03.07.2010 – Silberne Gräfin, hölzerne Staffeln – Leipziger Schwimmerin Lisa Graf DM-Zweite / Freistil-Quartetts auf Rang vier
Silberne Gräfin, hölzerne Staffeln – Leipziger Schwimmerin Lisa Graf DM-Zweite / Freistil-Quartetts auf Rang vierBerlin. Schwimm-Weltmeister Paul Biedermann will endlich loslegen. „Die vielen Vorlauf-Tage nerven mich", sagte der Freistilspezialist, der es bislang bei den deutschen Meisterschaften ruhig angehen ließ. Doch am Wochenende will er über 200 und 400 m Freistil an die Spitze der Weltrangliste stürmen und auch die 100 m gewinnen.
Da bislang nur wenige Finals stattfanden, wurde der Überraschungssieg der Leipzigerin Juliane Reinhold über 400 m Lagen umso stärker wahrgenommen, erstmals stand die 16-Jährige im Fokus der Medien. „Ich habe alle Fragen locker beantwortet, konnte letzte Nacht super schlafen", so die Schülerin, die gestern als Fünfte über 200 m Freistil die Europameisterschafts-Staffel für Budapest knapp verpasste. „Das war nie mein Ziel, ich freue mich auf die Junioren-EM in Helsinki und die Jugendspiele in Singapur."
Die zweite Einzelmedaille für die SSG Leipzig errang gestern Lisa Graf, die über 50 m Rücken ihren zweiten Vorlauf-Platz verteidigte und in 29,13 Sekunden persönliche Bestzeit schwamm. „Das war so krass", sagte sie unter Freudentränen: „Das ganze Rennen lief einfach super." Zur EM-Norm fehlten knapp vier Zehntel, Reserven sieht die Sportgymnasiastin beim Start: „Da fehlt mir vor allem die Sprungkraft. Ich arbeite schon eine Weile daran, das ist eine langfristige Angelegenheit", so die 17-Jährige, die sich nach der knapp verfehlten Junioren-EM 2008 Stück für Stück an die Spitze herankämpft.
Für Stefan Herbst ging gestern eine Ära zu Ende. Seit 1998 stand er bis auf eine krankheitsbedingte Absage in jedem DM-Finale über 200 m Freistil, vor dem -Aufstieg von Paul Biedermann war der Leipziger häufig Meister. Doch gestern meldete der 32-Jährige nach einem sechsten Rang im Vorlauf seine Final-Teilnahme ab. Damit steht fest: Herbst versucht sein (EM-)Glück am Sonntag (15 Uhr) über 100 m Rücken, wo er im Vorlauf Schnellster war. Beide Finals finden innerhalb von fünf Minuten statt, ein Doppelstart ist ausgeschlossen.
Obwohl er mit sich im Reinen war, kam er doch kopfschüttelnd aus dem Ausschwimmbecken: „Das gibt es eigentlich nicht, auf der Hauptstrecke abzumelden. Es war keine leichte Entscheidung." Doch mit 1:50,37 Minuten war er für den eigenen Geschmack zu langsam, fünf Kontrahenten schwammen deutlich unter 1:50. „Ich war etwas erschrocken, dass ich nach der ersten Bahn klar vorn lag. Doch da hätte ich weiter Druck machen müssen", sagte Herbst. Seine Zeit wollte er nicht allein auf das Anzug-Verbot schieben: „Ich kann auch in Hose schneller schwimmen, das habe ich im Mai mit 1:45 auf der Kurzbahn gezeigt."
