hundertstel Vorsprung, sowohl beim Ausschwimmen als auch im Semifinale erzielte Karl mit 25,05 Sekunden Bestzeit.
Der Leipziger Sportgymnasiast Serghei Golban (SSG), der in Helsinki für Moldawien antritt, war der Pechvogel des Tages. Er stand bis zum Vorabend nicht in den Startlisten, wurde aber noch nachgemeldet. Über 50 m Schmetterling kam es zur Schrecksekunde: Als der Leipziger in der Luft war, ertönte ein Signal der Startanlage, welches Golban fälschlicherweise als Fehlstart wertete. Er stoppte sein Rennen und schied aus. Mit seiner Bestzeit hätte er am Abend Platz vier belegt. Jedoch plagt ihn eine Erkältung, so dass er über 100 m Rücken sein Leistungsvermögen nicht ausschöpfte.
Der vierte SSG-Mann Tobias Horn legte gestern all seine Kraft in die 4×100 m Freistil. Dafür ließ er es sogar über 400 m Freistil locker angehen, doch in der Staffel war er voll da: Mit 51,71 Sekunden führte er das deutsche Quartett auf Platz sieben in den Endlauf. Und er sicherte sich mit dieser Bestzeit selbst einen Final-Platz. Als Schluss-Schwimmer konnte der Schützling von Eva Herbst den zweiten Platz nicht halten. Mit 52,04 s sicherte er dem DSV-Quartett Rang fünf, am Ende fehlten nur 35 Hundertstel zu Bronze, da Russland wegen Frühstarts rausflog. Der herausragende Athlet war gestern der 17-jährige Franzose Jannick Agnel, der über 100 und 400 m Freistil mit 49,08 Sekunden sowie 3:46,26 Minuten glänzte. Mit diesen Zeiten wird er demnächst sogar Weltmeister Paul Biedermann das Leben schwer machen.LVZ2010-07-15
Sundschwimmen – Leipziger mehrfach auf dem PodestNatürlich begann auch die 46. Auflage des Sundschwimmens mit einem Fehlstart. Sind die 1000 Teilnehmer in Altefähr auf Rügen erst einmal zu Wasser gelassen, gibt es kein Halten mehr. Doch die Organisatoren der DLRG-Ortsgruppe Stralsund haben aus der Vergangenheit gelernt – und legten einen organisierten Frühstart hin. Denn als sie ihr Schild („Noch fünf Minuten bis zum Start") nach oben hielten, hallte ihnen ein tausendfaches Gelächter entgegen. Denn die Massen waren längst unruhiger als eine Herde Rennpferde. Und so zählte der Starter von 10 rückwärts und schickte die Schwimmer in den Sund, der zwischen Rügen und dem Festland 2,3 Kilometer misst.
Wer nicht erneut Anfang Januar seine Meldegebühr bezahlt hatte, war am Sonnabend nur Zuschauer. Das Sundschwimmen ist und bleibt das größte und beliebteste deutsche Langstreckenschwimmen.
Einmal mehr war der Wettbewerb ziemlich fest in sächsischer Hand. Denn 13 Schwimmer der Top 20 kommen aus dem Freistaat, 8 der besten 20 Langstrecken-Asse sind Leipziger. Die beste Platzierung in der Totalwertung schaffte Feuerwehr-Weltmeister Uwe Bodusch (8.) vom Postschwimmverein, der bis zur Hälfte sogar in Führung lag. Fünf Post-Schwimmer kletterten in ihrer Altersklasse aufs Treppchen. Und sie ernteten frenetischen Jubel. Denn als sie gerade zur Siegerehrung auf die Bühne gerufen wurden, fiel das 1:0 der DFB-Fußballer gegen Argentinien.
Das Comeback des Jahres legte der zweite Feuerwehr-Weltmeister Jörg Färber hin, der ein halbes Jahr nach einem schweren Ski-Unfall Dritter seiner Altersklasse wurde. Bruder Ralph sorgte 20 Jahre nach seiner Leistungssport-Karriere als Brustschwimmer für den einzigen Leipziger Altersklassensieg. Platz zwei in seiner (neuen) Altersklasse 50 errang mit Holger Maiwald (alle Post SV) der Vorsitzende des Leipziger Schwimmsportverbandes. Er hatte 1990 die Totalwertung gewonnen. Ebenso stark wie der Post SV waren die Schwimmer des Behindertensportverbandes vertreten, die den Wettkampf bei herrlichem Wetter und 23 Grad Wassertemperatur zum Teil zur Vorbereitung auf die WM im August in Eindhoven nutzten. Frank Schober
Leipziger Platzierungen, AK 14-25: 5. Robert Dörries, 6. Eric Michel, 8. Martin Schulz, AK 26-37: 2. Uwe Bodusch, 3. Jörg Färber, 5. Thomas Hämmer, 6. Jarno Wittig, 8. Jörg Dreßler, AK 38-49: 1. Ralph Färber, 3. Stefan Fuchs, 4. Heiko Rudolph, AK 50: 2. Holger Maiwald, 4. Mathias Ohms (Delitzsch).LVZ2010-07-08