Eine weitere Chance auf ein EM-Ticket bietet sich heute über 100 m Freistil. „Ich muss mutig angehen, das habe ich in der Staffel schon probiert, da bin ich volles Risiko geschwommen." Immerhin errang das SSG-Quartett ohne den erkrankten Riccardo Prietzsch Platz vier, zu Bronze fehlte nur eine Sekunde. Herbst (49,74) wirkte auf den letzten 30 Metern fest. Da wird es heute wohl auf weniger Risiko hinauslaufen.Die Holzmedaille gab es auch für das 4×100-m-Freistil-Quartett der Frauen. Den SSG-Staffeln fehlt in diesem Jahr ein Quäntchen Glück.LVZ2010-07-03
Paukenschlag – Schwimmerin Juliane Reinhold holt überraschend DM-GoldBerlin. Damit hatte niemand gerechnet, die 16-jährige Leipzigerin am allerwenigsten: Einen Tag nach ihrem vierten Platz über 200 m Lagen stand Juliane Reinhold gestern bei den deutschen Meisterschaften in Berlin plötzlich zum ersten Mal in ihrer Karriere bei den Erwachsenen auf dem obersten Treppchen. Über 400 m Lagen steigerte die SSG-Schwimmerin ihre Bestzeit um vier Sekunden und düpierte die Konkurrenz.
Schmetterling hatte sie als Fünfte eröffnet, auf der Rückenlage schob sie sich auf Platz zwei, um beim Brustschwimmen unwiderstehlich davonzuziehen. Und über 100 m Kraul blieb sie locker und wehrte alle Angriffe ab. „Jule ist schön sauber und ruhig geschwommen. Das Technik-Training der letzten Wochen hat sich im Brust-Abschnitt bezahlt gemacht", so Trainer Oliver Trieb.
Die Familie in Leipzig-Grünau war vollends aus dem Häuschen. „Sonst brüllt ganz Grünau, wenn Deutschland im Fußball ein Tor schießt. Da darf ich auch mal brüllen, wenn meine Tochter deutsche Meisterin wird", sagte Mutter Uta, die das Rennen im Internet live verfolgte. Danach war bei Reinholds eine Stunde lang die Telefonleitung besetzt, die elf Geschwister der Meisterin riefen begeistert an. Vater Hannes konnte es kaum fassen, über den großen Erfolg sofort im Videotext zu lesen.
Für die Mutter war es ein überwältigendes Gefühl und ein Moment der Besinnung: „Es war nicht immer leicht, vor allem mit der Finanzierung ihres Sports. Aber es hat sich alles gelohnt", sagte sie. Vor fünf Jahren war die Familie wegen der Schwimm-Laufbahn der Tochter von Jena nach Leipzig gezogen. 2006 stellte Juliane mit zwölf Jahren ihren ersten deutschen Altersklassenrekord auf, über 100 m Schmetterling entthronte sie damals Franziska van Almsick. Gestern verpasste sie den 21 Jahre alten Rekord der DDR-Schwimmerin Grit Müller um eine Sekunde. Die Fachwelt war erstaunt, mit welcher Cleverness die zweitjüngste Final-Teilnehmerin das Feld beherrschte.
„Das Finale hat einfach nur Spaß gemacht. Es war eine sehr gute Vorbereitung auf die Jugend-EM in Helsinki", sagte Juliane, die sich auf Platz acht der europäischen Jahresbestenliste bei den „Großen" schob. Urplötzlich war sie ein Thema für die EM in Budapest. Doch die Sport-Mittelschülerin freut sich auf die olympischen Jugendspiele in Singapur. Und Bundestrainer Dirk Lange deutete an, dass sich daran nichts ändert: „Ich registriere mit Freude, wie toll sie sich entwickelt. Aber es bleibt sicher dabei." Budapest und Singapur überschneiden sich terminlich, nur einer der beiden Höhepunkte ist möglich. Ihre gute Form stellte die Meisterin auch als SSG-Schluss-Schwimmerin der 4×200-m-Freistilstaffel unter Beweis, die sie vom fünften noch auf den vierten Platz führte.
Während Juliane Reinhold gestern die kräftezehrende Königsdisziplin gewann, geht es heute weiter mit den 50-Meter-Finals. Im Rückensprint zog Lisa Graf (SSG) in 29,39 s als Zweite ins Finale, dabei gewann sie ihre zweite Junioren-Goldmedaille. Stefan Herbst erreichte in 50,31 s als Sechster das Finale über 100 m Freistil.LVZ2010-07-02
Der schwere Weg nach Singapur
SSG-Schwimmerin Juliane Reinhold einzige Leipziger Starterin bei der Premiere der Olympischen JugendspieleLeipzig. Die Mannschaft ist klein. Die Qualifikations-Hürden waren hoch. Doch Juliane Reinhold hat es geschafft, als einzige Leipziger Nachwuchsathletin wurde die Schwimmerin gestern vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ins 70-köpfige Team für die Premiere der Olympischen Jugendspiele in Singapur berufen. Die 16-Jährige von der Sport-Mittelschule ist eine von drei Sachsen im Aufgebot, über ein Ticket nach Asien freuen sich auch Leichtathletin Rebekka Haase aus Thum und Rennkanute Tom Liebscher aus Dresden.
Zudem ist die Riesaer Brustschwimmerin Lina Rathsack eine heiße Kandidatin für den letzten freien Platz im achtköpfigen Schwimm-Team. Dieser wird Ende der Woche nach den deutschen Meisterschaften vergeben. Schließlich kommt mit dem Dresdner Ulf Tippelt auch der Chef de Mission aus dem Freistaat. Und der Leipziger SSG-Schwimmer Serghei Golban wird für Moldawien antreten.
Für Juliane Reinhold bedeutet die Nominierung Rückenwind für die heute beginnenden Meisterschaften in Berlin. Danach geht es Schlag auf Schlag für die mehrfache deutsche Jahrgangsmeisterin: Mitte Juli startet sie bei den Junioren-Europameisterschaften in Helsinki, wo der Schützling von Oliver Trieb Gold mit der Freistilstaffel verteidigen will sowie weitere Einzel- und Staffelstarts absolviert. Statt Urlaub folgt danach ein weiteres Trainingslager in Heidelberg.
Für Juliane Reinhold war die Qualifikation kein Selbstläufer. Zum einen gehört ihre stärkste Disziplin 400 m Lagen in Singapur nicht zum abgespeckten Programm. Zum anderen hatte der Schwimm-Weltverband Fina nur bestimmte internationale Meetings für das Erreichen der Normen zugelassen. „Dort war es aber schwierig, die Zeiten zu erreichen. Zum einen war Jule häufig krank – und der Formaufbau war stets auf die deutschen und Junioren-Europameisterschaften ausgerichtet", erklärt Trainer Oliver Trieb.
Obwohl sie keine ausgemachte Kraul-Spezialistin ist, erreichte die Leipzigerin ihre Normzeiten letztlich bei der Junioren-EM 2009 in Prag über 100 und 200 m Freistil. Dies erwies sich im Nachhinein als taktisch richtig: Denn in Singapur ist Deutschland als eine von 16 Top-Schwimmnationen in den Freistilstaffeln gesetzt. Für die Jugendlichen wird auch eine Mixed-Staffel angeboten, in der zwei Jungen und Mädchen um die Medaillen kämpfen. Da die schnellste Kraulerin Silke Lippok (Pforzheim) bereits für die EM der Erwachsenen im August in Budapest vorgesehen ist, setzt der DSV in Singapur umso stärker auf die Leipzigerin.