Typen, Trubel, Temperamente:Wenn das kein Grund zum Feiern ist: 36 Medaillen, davon 18 goldene, holten die 15 besten Leipziger Schwimmer bei den verschiedenen Deutschen Meisterschaften der vergangenen Wochen. Schon einen Tag nach den Triumphen von Berlin luden die Startgemeinschaft SSG und der Förderverein Vesch zum Empfang der Medaillengewinner. Landessportbund-Vize Christian Dahms verblüffte mit einer ganz besonderen Laudatio: „Die Schwimmer haben den Nibelungen-Schatz gehoben", sagte er in Anspielung an das viele gewonnene Gold. Und er baute die Namen der Medaillengewinner geschickt in seine Interpretation der Sage ein. Der 32-jährige Stefan Herbst, der bei der EM in Budapest dabei ist und sogar bis London 2012 weitermachen will, war ebenso erwähnt wie die Junioren-EM-Starter Juliane Reinhold, Serghei Golban, Tobias Horn und Karl-Richard Hennebach, für die es kommende Woche in Helsinki ernst wird. Sie alle kommen von verschiedenen Heimatvereinen, der Zusammenschluss zur SSG hat sich erneut als Erfolgsrezept herausgestellt. „Ich bin hochzufrieden. In Leipzig wird eine wunderbare Nachwuchsarbeit geleistet. Was die Schwimmer vorgemacht haben, gemeinsam an den Start zu gehen, imponiert mir wahnsinnig. Es gibt einige in unserer Stadt, die sich daran ein Beispiel nehmen können", sagte Heiko Rosenthal. „Diese Entwicklung ist ein Signal an uns, künftig zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen", versprach der Sportbürgermeister. Wolfram Sperling, Präsident des Sächsischen Schwimm-Verbandes, meinte: „Als wir 2008 ein tiefes Tal durchlaufen sind, haben wir uns gesagt: ,Jetzt greifen wir erst richtig an’" Nun besteht die Chance, dass Leipziger Schwimmer bei den Spielen in London eine gute Rolle spielen.LVZ2010-07-07
Mit Rücken-Gold ins EM-Team Stefan Herbst in Budapest dabei / Leipziger Frauen-Staffel jubelt über SilberBerlin. Doppel-Weltmeister Paul Biedermann verlässt die Titelkämpfe in Berlin nach zähem Beginn als dreifacher deutscher Meister und Weltjahresbester über 200 m Freistil. Freundin Britta Steffen sagte wegen einer schweren Bronchitis endgültig ihre EM-Teilnahme in Budapest ab. Am Abschluss-Tag hatten die Leipziger mehrfach Grund zum Jubeln: Stefan Herbst qualifizierte sich als Meister über 100 m Rücken für die EM. Insgesamt holten die SSG-Schwimmer der Messestadt zweimal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze.
Vergleiche mit dem Fußball haben derzeit Hochkonjunktur. Also sagte Sportdirektor Lutz Buschkow gestern nach dem EM-Aus für Britta Steffen: „Joachim Löw hat seine Zielstellung auch nicht geändert, als Michael Ballack ausfiel. Und wir kämpfen auch ohne Britta nach wie vor in Budapest um elf Medaillen und 20 Finalplätze."
Ob der Deutsche Schwimm-Verband damit seine führende Position in Europa behaupten kann, ist jedoch fraglich. Im Gegensatz zum Löw-Kader erscheint die Personaldecke momentan recht dünn. Jedoch zeigte Rekord-„Torjäger" Paul Biedermann, dass erneut mit ihm zu rechnen ist – in diesem Jahr wie alle anderen in Badehose statt Turbo-Anzug.
Dieser fehlte Stefan Herbst deutlich auf den Kraulstrecken, auf denen er die Europameisterschafts-Staffeln verpasste. Doch der 32-Jährige hatte noch ein heißes Eisen im Feuer: Die 100 m Rücken, die er bereits im Vorlauf dominiert hatte. Gestern gewann der Kapitän der SSG auch das Finale, in dem er kämpfen musste wie noch nie. Es war sein sechstes Rennen, die fünf zuvor hatten an den Kräften gezehrt.
„Ich bin schon bei der 50-Meter-Marke Bestzeit angegangen. Deshalb war nach 75 Metern Pumpe. Ich habe die letzten beiden Leinen 15 und fünf Meter vor dem Ziel herbeigesehnt. Doch die kamen und kamen einfach nicht", sagte der dreifache Olympiateilnehmer, der nun als Rückenschwimmer der Lagenstaffel seine dritte Langbahn-EM erleben wird. Die Entscheidung gegen die 200 m Freistil war richtig.
In Budapest könnte er auch über 50 m Rücken antreten. Auf den Sprint hatte er in Berlin verzichtet: „Das hätte wegen der harten EM-Norm keinen Sinn gehabt, obwohl ich wahrscheinlich auch hier Deutscher Meister geworden wäre."
Mutter und Trainerin Eva Herbst hatte schon länger damit geliebäugelt, dass Stefan auf die Rückenstrecken ausweichen muss, um in der Nationalmannschaft zu bleiben: „Auf der Kurzbahn hat er es ja schon häufig bewiesen. Und in diesem Jahr war die Chance groß, weil einige Rückenschwimmer aufgehört haben."
Auf seine Vorgänger traf der Leipziger unmittelbar nach seinem Einzelsieg in der Lagenstaffel. Herbst hielt Helge Meeuw (Magdeburg) und Steffen Driesen (Dormagen) in Schach, doch das SSG-Quartett hatte mit Rang vier am Ende erneut Pech.
Umso größer war danach der Jubel bei den Frauen, weil Schluss-Schwimmerin Carolin Sperling den von Lisa Graf, Anna-Marie Macht und Juliane Reinhold erkämpften Bronzeplatz verteidigte. Da der SV Halle disqualifiziert wurde, gab es sogar noch Silber für das SSG-Quartett. Somit freuen sich die Leipziger nach der DM-Woche über zwei Titel sowie insgesamt sechs Medaillen. Im Vorjahr gab es vier, Gold war nicht darunter. Gleich vier Mal Edelmetall holte die 17-jährige Lisa Graf, die sich vor allem bei ihrer Silbermedaille über 200 m Rücken gewaltig steigerte und die Europameisterschaft nur um eine Sekunde verpasste.LVZ2010-07-05