Auch in allen anderen Sportarten war die Qualifikation schwierig. Meist fiel die Vorentscheidung schon im Vorjahr, vielfach haben die größten Leipziger Talente – wie im Judo, Kanu oder Wasserspringen – nicht den passenden Geburts-Jahrgang. Die meisten deutschen Teilnehmer (16) kommen aus der Leichtathletik. Insgesamt stehen 201 Entscheidungen an, Deutschland ist in 20 der 26 Sportarten vertreten. Insgesamt 3600 Athletinnen und Athleten erleben die Premiere in Singapur.LVZ2010-06-30
Freiwasser-Schwimmer mit Doppel-BronzeUwe Bodusch (Post SV) holte bei den deutschen Freiwasser-Titelkämpfen der Schwimmer in Straußberg Bronze über 2,5 und 5 km der Altersklasse 30. Der Vorjahreszweite Daniel Weiß (SV Automation) kam in der AK 16 auf die Plätze sieben und acht.LVZ2010-06-28
Graf, Sperling und Prietzsch mit vier TitelnEs ging deutlich aufwärts in den letzten Wochen bei Stefan Herbst: Der 32-jährige Schwimmer von der SSG Leipzig steigerte sich von Wettkampf zu Wettkampf, bereitete sich akribischer denn je auf die EM-Qualifikation vor. Doch am Donnerstag knickte er im Trainingscamp auf dem Rabenberg um („eigene Dummheit") und musste die offenen Sachsenmeisterschaften in der Uni-Halle wegen Schmerzen im Fuß- und Kniegelenk sausen lassen. Dennoch holten die Messestädter 20 Titel, wobei der Wahl-Leipziger Aleksandre Bakhtiarov aus Zypern mit 24,74 s über 50 m Schmetterling die deutlich beste Leistung erzielte.
Einigen wie der vierfachen Sachsenmeisterin Lisa Graf fehlte noch die Frische, um edle Zeiten ins Edelstahlbecken der Uni-Schwimmhalle zu zaubern. Andere verdienten sich bereits einen Smiley im Buch der Trainerin Eva Herbst. Carolin Sperling, die ebenfalls vier Titel abräumte, war über 100 m Freistil (58,11) schon fast so schnell wie vor Jahresfrist mit Hightech-Schwimmanzug. In ihrem Sog erkämpfte sich Anna-Marie Macht (59,00) eine gute Ausgangsposition, um in die aussichtsreiche SSG-Staffel zu rücken, die in knapp zwei Wochen in Berlin wie im Vorjahr um die DM-Medaillen mitschwimmen will.
Auch unter die Siegerzeit von Tony Wiegmann über 200 m Brust kam ein lächelndes Gesicht ins Buch. Der 19-Jährige ging beherzt an, schüttelte die schnellen Chemnitzer Brust-Sprinter sofort ab und hatte im Ziel sechs Sekunden Vorsprung. „Wenn ich bis Mittwoch meine letzten Prüfungen weg hab, bin ich hoffentlich noch etwas freier im Kopf", sagte der angehende Schwimmmeister, der seine Bestzeit um fünf Sekunden steigerte.
Das spannendeste Duell der Titelkämpfe lieferten sich über 100 m Schmetterling die Leipziger Peter Dittrich und Frank Förtsch, der seine Leistungssport-Karriere beendet hat und vergangene Woche für die Bergakademie Freiberg den deutschen Hochschul-Titel errungen hat. Bei der Wende hatte Dittrich noch über eine Sekunde Vorsprung, dann flog Förtsch heran. Im Ziel leuchteten sieben Hundertstel Unterschied auf, doch weil die Namen auf der Anzeigetafel ausgefallen waren, wussten beide nicht, wer eigentlich gewonnen hat. Umso größer später der Jubel bei Förtsch, der auf die DM verzichtet und Dittrich eine möglichst große Steigerungsrate wünscht.
Nachdem der Abi-Stress vorbei ist, befindet sich auch Riccardo Prietzsch auf dem aufsteigenden Ast. Der von Lok Mitte stammende SSG-Mann sicherte sich bei vier Starts vier Goldmedaillen und meinte: „Qualität ging diesmal für mich vor Quantität. Das hat gut geklappt." Doch abgerechnet wird in zwei Wochen in Berlin.LVZ2010-06-21
Nach Berlin ist vor BerlinSachsentitelkämpfe der Schwimmer in der Uni-Halle gelten als wichtiger Test für die EM-Qualifikation
Philipp Sikatzki beim Gold-Jubel vor 14 Tagen in Berlin. Foto: Mirko Seifert
Die Vorbereitungen laufen seit Wochen auf Hochtouren, die Veranstalter arbeiten mit Liebe zum Detail. Die Sachsenmeisterschaften der Schwimmer von heute bis Sonntag in der Uni-Halle sind der erste größere Wettkampf, der von der neugegründeten SSG Leipzig organisiert wird. Er gilt als Testlauf für ein größeres Meeting, das in den kommenden Jahren etabliert werden soll.
Für die sächsische Spitze um den dreifachen Olympiateilnehmer Stefan Herbst und die mehrfache DM-Medaillengewinnerin Lisa Graf könnten diese Titelkämpfe besser nicht terminiert sein. Die Gruppe von Eva Herbst trainiert bis heute Mittag auf dem Rabenberg und nutzt den Wettkampf zum Formaufbau für die offenen deutschen Meisterschaften samt EM-Qualifikation übernächste Woche in Berlin. In der Hauptstadt hatte Anfang Juni bereits der Leipziger Nachwuchs für Furore gesorgt und elf Titel sowie vier Junioren-EM-Tickets erkämpft. Insofern ist also nach Berlin vor Berlin.
Mit Philipp Sikatzki und Marius Schäffner (beide SSG) sind am Wochenende zwei frischgebackene deutsche Jahrgangsmeister am Start. Sieben sächsische Champions der Jugend-DM dürfen ihr Können nicht zeigen, weil sie sich gerade in Heidelberg auf die JEM im Juli in Helsinki vorbereiten.
Mit am Start sind aber zwei weitere deutsche Meisterinnen: Katrin Altmann (SSV Leutzsch) und Sarah Dinger (SV Handwerk) gehörten zum 16-köpfigen Team der Uni Leipzig, das vergangene Woche in Mainz bei den deutschen Hochschulmeisterschaften gewaltig abräumte. Katrin Altmann – Siegerin der World Games 2009 in Taiwan im Rettungsschwimmen – gewann in Mainz zwei Einzelstrecken und gehörte zu den vier siegreichen Staffeln über 6×50 Meter mixed. Beachtliche Zeiten auch ohne Flosse erzielten die Finswimming-Meister Sven Lützkendorf und Michael Beer. Dies beweist: Leipziger Schwimmer ernten zurzeit im Wochentakt die Früchte fürs harte Trainingsjahr.LVZ2010-06-18
SSG Leipzig wird zum Erfolgsmodell
Schwimmer geben im Nachwuchs Gas / Bundesweite Aufmerksamkeit für StartgemeinschaftMit elf Goldmedaillen und vier Qualifizierten für die Junioren-EM in Helsinki haben die Schwimmer der SSG Leipzig bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften nachdrücklich auf sich aufmerksam gemacht. Juliane Reinhold, Tobias Horn und Karl-Richard Hennebach schwimmen für Deutschland in der finnischen Hauptstadt, der fünffache Meister Serghei Golban startet für sein Heimatland Moldawien.
Stefan Herbst war begeistert. Leipzigs Vorzeigeschwimmer und sportlicher Leiter der Schwimm-Startgemeinschaft (SSG) ließ es sich nicht nehmen, vom Trainingslager in Potsdam nach Berlin zu düsen und den SSG-Nachwuchs anzufeuern. „Besonders toll fand ich, dass alle Trainer und Trainingsgruppen an den Erfolgen beteiligt sind. Alle haben gut trainiert und alle Trainer haben einiges richtig gemacht", sagte der 32-Jährige. Stützpunkttrainer Oliver Trieb fiel auf: „Viele Vertreter gerade aus West-Vereinen erkennen an, dass sich in Leipzig etwas entwickelt hat. Unser SSG-Projekt hilft dabei ungemein." Die anderen Medaillen-Trainer sind Eva Herbst, Jirka Letzin und Veit Gabrysiak.
Mitunter werden die Schwimmer von den Talenten anderer Sportarten beneidet. Während beispielsweise im Judo oder in der Leichtathletik Medaillen für Gruppen aus zwei oder drei Jahrgängen vergeben werden, gibt es im Wasser in jeder Altersklasse ein Finale. Doch die Konkurrenz mit 200 Vereinen ist groß. Und als es in Extra-Endläufen um die Tickets für die Junioren-EM ging, mussten sich die Leipziger doch gegen Konkurrenz aus zwei Jahrgängen durchsetzen.
Durch diese Zusatz-Finals hatten einige ein Mammut-Programm zu absolvieren. So sprang Juliane Reinhold an fünf Tagen gleich 16 Mal ins Becken. Der Lohn: Zwei Titel und das JEM-Startrecht in vier Einzel- und drei Staffelwettbewerben. Wie viele Disziplinen die Sportmittelschülerin in Helsinki tatsächlich wahrnimmt, muss noch mit dem Zeitplan in Einklang gebracht werden. „Am meisten habe ich mich über meine 2:16 über 200 m Lagen gefreut", sagte die 16-Jährige. Besonders beachtlich: Dies war ihr 15. Start, als die Kräfte eigentlich schon nachließen.
Kraul-Schwimmer Tobias Horn gilt seit seinem Sieg beim Länderkampf Anfang Mai in Italien als Aufsteiger des Jahres. „Ich wusste kurz vorher gar nicht, dass es den Länderkampf überhaupt gibt. Dann habe ich mich sehr gefreut, dass ich nominiert wurde und sogar vorn landen konnte." Dies setzte Kräfte offenbar frei. In Berlin bewies er, dass dies keine Eintagsfliege war. Mit seinem Turbo-Endspurt gewann er die Quali-Rennen über 200 und 400 m Freistil. „Die Rennen taten zwar ganz schön weh, aber das halte ich aus."
Für Karl-Richard Hennebach ging ein Traum in Erfüllung. „Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als mir der Bundestrainer sagte, dass er mich in zwei 50-Meter-Strecken einsetzen will", sagte der 18-Jährige, dem über 50 m Schmetterling sechs Hundertstel zur Norm fehlten. Doch dann unterbot er die Pflichtzeit über 50 m Rücken gleich dreimal: „Da habe ich noch mal alle Reserven mobilisiert, mehr ging einfach nicht." Wie jedes Jahr sorgten die Bilder bei der Siegerehrung für Heiterkeit, weil der kleine Sprinter von seinen Kontrahenten um eineinhalb Köpfe überragt wird.
Serghei Golban steigerte sich zum Vorjahr vor allem auf den 100-m-Strecken. „Er hat gelernt, dass Sprintvermögen nicht reicht, sondern er sich im Training durchbeißen muss", so Trainerin Eva Herbst. Dass Serghei in einer WG mit ihrem Sohn wohnt, findet sie eine gute Konstellation. Stefan Herbsts Einstellung zum Sport färbe ab. „Stefan regt Serghei viel zum Nachdenken an." Doch trainieren und schnell schwimmen muss der 17-Jährige alleine. Derzeit tut er das mit Bravour. Und in den nächsten Jahren vielleicht sogar für Deutschland.LVZ2010-06-08
SSG-Schwimmer räumen abFünf Starts, fünf Siege: Serghei Golban von der SSG Leipzig gehörte bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin zu den herausragenden Schwimmern. Der 17-jährige Sprinter vervollständigte seine Titelsammlung mit Erfolgen über 50 m Rücken (26,53 s) und 50 m Freistil (23,43). Überhaupt räumten die Leipziger in geschlossener Manier ab: Mit elf Gold-, acht Silber- und vier Bronze-Medaillen wurde das starke Ergebnis des Vorjahres (8/7/4) noch getoppt. Die elf Titel verteilen sich auf sechs Schwimmer.
Ebenfalls fünf Medaillen sammelte Junioren-Europameisterin Juliane Reinhold (zwei Gold, drei Silber) – in allen fünf Disziplinen erfüllte sie die JEM-Norm für Helsinki. Mit 2:16,82 min über 200 m Lagen sorgte sie zum Abschluss für eine der überragenden Leistungen der Titelkämpfe. Das Sahne-Häubchen: Gestern Abend wurde sie vom DSV für die Premiere der Olympischen Jugendspiele im August in Singapur nominiert.
Am Wochenende sprangen noch zwei SSG-Asse auf den Junioren-EM-Zug nach Helsinki auf. Tobias Horn gewann nach den 400 m Freistil gestern auch den JEM-Ausscheid über die halbe Distanz in 1:52,71 min. Und auch Sprintspezialist Karl-Richard Hennebach freut sich neben seinen vier Medaillen über das Ticket nach Finnland. Der 18-Jährige gewann am Sonnabend Gold über 50 m Rücken. Der aus Moldawien stammende Serghei Golban ist international derzeit nicht für Deutschland startberechtigt.
Weiter, Silber: Stine Gabrysiak (200 R), Bronze: Anna-Marie Macht (200 L), Karl-Richard Hennebach (50 m Freistil).LVZ2010-06-06
Dritter Titel für Schwimm-Talent GolbanDrei Mal Edelmetall holten die Leipziger Schwimmer am zweiten Tag der deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin – und alle drei Medaillen haben goldenen Glanz. Der 17-jährige Sergej Golban errang über 100 m Freistil seinen dritten Titel, dabei gelang ihm in 51,48 s ein Start-Ziel-Sieg. Jedoch wurden am Ende die Arme schwer, so dass sich der aus Moldawien stammende Sportgymnasiast den Sieg mit einem Kontrahenten teilen musste. Gleich zwei Erfolge verbuchten die Rückenschwimmer über 100 Meter. Marius Schäffner (14) steigerte sich um drei Sekunden auf 1:01,68 min, der zwei Jahre ältere Philipp Sikatzki triumphierte in 58,06 s. Damit steigerten die SSG-Talente ihre Gesamtbilanz auf sieben Titel. Im Extra-Finale um die Junioren-EM-Tickets wurde Juliane Reinhold Zweite über 100 m Freistil, in 56,31 s machte sie ihren zweiten Startplatz für Helsinki perfekt. Damit steigen zudem die Chancen, an den ersten Olympischen Jugendspielen im August in Singapur teilzunehmen. Ihr Teamkollege Karl-Richard Hennebach (alle SSG Leipzig) wurde im JEM-Nominierungsrennen Zweiter über 50 m Schmetterling. In 25,06 s verpasste er die Norm hauchdünn um sechs Hundertstel.LVZ2010-06-04
SSG-Starter: Vier Titel, zwei NormenOptimaler Auftakt der deutschen Jahrgangsmeisterschaften für die Schwimmer der SSG Leipzig: Die Talente der Messestadt holten am gestrigen ersten Wettkampftag in Berlin vier Goldmedaillen, vier Mal Silber und ein Mal Bronze.
Doppel-Meister über 50 Meter Schmetterling und 100 Meter Rücken wurde der 17-Jährige Serghei Golban in 24,95 sowie 57,10 Sekunden. Juliane Reinhold (16) wiederholte ihren Vorjahressieg über 400 m Lagen (4:52,37), errang zudem Platz zwei über 100 m Freistil (57,00) und erfüllte in beiden Disziplinen die Norm für die Junioren-Europameisterschaften im Juli in Helsinki. Den vierten Titel für Leipzig errang Tobias Horn (17), der über 400 m Freistil erstmals die Vier-Minuten-Marke knackte (3:59,14).
Silber und Bronze gab es für Karl-Richard Hennebach (18) über 100 m Rücken und 50 m Schmetterling. Ebenfalls über Silber freuten sich Stine Gabrysiak (14) und Philipp Sikatzki (16) über 100 m Schmetterling. Insgesamt standen 19 Leipziger Schwimmer in den gestrigen Finals.LVZ2010-06-03